Zur Startseite RWE Logo

Background

neues aus dem konzerthaus dortmund

»Das wäre doch etwas für die hörbar.« Diesen Satz hören wir in Besprechungen regelmäßig. Weil nunmal nicht alles in unserem Konzerthaus-Magazin Platz findet, wir Interessantes und Informatives ebenso wie Unterhaltsames und Kurioses rund um das Konzertleben aber dennoch nicht für uns behalten möchten, üben die Kollegen jetzt schon einmal den Satz »Das wäre doch etwas für die Webseite.« Denn hier werden wir in Zukunft kleinere und größere Geschichten rund um das Konzerthaus erzählen.

pressekontakt

Dr. Jan Boecker

Leiter Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
T 0231-22 696 151
E-Mail schreiben

04.09.2012

Leidenschaft bis zur letzten Note

 

Im April 2012 begab sich das KONZERTHAUS DORTMUND auf eine außergewöhnliche Expedition. Um musikalischer Leidenschaft ein Zeichen zu setzen, gingen wir mit acht Musikern und einer Filmcrew in New York an Bord eines Schiffes, dessen Ziel mitten im Nordatlantik lag: die Untergangsstelle der Titanic. Zum 100. Jahrestag des Unglücks des legendären Ozeandampfers sollte dort der Opfer gedacht werden. Unter ihnen befand sich damals auch die achtköpfige Bordkapelle, die selbst im Angesicht der Katastrophe nicht aufhörte, die Menschen mit ihrer Musik zu beruhigen und zu trösten und die noch spielte, als das Wasser bereits aufs Deck schwappte. Unsere Mission war es, das Konzert dieser acht Männer zu beenden und mit einer Boje an der Unglücksstelle der Leidenschaft für die Musik ein bleibendes Zeichen zu setzen.

 

Eine Ausstellung im Konzerthaus-Foyer begibt sich auf die Spuren dieser einzigartigen Reise. Besucher können der markierten Route des Schiffes folgen, um das Logbuch der Crew zu lesen, ein »Making of« in Bildern und den fertigen Film zu sehen und Originalausrüstungsgegenstände der Expedition sowie eine Kopie der Boje zu betrachten. 

24.08.2012

Überraschung gelungen: Der Orffmob

Mit einem Carmina-Burana-Flashmob in der Thier-Galerie verblüfften ca. 60 Chorakademie-Sänger die Besucher der Thier-Galerie. Was als vermeintliches Solo einer schwer zu ortenden Frauenstimme begann, schlug in ein plötzliches Tutti von drei Ebenen um. 

Die Aktion sollte auf ein gemeinsames Konzert von Chorakademie und Konzerthaus hinweisen, in dem Orffs »Carmina Burana« komplett erklingen werden. Für den Flashmob war eine Auswahl aus den bekannten Schlusssätzen zusammengestellt worden, die natürlich u. a. die bekannte ›O Fortuna‹-Passage enthielt.

16.04.2012

»Eine Frank Zappa-Zeitinsel wäre toll.«

»Zeitinsel« – sich Zeit nehmen um sich intensiv mit Musik auseinanderszusetzen. Zusammenhänge und Hintergründe zu einem Komponisten, Thema oder Interpreten zu hören, zu erfahren, zu verstehen. Dieser Idee verpflichtet, widmete das KONZERTHAUS DORTMUND bereits den Komponisten Dmitri Schostakowitsch, Hans Werner Henze, Jean Sibelius, György Ligeti, Olivier Messiaen, Fazil Say und Béla Bartók ausgiebige Retrospektiven. Weitere Minifestivals stellten Interpreten wie Marc Minkowski, das Mariinsky-Theater St. Petersburg, Thomas Hengelbrock, das Mahler Chamber Orchestra, Cecilia Bartoli oder Esa-Pekka Salonen in den Fokus und beleuchteten ihre Vielseitigkeit. Unter den vielen Freunden der »Zeitinsel« fiel uns Benjamin Weichsel  besonders auf: Er scheint nicht nur regelmäßig, sondern fast ausschließlich die »Zeitinsel«-Festivals zu besuchen. Das hat unser Interesse geweckt. Jan Boecker traf ihn (bereits nach der Bartók-Zeitinsel im Frühjahr 2011) zusammen mit seiner Mutter zum Gespräch im Konzerthaus.

