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Zeitinseln

Manchmal ist ein Konzert einfach nicht genug. Gewisse Themen, Komponisten oder Interpreten verdienen, dass man sich etwas mehr Zeit nimmt, um sich ausgiebig mit ihnen zu befassen. Diesem Gedanken tragen die »Zeitinseln« am KONZERTHAUS DORTMUND Rechnung.
Diese musikalischen Inseln bieten zwei bis drei Mal pro Saison Zeit und Raum, um tiefer in ein Thema vorzudringen, auch komplexe Musik wirken zu lassen und ein Œuvre umfassend zu würdigen.
Bisherige Zeitinseln widmeten beispielsweise den Komponisten Hans Werner Henze, Jean Sibelius, Fazil Say, Béla Bartók sowie Sergej Rachmaninow und Alexander Skrjabin ausgiebige Retrospektiven. Weitere Minifestivals stellten Interpreten wie Marc Minkowski, das Mariinsky-Theater St. Petersburg, Thomas Hengelbrock, Cecilia Bartoli oder Esa-Pekka Salonen in den Fokus und beleuchteten ihre Vielseitigkeit.

Die beiden Zeitinseln der Saison 2014|15 beschäftigen sich mit dem Komponisten Sergej Prokofiew und widmen dem Jazz-Posaunisten Nils Landgren ein Porträt.

»Stell dich der Klassik« lautet das Motto der Saison 2014|15. Der Russe Sergej Prokofiew ist wohl solch ein Komponist, dem man sich stellen muss, dessen musikalische Schönheit und Tiefe in seinen Werken sich erschließt, wenn man ihm durch seine urwüchsigen Ausbrüche, rhythmisch vertrackten Muster, atonalen Intermezzi und zarten Lyrismen mittels einfachem Zuhören nahekommt. Und sehr wahrscheinlich müssen es mit Valery Gergiev und dem Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg einer der profiliertesten russischen Dirigenten sowie eines der traditionsreichsten Ensembles des Landes sein, um seine avancierte »Einfachheit« in der Dortmunder Zeitinsel anschaulich zu machen.

 

Für die ihm gewidmete Zeitinsel fährt Nils Landgren groß auf, wenn ihn die Bochumer Symphoniker unter der Leitung des Komponisten Vince Mendoza nach Dortmund begleiten. Kompositionen und neue Arrangements von Mendoza stehen dabei ebenso auf dem Programm wie Landgrens eigenes Repertoire im Breitwandformat. Die weiteren Konzerte markieren Fixpunkte im persönlichen Universum des Musikers. Einen Teil seiner Zeit widmet er seinem Projekt »Funk for Life«, mit dem er sich für die Unterstützung und musikalische Ausbildung afrikanischer Jugendlicher einsetzt. Dieses Engagement führte ihn und seine Funk Unit auch mit der südafrikanischen Soulsängerin Lira zusammen, die den ersten Dortmunder Abend unter anderem mit traditionellen Klängen des schwarzen Kontinents erfüllt. Das Programm »My Swedish Heart« stellt dagegen die musikalischen Wurzeln des singenden, swingenden Posaunisten in den Vordergrund: schwedische Volkslieder, neu arrangiert für Big Band. Dabei stellt sich Landgren der reichen Folklore-Tradition seines Landes genauso lässig wie dem bisher Ungehörten. So cool wie er ist in Schweden eben bestenfalls noch Karlsson vom Dach. Aber während der alles andere als nett ist, kommt Landgren ohne Feinde über die Runden. Die Verbindung zu Karlsson und anderen Lindgren-Figuren ist trotzdem legitim, denn mit seiner Bohuslän Big Band bringt der Posaunist in Dortmund ein Kinderkonzert auf die Bühne, das auch nostalgische Erwachsenenherzen höherschlagen lässt: ein Programm mit den Melodien der großartigen Astrid-Lindgren-Filme.

Zur Zeitinsel Sergej Prokofiew

Zur Zeitinsel Porträt Nils Landgren

MEDIEN

Zeitinseln
Mehr Zeit für die Musik – das ist die Idee der Zeitinseln.