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Zeitinseln

Manchmal ist ein Konzert einfach nicht genug. Gewisse Themen, Komponisten oder Interpreten verdienen, dass man sich etwas mehr Zeit nimmt, um sich ausgiebig mit ihnen zu befassen. Diesem Gedanken tragen die »Zeitinseln« am KONZERTHAUS DORTMUND Rechnung.
Diese musikalischen Inseln bieten zwei bis drei Mal pro Saison Zeit und Raum, um tiefer in ein Thema vorzudringen, auch komplexe Musik wirken zu lassen und ein Œuvre umfassend zu würdigen.
Bisherige Zeitinseln widmeten beispielsweise den Komponisten Hans Werner Henze, Jean Sibelius, Fazil Say, Béla Bartók sowie Sergej Rachmaninow und Alexander Skrjabin ausgiebige Retrospektiven. Weitere Minifestivals stellten Interpreten wie Marc Minkowski, das Mariinsky-Theater St. Petersburg, Thomas Hengelbrock, Cecilia Bartoli oder Esa-Pekka Salonen in den Fokus und beleuchteten ihre Vielseitigkeit.

Die beiden Zeitinseln der Saison 2013|14 beschäftigen sich mit dem Barock-Komponisten Antonio Caldara und dem Böhmen Antonín Dvořák.

Der gebürtige Venezianer und spätere Wahl-Wiener Antonio Caldara war ein Zeitgenosse Vivaldis und Händels und ist doch weit unbekannter als jene. Wie reich und wertvoll sein OEuvre aber ist, wird die dreitägige Zeitinsel zeigen, die den Opern- und Oratorienkomponisten Caldara ebenso wie den Instrumentalvirtuosen vorstellt.

Die musikalische Gesamtleitung übernimmt mit Andrea Marcon ein erfahrener Experte für die Musik dieser Epoche. Nach der Zeitinsel 2007 mit dem Venice Baroque Orchestra und Vivaldi-Werken, ist dies bereits das zweite Festival, für dessen Gestaltung Marcon verantwortlich zeichnet. 

Den Anfang macht ein Arienabend mit ausgewählten Preziosen aus den 80 Opern und 43 Oratorien Caldaras, die nicht nur im vokalen Ausdruck die gesamte Spannbreite von virtuosen Showstücken für die besten Sänger seiner Epoche bis hin zu anrührenden Lamenti abdecken, sondern insbesondere auch die Instrumentalisten herausfordern. 

Im Zentrum der Zeitinsel folgt dann ein reiner Instrumentalabend, der Antonio Caldara seinem deutlich bekannteren Zeitgenossen Antonio Vivaldi gegenüberstellt. Zum im wahrsten Wortsinne krönenden Abschluss der Zeitinsel ist dann eine echte Wiederentdeckung zu erleben: die Oper »La Concordia deʼ Pianeti«, die seit ihrer Uraufführung 1723 nicht mehr erklungen ist. 

Mit Antonio Caldara hat Antonín Dvořák mehr gemein als nur den Vornamen. Auch seine Werke waren außerhalb seiner tschechischen Heimat lange unbekannt. Johannes Brahms war es schließlich, der den befreundeten Komponisten 1878 an den Berliner Verleger Fritz Simrock empfahl und damit die Wende im Arbeitsleben Dvořáks brachte. Mit den Slawischen Tänzen op. 46 für Simrock wurde Dvořák über Nacht berühmt und konnte sich in der Folge vor Aufträgen kaum retten. Ein Fall von glücklicher Fügung, der in der Musikgeschichte vergleichsweise wenigen Komponisten vergönnt war.

Die viertägige Zeitinsel Antonín Dvořák führt mit einer konzertanten Aufführung der Oper »Rusalka« zunächst tief in die heimische, tschechische Sagenwelt. Der Dirigent Iván Fischer, der alle vier Konzerte mit seinem Budapest Festival Orchestra bestreitet, hat für die Dortmunder »Rusalka« eine Besetzung gewählt, die die Musik und Sprache der Oper in die Wiege gelegt bekommen haben. Es sind Sänger der Prager Staatsoper und des Tschechischer Philharmonischen Chor Brünn, die mit Figuren wie der Hexe Ježibaba oder dem Wassermann aufgewachsen sind.

Die Zeitinsel stellt die großen Werke Dvořáks wie die erwähnte »Rusalka«, die Sinfonie Nr. 9 oder das Requiem nebeneinander und schließt mit einem Klassiker der Celloliteratur: Daniel Müller-Schott spielt Dvořáks berühmtes Cellokonzert, ebenfalls ein Ergebnis der New Yorker Zeit des Komponisten. 

Zur Zeitinsel Antonio Caldara

Zur Zeitinsel Antonín dvořák

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Zeitinseln
Mehr Zeit für die Musik – das ist die Idee der Zeitinseln.