 

Herr Weichsel, haben wir das richtig beobachtet, dass Sie vornehmlich die »Zeitinsel«-Festivals besuchen?

Benjamin Weichsel: Schon überwiegend. Ich gehe aber auch gerne zu anderen Veranstaltungen. Zusammen mit meinem Bruder habe ich zum Beispiel mal ein Konzert von Anoushka Shankar gesehen. Das ist jetzt auch schon drei Jahre her – aber es war schön den Konzertsaal mal in einem anderen Ambiente zu sehen.

 

Sie sind eine Familie mit großem Interesse an Musik und Sie musizieren auch selbst.

Frau Weichsel: Weil wir aus Zwickau kommen, der Schumann-Stadt.

Benjamin Weichsel: Aber das ist nicht unbedingt der Grund...

Frau Weichsel: Mein Mann ist 1953, ich bin 1960 gekommen. Unsere Kinder kamen alle hier zur Welt.

Benjamin Weichsel: Ich bin 1975 geboren, und bis auf Bengt, einen meiner Brüder, machen alle Musik. Wir sind drei Mädchen und fünf Jungen. Die Mädchen spielen alle mehr oder weniger gut Klavier. Boris spielt richtig gut Klavier und mein jüngster Bruder Jan-Sebastian ist examinierter Jazzgeiger. Ich spiele Saxofon und Gitarre.

Frau Weichsel: Mittlerweile sogar wieder sehr gut.

Benjamin Weichsel: Ich hatte einen Unfall. Ich bin aus dem dritten Stock gefallen. Das war 1999, ein sehr komplizierter Gelenkbruch. Ich konnte nicht mehr Gitarre spielen, da ich mein Handgelenk nicht mehr richtig drehen konnte. Deswegen musste ich mir eine ganz neue Technik aneignen. Ähnlich wie bei einer Steel-Guitar, spiele ich die Gitarre jetzt von oben. Aber eigentlich spiele ich überwiegend Saxofon.

 

Musizieren Sie nur privat oder haben Sie auch schon öffentlich gespielt?

Benjamin Weichsel: Ich habe von meinem achten Lebensjahr an eine »Blockflötengrundausbildung« genossen, zwei Jahre lang. Mit zehn Jahren habe ich dann mit dem Saxofon spielen angefangen. Neben meinem Studium der Biologie und Geografie spiele ich in verschiedenen Formationen. Jetzt strebe ich aber nochmal an eventuell die Glen-Buschmann-Jazzakademie zu besuchen. Wenn man Willen zeigt und das nötige Talent hat, nehmen die auch noch ältere Semester auf. Privat komponiere ich auch ein bisschen. Mit meinem Mac und entsprechender Sofware und Hardware kann ich meine Ideen direkt am Computer einspielen. Dafür benutze ich zum Beispiel meine Gitalele und verschiedene Perkussionsinstrumente – natürlich auch mein Saxofon, am liebsten mit viel Hall. Die Stücke klingen meist eher sentimental. Das geht so in die Richtung Jan Garbarek. Zum 70. Geburtstag meiner Mutter habe ich auch mal einen Funk-Klassiker umgeschrieben und aufgeführt.

 

Sie decken also stilistisch das ganze Gebiet ab...

Benjamin Weichsel: Das kommt darauf an für welchen Zweck. Was klassische Musik angeht, bin ich auch eher Laie. Ich bin zwar mit klassischer Musik aufgewachsen, aber die Interessen gingen dann schon eher in eine andere Richtung. Ich habe Rockmusik gehört, Frank Zappa zum Beispiel.

 

Was reizt Sie so an der »Zeitinsel«?

Frau Weichsel: Das Rundum-Wissen und -Kennenlernen.

Benjamin Weichsel: Auch gerade für mich, so als Laie, sich in kurzer Zeit einen umfassenden Überblick über das Leben und das Werk des Komponisten verschaffen zu können, auch über die Musiker und Künstler, die ihn mitbeeinflusst haben. Und dann in so super Qualität.

 

Für Sie muss es nicht immer Mozart sein, sondern auf den Zeitinseln auch einmal Neues wie Ligeti, Messiaen?

