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Junge Wilde

Sie sind jung, sie sind kreativ, sie sprühen vor Ideen und Begeisterung für die Musik. Die »Jungen Wilden« stehen noch ganz am Anfang einer viel versprechenden Laufbahn und sind doch schon angekommen – auf den großen Bühnen der Welt.
Am KONZERTHAUS DORTMUND bekommt nun bereits die dritte Generation junger Musiker die Chance, sich über drei Jahre hinweg mit verschiedenen Facetten ihrer Kunst zu präsentieren. So können sie eine Beziehung zu »ihrem« Dortmunder Publikum aufbauen, mit dem sie beim »meet the artist!« nach dem Konzert auch in direkten Dialog treten.
Drei Kammerkonzerte in drei Jahren bieten Raum für Experimente: Uraufführungen – wie der Annette Dasch gewidmete Liederzyklus »Nach-Fragen« von Richard Beaudoin –, außergewöhnliche Besetzungen – wie bei Patricia Kopatchinskaja, die mit ihrer Familie auftrat – oder experimentelle Programme – wie Pekka Kuusistos elektronische Improvisationen über Bachs Solopartita Nr. 2 – die »Jungen Wilden« können sich in Dortmund »austoben«. Wohl auch gerade wegen ihres Muts zu Neuem, zu unkonventionellen Konzepten wächst die Fangemeinde der Reihe, die eine der beliebtesten des Konzerthauses ist und für Aufsehen über die Stadt- oder Landesgrenzen hinaus sorgt. Immer öfter ist der Kleine Saal, der für Kammerkonzerte sonst zum Einsatz kommt, zu klein.

Nach Gautier Capuçon, Annette Dasch, Martin Fröst, Janine Jansen, Patricia Kopatchinskaja, Antti Siirala, Baiba Skride und Martin Stadtfeld, die die Reihe von 2006 bis 2009 prägten, und Measha Brueggergosman, Veronika Eberle, Marie-Elisabeth Hecker, Pekka Kuusisto, Lise de la Salle, Antoine Tamestit, Anna Vinnitskaya und Yuja Wang von 2009 bis 2012, übernahmen mit Beginn der Saison 2012|13 sieben neue »Junge Wilde« unterschiedlicher Gattungen das Ruder:

Tastenlöwen

Khatia Buniatishvilis außergewöhnliches Talent wurde früh erkannt. Ihre Mutter hat Khatia spielerisch an das Klavier geführt und über ihre Ausbildung gewacht. Und diese hat extrem schnell Früchte getragen: Die georgische Pianistin debütierte im Alter von sechs Jahren mit Orchester.

Unter den Pianisten findet sich auch das »Küken« der neuen Riege: Der 17-jährige Jan Lisiecki ist als Teenager in die Reihe »Junge Wilde« gerutscht, die ausdrücklich nicht als Plattform für Wunderkinder geplant ist. Doch im Falle dieses jungen Pianisten ist eine ernsthafte Künstlerkarriere fast schon mit Händen greifbar. Nachdem der vielseitig begabte Lisiecki die High School schon mit 15 Jahren abgeschlossen hat, steht einer Musikkarriere nichts mehr im Wege.

 

Herdentiere

Zwei der »Jungen Wilden« sind schon als Vierjährige mit der Suzuki-Methode zu ihrem Instrument gekommen. Der australisch-taiwanische Geiger Ray Chen war sogar schon vor dem ersten Unterricht fleißig und hat als Kleinkind Geiger gespielt: mit Essstäbchen als Bogen und einer Spielzeug-Gitarre am Kinn. Fünfzehn Jahre später hat er mit dem »Yehudi-Menuhin-Wettbewerb« und dem »Concours Reine Elisabeth« zwei der wichtigsten Geigenwettbewerbe der Welt gewonnen. Jetzt macht er sich auf die Suche nach dem »rätselhaften, einzigartigen Klang«, der ihn am besten repräsentiert und an dem man ihn sofort erkennen kann.

Der Cellist Andreas Brantelid hat, was die Klangvorstellung betrifft, seine Vorbilder gefunden. Brantelids Vater, selbst Cellist und so auch ein »Held« für den jungen Musiker, hatte seinem sechsjährigen Sohn eine Aufnahme des Franzosen Maurice Gendron geschenkt. »Als ich das hörte, wusste ich plötzlich, wie mein Cellospiel klingen sollte. Er spielte so ›uncellistisch‹, mit einem sehr eleganten, klaren, lyrischen Klang.«

Singvögel

Anna Prohaska wusste genau, auf welchen Berufszweig sie sich einlässt: Der Großvater war Dirigent, ihr Vater ist Opernregisseur, Mutter und Bruder sind ebenfalls Sänger. Vorgezeichnet war ihr Weg deshalb allerdings noch nicht: »Meine Eltern hätten sich gefreut, wenn ich etwas Anständiges gelernt hätte.« Doch Anna Prohaska hat sich durchgesetzt, und so kommt die Sopranistin nun mit dem Programm ihrer aktuellen CD »Sirène« ins Konzerthaus.

Einen langen Atem beweist auch der Klarinettist Sebastian Manz, obwohl er während seiner musikalischen Ausbildung ein ganz schönes Tempo vorlegte. Schon als Sechsjähriger sang er im Knabenchor unter Größen wie Sir Eliot Gardiner und machte schnell Fortschritte am Klavier, bevor er sich ganz auf die Klarinette konzentrierte: 2008 sorgte er für eine Sensation beim »ARD-Musikwettbewerb« in München, als er den seit 40 Jahren nicht mehr vergebenen 1. Preis gewann.

Evolutionsgewinner

Die »Jungen Wilden« scheinen eine Veranlagung zu teilen: Sie alle haben Musik im Blut. Auf den Punkt bringt das die letzte im Bunde der sieben neuen Künstler, die junge norwegische Geigerin Vilde Frang. Sie wird schon mal als neue Anne-Sophie Mutter bezeichnet und im Klassik-Medienzirkus entsprechend hoch gehandelt. Doch sie selbst bleibt dabei gelassen und konzentriert sich lieber auf die Musik, die ihr in den Genen liegt: »So wie die Gurke zu 98 Prozent aus Wasser besteht, bestehe ich zu 98 Prozent aus Musik.« Wie sich die restlichen zwei Prozent zusammensetzen, wird das Publikum in den kommenden drei Jahren herausfinden können.

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MEDIEN

Jan Lisiecki
Der erst 18-Jährige Pianist mit polnischen Wurzeln fühlt sich der Musik Chopins besonders verbunden. © Mathias Bothor / DG