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Leicht vermittelbar

Seit Mai 2009 ist das Mahler Chamber Orchestra (MCO) mit seiner Residenz am KONZERTHAUS DORTMUND und an den Philharmonien Essen und Köln in Nordrhein-Westfalen heimisch. Das von Dirigentenlegende Claudio Abbado und ehemaligen Mitgliedern des Gustav Mahler Jugendorchesters gegründete Orchester ist das Zuhause von Musikern aus 20 verschiedenen Ländern, die ihre Freude am Musizieren bei jedem Projekt leben. Die Probenphasen dieses Ensembles in Dortmund bieten die einmalige Gelegenheit, Begegnungen zwischen den experimentierfreudigen und aufgeschlossenen Musikern und dem Dortmunder Publikum sowie Dortmunder Schülern zu ermöglichen.

Schülerbegegnungen mit einem Orchester der besonderen Art

In thematisch auf das Konzertprogramm abgestimmten Workshops und einem anschließenden Probenbesuch erhalten Schüler Einblick in die Musik und die Arbeitsweise eines Weltklasse-Orchesters.
Bereits beim Residenz-Auftakt mit Carl-Maria von Webers »Freischütz« nutzten acht Klassen verschiedener Dortmunder Schulen das Angebot des Konzerthauses, sich in Workshops mit der Oper auseinanderzusetzen. Mit den Methoden der Szenischen Interpretation von Musik und Theater lernten die Teilnehmer des Workshops die Personen, die Handlung und die Musik der Oper durch ihre eigene szenische und musikalische Deutung kennen und es eröffneten sich vielfältige Zugänge zum Begreifen des Werkes. So wurde der Orchesterprobenraum des Konzerthauses kurzerhand zur Wolfsschlucht. Kostüme, Requisiten und die Musik dienten als Hilfsmittel, um den Schülern Figuren und Handlung der Oper näher zu bringen. Auf diese Weise vorbereitet, bot der Besuch der Generalprobe zum Abschluss der Woche Gelegenheit zur Begegnung mit der Musik und den hochkarätigen Musikern.

Bei dem ersten MCO-Academy-Konzert im November 2009, das Studenten des Orchesterzentrum|NRW mit den Musikern des MCO gemeinsam gestalteten, stand Strawinskys »Le sacre du printemps« auf dem Programm. Jeweils anderthalb Stunden lang näherten sich die sieben teilnehmenden Schulklassen über rhythmische und melodische Übungen diesem Hauptwerk der Moderne an.
Außerdem bot das groß besetzte Werk Anlass, sich mit einzelnen Instrumenten und dem Aufbau eines Orchesters zu befassen. Wie es kommt, dass eine Geige über eine Million Euro wert sein kann oder warum sich Fagottisten ihre Blätter selber schnitzen waren nur zwei von einer Reihe aufgeworfener Fragen, die beantwortet wurden. Wie Instrumente des klassischen Sinfonieorchesters funktionieren und worin der Unterschied zwischen dem Drummer einer Band und einem Paukisten liegt, konnten die Schüler unmittelbar von den jungen Musikern des Orchesterzentrums erfahren, die die Konzertpädagogin Iris Winkler in die Schulen begleiteten. Während die jungen Musiker im Gespräch über ihr Instrument ganz neue Erfahrungen mit der Schulwirklichkeit sammelten, wurden sie für die Schüler zu Sympathieträgern des Orchesters.
Spätestens der abschließende Blick auf eine Partiturseite und das Klangerlebnis ließen die Schülerinnen und Schüler erahnen, welch differenzierte Anforderungen an einen Berufsmusiker gestellt werden.

Kooperation mit Jedem Kind ein Instrument

Über 55.000 Grundschüler im Ruhrgebiet sind im Schuljahr 2010/11 durch das Projekt »Jedem Kind ein Instrument« in der Lage, ein Musikinstrument zu erlernen. Um diesen Schülern die Vielfalt der Instrumente und den Spaß am gemeinsamen Musizieren zu vermitteln, fand im Dezember 2010 erstmals eine Kooperation zwischen dem KONZERTHAUS DORTMUND, dem Mahler Chamber Orchestra und dem KinderOrchesterRuhr statt, in dem talentierte junge Musiker im Alter zwischen acht und vierzehn Jahren aus dem gesamten Ruhrgebiet spielen. Und könnte es eine schönere Übemotivation geben als die Aussicht auf einen gemeinsamen Auftritt mit Musikern des Mahler Chamber Orchestra?
In einem gemeinsamen Familienkonzert, für das die jungen Musiker zusammen mit ihren erwachsenen Kollegen und Dirigent Ton Koopman Händels »Feuerwerksmusik« einstudierten, brachten Kinder und Profis gemeinsam ihren Spaß an der Musik zum Ausdruck. Durch das Konzert führte der beliebte »Wissen macht Ah!«-Moderator Ralph Caspers, der den Kindern auf seine charmante Art Wissenswertes über das Werk, die Instrumente und deren Funktion im Orchester vermittelte. Zum Abschluss verbreitete dann ein Luftballonfeuerwerk angemessene Festtagsstimmung und erfreute Kinder und Brandschutzbeauftragte gleichermaßen.

© Petra Coddington

Wechselbar

»Rock rüber, die Klassik ist im Haus!« So könnte man die für das Ruhrgebiet einmalige Klassiklounge »WechselBar« beschreiben, die das Konzerthaus erstmals im Oktober 2009 in Kooperation mit dem Freizeitzentrum West (FZW) veranstaltete. Wo sonst Rock, Hip Hop oder Pop aus den Boxen tönt, legte an diesem Abend der Berliner DJ Canisius ausschließlich klassische Musik auf. Gassenhauer wie Chatschaturjans »Säbeltanz« hatte er ebenso in petto wie Raritäten, die auch den Klassikprofis unter den Gästen neu waren. Höhepunkt des Abends war der Live-Auftritt einer Kammermusikformation aus den Reihen des Mahler Chamber Orchestra (MCO). Dem Publikum, das nicht wie im Konzertsaal gesittet in Reih und Glied saß, sondern in lockeren Runden unmittelbar vor der Bühne stand, vermittelten sie mit ihren Darbietungen den »Fun-Faktor« klassischer Musik.

Das MCO residiert für drei Jahre in Nordrhein-Westfalen und wird noch viele Konzertprojekte im KONZERTHAUS DORTMUND realisieren. Die vorangehenden Probenphasen bieten Gelegenheit, Veranstaltungen wie die »WechselBar« zu wiederholen und neue Konzepte auszuprobieren. Die »WechselBar«, 2009 erstmals im FZW veranstaltet, ging am 22. März im Club-Restaurant »View« im Dortmunder U in die zweite Runde. In entspannter Lounge-Atmosphäre zeigten Musiker des MCO, dass klassische Musik mitnichten nur im Konzertsaal zu Hause ist. Vor und nach dem Live-Auftritt sorgte DJ Carsten Helmich für abwechslungsreiche musikalische Umrahmung.