Benjamin Weichsel: Wir wollen auch nicht unbedingt nur den Mainstream, das kennt man ja auch irgendwie alles schon. Und wenn man sich Neuem verweigert, dann verpasst man auch unheimlich viel.

 

Wenn Sie sich jetzt selber eine »Zeitinsel« wünschen könnten, welchem Künstler würden Sie diese widmen?

Frau Weichsel: Robert Schumann.

Benjamin Weichsel: Das würde jetzt in die Reihe nicht so richtig passen, aber vielleicht Frank Zappa. Ich meine, der wird ja auch so langsam ein Klassiker.

 

Das ist ein Klassiker, absolut. Wäre das die Musik, die Sie mit auf eine Insel nehmen würden?

Frau Weichsel: Also ich weiß es sofort. Bei mir wäre es op. 111 von Beethoven.

Benjamin Weichsel: Ich würde einfach mein Saxofon mitnehmen und selber spielen.

 

Die nächste »Zeitinsel« behandelt Sergej Rachmaninow und Alexander Skrjabin. Werden Sie kommen?

Benjamin Weichsel: Wir sind auf jeden Fall wieder mit dabei.

 

01.02.2012

So schließt sich der Kreis

Vier Jahre hat uns das zweite Künstlergästebuch begleitet. Nun ist es voll. Und wie es der Zufall will, stammen der erste und letzte Eintrag von Fazıl Say.

Ein dickes rotes Buch liegt bei jedem der von uns veranstalteten Konzerte in der Künstlergarderobe, auf dass uns die Musiker einen Gruß hineinschreiben. Manche hinterlassen sogar kleine Kunstwerke wie Patricia Kopatchinskaja, die stets eine Geige skizziert.

 

Nach ca. 400 Veranstaltungen und ebenso vielen Einträgen ist nun das zweite Gästebuch in der Konzerthaus-Geschichte bis auf die letzte Seite gefüllt. Und als hätten wir es geplant, bildet unser inzwischen ehemaliger – zu Buchbeginn 2008 noch amtierender – Exklusivkünstler Fazıl Say mit seinen Einträgen einen Rahmen.

 

Für Kodo wird morgen dann erstmals das dritte Buch in der Garderobe liegen.

13.01.2012

Boeckers Benehmen

Die Geschichte von der Konzertunterbrechung beim New York Philharmonic durch ein hartnäckiges Handyklingeln macht gerade die Runde. Dazu passt ein Beitrag aus der »hörbar« 03 | 2011|12, den wir hier schon einmal vorab veröffentlichen:

 

Gutes Benehmen ist en vogue: Während meine Mutter mich mit dem Satz »theoretisch weißt du nun wenigstens, wie es sich gehört« ins Erwachsenenleben entließ, zelebriert die heutige Gymnasiastengeneration ihren Abschlussball in Ballkleid und Smoking und hält sich mit Vorliebe bei vornehmen Abendkursen zum Thema »Knigge« auf. Wie ist es nun mit der Etikette im Konzertsaal? Wir sind dankbar für einen Beitrag aus Musikerperspektive zu diesem sensiblen Thema. Georg Christoph Biller, 16. Nachfolger Bachs im Amt des Thomaskantors, hat uns nach der Aufführung des Weihnachtsoratoriums am 15. Dezember folgenden freundlichen Gruß ins Gästebuch geschrieben:

 

»So klingt nur Leipzig in Dortmund« – Das mit dem Applaus müsst Ihr dem Publikum am besten schriftlich erklären...
Georg Christoph Biller


Sehr geehrter Herr Prof. Biller,
ich muss unser Publikum entschieden in Schutz nehmen. Darf denn Musik, selbst solche, die ursprünglich im Kirchenraum beheimatet ist, keinen Spaß machen? Muss ein begeistertes Klatschen an »falscher« Stelle gleich vom Dirigenten mit energischer Geste abgewunken werden? Die Diskussion um ein »Applausverbot« ist nicht neu und wurde zuletzt etwa noch Anfang 2010 von dem New Yorker Musikkritiker Alex Ross aufgegriffen. Barack Obama, berichtet Ross, hatte zu einem Konzert ins Weiße Haus eingeladen und sich an die »newcomers to classical music« mit dem Hinweis gewandt, schon Präsident Kennedy habe an den falschen Stellen geklatscht. Ihm, Obama, stünde aber zum Glück die konzerterfahrene Michelle zur Seite. »The rest of you are on your own.« Und auch eine bekannte Mozart-Briefstelle (3. Juli 1778 aus Paris an den Vater) über den dritten Satz aus der Sinfonie D-Dur KV 297 wird zitiert: »... dann kam gleich das Forte«, schreibt Mozart über die Publikumsreaktion. »Sie das Forte hören und die Hände zu klatschen war Eins. Ich ging also gleich vor Freude nach der Sinfonie ins Palais Royal, nahm ein gutes Gefrornes, bat den Rosenkranz, den ich versprochen hatte, und ging nach Hause.«

 

Ist es bei Bach nicht ähnlich? Wie heißt es im Eingangschor: »Jauchzet, frohlocket!« Dabei – und bei einer Musik, die diesen jubelnden Affekt mit allen Mitteln unterstützt – sollen im Konzertsaal die Hände stillhalten? »Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!« Ist nicht das ganze Weihnachtsoratorium von der Freude über die Geburt des Jesuskinds geprägt? Und ganz abgesehen von philologischen Erwägungen über Kirchenmusik, Kirche und Konzertsaal, Bach oder Mozart – müssen wir nicht froh sein über jede Art von Beteiligung von Seiten unseres Publikums? In Dortmund können wir uns glücklich schätzen über ein besonderes, begeisterungsfähiges Publikum, das sein Konzerthaus und sein Programm mit trägt – vom Weihnachtsoratorium mit den Thomanern bis zu Strawinskys »Sacre« unter Esa-Pekka Salonen. »So klingt nur Dortmund« lautet unser selbstbewusster Claim, genauso wie »Musik für Alle«. Letzteres ist wörtlich zu nehmen: Wirklich jeder ist willkommen, und jegliche Barriere in Gestalt von Applaus-Ritualen oder ähnlichem stellt ein wahres Hindernis dar, das sich ein Konzerthaus heute nicht leisten kann und nicht leisten mag. Die Musik ist für die Menschen da, nicht umgekehrt. Sie auf einen hohen Sockel zu stellen hieße, sie und ihre Interpreten in unnahbarer Distanz zu belassen.

 

Um aber Ihrem Wunsch nachzukommen und über das aufzuklären, was sich auf einem schmalen Grat bewegt: Applaus zwischen den Sätzen, liebes Publikum, zwischen einzelnen Chören, Arien und Rezitativen eines Werks zu spenden, ist zwar gut gemeint, gehört sich aber nicht. Durch diese Unterbrechungen wird der Gesamtzusammenhang tatsächlich gestört, und die Musiker müssen sich jeweils erst wieder hineinfinden und der Chor den richtigen Ton treffen. Applaus, und dann nicht zu knapp, wenn es einem trotz gewisser hausbackener Interpretation gefallen hat, bitte immer erst am Schluss.

 

Bis zum nächsten anregenden Gedankenaustausch grüßt Sie herzlich
Ihr Jan Boecker

13.12.2011

Adventskalender, zweiter Teil

13. Tür: Alle sechs Suiten für Solocello von Bach an einem Abend zu spielen, ist eine Mammutaufgabe, der sich nicht viele Cellisten stellen. Der niederländische Cellist Pieter Wispelwey tut es: am 08. Februar 2012.

 

14. Tür: Schönbergs »Verklärte Nacht«, sein erstes Werk, das Berühmtheit erlangen sollte, entstand in seiner Ursprungsfassung für Streichsextett in nur drei Wochen. In die Konzertspielpläne findet heute meist die Fassung für Streichorchester. Umso mehr freuen wir uns auf Janine Jansen und ihre Freunde, die die Originalversion spielen werden.

 

15. Tür: Aus gegebenem Anlass steckt heute in unserem Adventskalender eine Dokumentation über den Thomanerchor – allerdings dürfte man heute Abend auf der Bühne kaum einen der Protagonisten wiedererkennen, stammt doch der Film von 1979. Ob und wieviel sich in den vergangenen 30 Jahren verändert hat, wird man demnächst erfahren, da aus Anlass des Jubiläums erneut ein Film über die Thomaner entstanden ist, der demnächst ins Kino kommt.

 

16. Tür: ›Isoldes Liebestod‹ gehört wohl zu den schönsten musikalischen Sterbeszenen. Und obwohl die Münchner Philharmoniker heute Abend die instrumentale Fassung aufführen, möchten wir Ihnen – in Erinnerung an den grandiosen »Tristan« mit Waltraud Meier im November 2009 – diesen Ausschnitt mit Gesang nicht vorenthalten.

 

17. Tür: Die »Marienvesper« von Claudio Monteverdi wird im März die dreitägige Marienzeitinsel beschließen. Das Werk von 1610 mit seinen bis zu zehnstimmigen Chören und berührenden Soli wird das Konzerthaus in eine Kathedrale verwandeln.

 

18. Tür: In Mozarts letzter Oper »La Clemenza di Tito«, die er unter großem Zeitdruck schrieb, nachdem sein Widersacher Antonio Salieri den Auftrag abgelehnt hatte, geht es um Intrigen und Ränkespiele im alten Rom. Die Dramatik der Handlung zeichnet sich schon in der Ouvertüre ab und setzt sich in beinahe atemlosem Tempo fort.

 

19. Tür: Den Synästheten und Visionär Skrjabin und den Spätromantiker Rachmaninow stellt die Zeitinsel im April gegenüber. In unserem Advenskalender steckt schon einmal ein Vorgeschmack auf das Konzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Kirill Petrenko, in dem Skrjabins 3. Sinfonie »Le Divin Poème« erklingen wird.

 

20. Tür: Nach einem Ausblick auf Skrjabins 3. Sinfonie hinter dem gestrigen Adventskalendertürchen eröffnen wir heute einen Blick auf Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4, das im April mit Boris Berezovsky, Kirill Petrenko und der Sächsischen Staatskapelle Dresden erklingen wird.

 

21. Tür: Für Brahms' »Liebeslieder«-Walzer braucht man vier exzellente Sänger, sodass man diese Liebesbekundungen im Dreivierteltakt im Konzertsaal recht selten zu hören bekommt. Thomas Quasthoff hat nun drei Sängerkollegen und zwei Pianisten um sich geschart und gestaltet mit ihnen einen Abend ganz im Zeichen der Liebe.

 

22. Tür: Dieses Werk hat in der Saison 2011|12 bereits eine wichtige Rolle im Konzerthaus-Spielplan gespielt: Strawinskys »Le sacre du printemps«, das die Grundlage für die Multimedia-Ausstellung re-rite bildete und von Esa-Pekka Salonen mit dem Philharmonia Orchestra auch live in den Konzertsaal gebracht wurde.

 

23. Tür: Gleich zweimal steht sie in dieser Saison auf dem Programm, die Étude-tableaux op. 39 Nr. 6 von Sergej Rachmaninow – einmal aus den Händen der »Jungen Wilden« Yuja Wang und im Rahmen der Zeitinsel Rachmaninow|Skrjabin mit der russischen Pianistin Valentina Lisitsa.

 

24. Tür: Heute bleibt uns nur, Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr zu wünschen.

01.12.2011

Adventskalender

An unserem musikalischen Adventskalender öffnen wir jeden Tag ein Türchen. Dahinter verbergen sich ausgwählte Werke unseres Programms – bekanntere und unbekanntere, Raritäten und Klassiker.
 

1. Tür: Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen dirigiert sein Orchesterwerk »Foreign Bodies«, das er 2001 während einer Auszeit vom Dirigieren komponierte und das am 25.02.2012 im Rahmen der MCO Academy unter der Leitung des Komponisten zu hören sein wird.

 

2. Tür: Bachs Magnificat erklingt heute in einer besonderen Fassung mit vier Einlagesätzen zur Weihnachtszeit mit dem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble unter Thomas Hengelbrock. In dieser Aufnahme dirigiert Ton Koopman Amsterdam Baroque Ensemble & Choir.

 

3. Tür: Hinter der dritten Tür wird es bizarr! (Zu viel Besinnlichkeit verträgt ja auch niemand.) Die Tiger Lillies sorgen für Weihnachtsstimmung der etwas anderen Art – mit bitterbösen Texten aus den Niederungen des Lebens.

 

4. Tür: Mahlers 6. Sinfonie, die auch den Untertitel »Tragische« trägt, verbirgt sich hinter der vierten Tür. Im Konzerthaus erklingt sie am 15. Januar mit den Bamberger Symphonikern und Jonathan Nott in der Reihe Symphonie um Vier. Im Video spielt das Lucerne Festival Orchestra – dessen Kern das Mahler Chamber Orchestra bildet – unter der Leitung von Claudio Abbado.

 

5. Tür: Wir können nicht widerstehen und müssen noch einmal die 5. Tür in »Herzog Blaubarts Burg« öffnen, die man am besten bei voller Lautstärke genießt!

 

6. Tür: Am Nikolaustag muss man über den Interpreten hinter dieser Tür wohl kein Wort mehr verlieren: Nikolaus Harnoncourt – dieses Jahr zwar nicht mehr im Konzerthaus – dirigiert Bachs Kantate BWV 147 »Herz und Mund und Tat und Leben«.

 

7. Tür: Die Klaviersonate »1.X.1905« von Leoš Janáček war die direkte Reaktion des Komponisten auf eine blutig niedergeschlagene Demonstration. Im Konzerthaus interpretiert der ehemalige Exklusivkünstler Fazıl Say das Werk am 31. Januar 2012.

 

8. Tür: Wie vielseitig die Sitar ist, kann wohl keine besser demonstrieren als Anoushka Shankar, die in ihrem neuesten Projekt die Geschichte des Flamenco von Indien bis Spanien verfolgt.

 

9. Tür: In Strawinskys »Oedipus Rex« ist nicht mehr viel von dem wildem Stil des »Sacre« zu hören; Monumentalität, sogar eine regelmäßige Metrik und Rhythmik beherrschen das Bild. Valery Gergiev geht das neoklassizistische Spektakel in seiner charakteristisch zupackenden Art an – im Konzerthaus am 10. März.

 

10. Tür: Das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms entstand erst 22 Jahre nach seinem ersten Klavierkonzert und hat mit seiner Spieldauer von 50 Minuten eher sinfonische Ausmaße. Im Konzerthaus steht dieses Werk zum Saisonabschluss mit unserem Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen und Yefim Bronfman auf dem Programm.

 

11. Tür: Der »Feuervogel« von Igor Strawinsky fliegt regelmäßig durchs Konzerthaus-Programm. In dieser Saison entfachen ihn das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter Sakari Oramo.

 

12. Tür: José González ist ein »Wiederholungstäter«, wenn er im Mai mit seiner Band Junip ins Konzerthaus zurückkommt. Die drei Schweden formierten sich schon Mitte der 90er-Jahre zur Band und begannen miteinander zu experimentieren. Über die Jahre entwickelte sich so ihr einzigartiger Sound, der gleichzeitig nebulös und hypnotisch und doch melodisch ist.

24.11.2011

»Wie kommt der Mann in den Vorhang?«

Gut drei Wochen lang bot die Multimedia-Ausstellung re-rite Menschen Gelegenheit, ins Innere eines Orchesters einzutauchen. Unter den 9640 Besuchern der Installation im Dortmunder U waren auch über 1500 Kinder und Jugendliche.

 

»Wie kommt der Mann in den Vorhang?«, fragte eine Erstklässlerin beim Anblick der Gazevorhänge mit der Projektion Esa-Pekka Salonens. Und ihre Freundin ergänzte: »Ist das ein Geist?« Etwas unheimlich fanden die Kleinsten die Ausstellung mit ihren düsteren Gängen und der lauten Musik in der Tat. Doch egal, ob Kindergartenkind, Grundschüler oder Gymnasiast – die re-rite-Welt übte auf alle ihren Reiz aus. Insbesondere am Taktstock und im Schlagwerkraum zeigte sich sowohl die Ernsthaftigkeit der Kleinen, mit der sie möglichst akkurat den Anweisungen des Philharmonia-Perkussionisten folgen wollten, als auch der Kindskopf der Großen, die sich über den durchdringenden Sound des Tamtams freuen konnten wie kleine Kinder.

 

Durch die vorbereitenden Workshops mit den Musikvermittlern Anne Kussmaul und Paul Rissmann waren schließlich 12 Kindergartengruppen und 45 Schulklassen in der Lage, sich in die Position der Orchestermusiker hineinzuversetzen und grundlegende Strukturen aus Strawinskys »Sacre du printemps« zu erfahren. In einem Ferienprojekt setzten 58 Grundschüler die komplexe Musik sogar in Bewegungen um, meisterten die vertrackten Rhythmen und wurden Flaschenflöten-, Schuhschachtelgeigen- und Strohhalmoboen-Experten.

 

Und das sagen die Kinder zu re-rite:

»Mir hat gefallen, als wir mit dem Stab gewedelt haben.«

»Mir hat gefallen, dass man Trommeln durfte.«

»Ich fand die Musikgeräte so cool, die Trommel und die Triangel.

»Im Dortmunder U hat mir die Musik gefallen und der Taktstock auch.«

»Mir haben das Klatschen und die anderen verrückten Dinge gefallen.«

 

21.11.2011

Tag eins nach re-rite

9640 Besucher haben in den gut drei Wochen die Ausstellung re-rite in Dortmund besucht. Nun hat sie ihre Pforten geschlossen und das ganze Equipment der technisch herausfordernden Installation wird wieder abgebaut. Schon morgen setzt sich der LKW mit kistenweise Kabeln, Lautsprechern, Fernsehern, PCs und Beamern vom Dortmunder U aus Richtung England in Bewegung.

 

Von Wohnungsumzügen weiß man bekanntlich, dass der Abbau immer schneller vonstattengeht als der (Wieder-)Aufbau. Wie sehr dies auch auf re-rite zutrifft, zeigen die Bilder, die nur wenige Stunden, nachdem die letzten Besucher die 6. Etage des U verlassen haben, nur noch erahnen lassen, wie die Räumlichkeiten noch vor 24 Stunden aussahen.

 

Für Dortmund ist das Kapitel re-rite damit fast beendet, doch die faszinierende Ausstellung wird auch in Zukunft Besucher in Staunen versetzen. Man darf gespannt sein, wo re-rite das nächste Mal Station machen wird.

04.11.2011

Olympia im Konzerthaus

Das Konzerthaus wird ja für vielfältige Zwecke genutzt: vom Orchesterkonzert über das Solorecital bis zum Popkonzert, aber auch für Firmenversammlungen, Kongresse, Preisverleihungen etc. Ein sportlicher Wettkampf fand aber bislang im Konzertsaal wohl noch nicht statt... Das änderte sich am Dienstag, als das Mahler Chamber Orchestra und das KinderOrchesterRuhr miteinander und gegeneinander eine Orchesterolympiade austrugen. Schon der Dress der Konzertsportler verwies auf die Doppelbegabung der Teilnehmer: halb Konzertkleidung, halb Sportklamotten war die Maßgabe und die Zusammenstellungen waren wahrlich kreativ. Badehose und Frack, Frackweste überm Fußballtrikot, Ballett-Tutu zum schwarzen Paillettentop...


Das waren natürlich Äußerlichkeiten. Ebenso wie ein Konzert erfordern sportliche Höchstleistungen natürlich entsprechendes Training und Konzentration. Zum (gemeinsamen) Training trafen sich die Musiker des KinderOrchesterRuhr und des MCO schon zwei Tage zuvor im Konzerthaus, sodass bis zum Wettkampftag »disziplinübergreifende« Freundschaften entstanden waren. Die waren allerdings schnell vergessen, wenn es darum ging, ein Mitglied der eigenen Stimmgruppe bei seinem Wettbewerb lautstark anzufeuern.


Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr unter Ton Koopman, war auch die Neuauflage des MCO Familienkonzerts unter der Leitung von Teodor Currentzis eine schöne Gelegenheit für die Nachwuchsmusiker, Profiluft zu schnuppern. Und die großen Kollegen nahmen die kleinen ganz selbstverständlich in ihre Reihen auf. Da wurde im Schlagwerk gefachsimpelt, bei den Streichern getratscht und vor allem zusammen viel gelacht.

Das KinderOrchesterRuhr ist übrigens schon am 13. November wieder im Konzerthaus zu hören – dann in der Rolle der Experten, die den jüngsten Orchesternachwuchs der JeKi-Ensembles Kunterbunt bei ihren ersten Konzerterfahrungen begleiten und unterstützen.