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Neues aus dem Konzerthaus Dortmund

»Das wäre doch etwas für die hörbar.« Diesen Satz hören wir in Besprechungen regelmäßig. Weil nunmal nicht alles in unserem Konzerthaus-Magazin Platz findet, wir Interessantes und Informatives ebenso wie Unterhaltsames und Kurioses rund um das Konzertleben aber dennoch nicht für uns behalten möchten, üben die Kollegen jetzt schon einmal den Satz »Das wäre doch etwas für die Webseite.« Denn hier werden wir in Zukunft kleinere und größere Geschichten rund um das Konzerthaus erzählen.

 

pressekontakt

Dr. Jan Boecker

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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01.02.2012

So schließt sich der Kreis

Bild zu So schließt sich der Kreis

Vier Jahre hat uns das zweite Künstlergästebuch begleitet. Nun ist es voll. Und wie es der Zufall will, stammen der erste und letzte Eintrag von Fazıl Say.

Ein dickes rotes Buch liegt bei jedem der von uns veranstalteten Konzerte in der Künstlergarderobe, auf dass uns die Musiker einen Gruß hineinschreiben. Manche hinterlassen sogar kleine Kunstwerke wie Patricia Kopatchinskaja, die stets eine Geige skizziert.

 

Nach ca. 400 Veranstaltungen und ebenso vielen Einträgen ist nun das zweite Gästebuch in der Konzerthaus-Geschichte bis auf die letzte Seite gefüllt. Und als hätten wir es geplant, bildet unser inzwischen ehemaliger – zu Buchbeginn 2008 noch amtierender – Exklusivkünstler Fazıl Say mit seinen Einträgen einen Rahmen.

 

Für Kodo wird morgen dann erstmals das dritte Buch in der Garderobe liegen.

13.01.2012

Boeckers Benehmen

Die Geschichte von der Konzertunterbrechung beim New York Philharmonic durch ein hartnäckiges Handyklingeln macht gerade die Runde. Dazu passt ein Beitrag aus der »hörbar« 03 | 2011|12, den wir hier schon einmal vorab veröffentlichen:

 

Gutes Benehmen ist en vogue: Während meine Mutter mich mit dem Satz »theoretisch weißt du nun wenigstens, wie es sich gehört« ins Erwachsenenleben entließ, zelebriert die heutige Gymnasiastengeneration ihren Abschlussball in Ballkleid und Smoking und hält sich mit Vorliebe bei vornehmen Abendkursen zum Thema »Knigge« auf. Wie ist es nun mit der Etikette im Konzertsaal? Wir sind dankbar für einen Beitrag aus Musikerperspektive zu diesem sensiblen Thema. Georg Christoph Biller, 16. Nachfolger Bachs im Amt des Thomaskantors, hat uns nach der Aufführung des Weihnachtsoratoriums am 15. Dezember folgenden freundlichen Gruß ins Gästebuch geschrieben:

 

»So klingt nur Leipzig in Dortmund« – Das mit dem Applaus müsst Ihr dem Publikum am besten schriftlich erklären...
Georg Christoph Biller


Sehr geehrter Herr Prof. Biller,
ich muss unser Publikum entschieden in Schutz nehmen. Darf denn Musik, selbst solche, die ursprünglich im Kirchenraum beheimatet ist, keinen Spaß machen? Muss ein begeistertes Klatschen an »falscher« Stelle gleich vom Dirigenten mit energischer Geste abgewunken werden? Die Diskussion um ein »Applausverbot« ist nicht neu und wurde zuletzt etwa noch Anfang 2010 von dem New Yorker Musikkritiker Alex Ross aufgegriffen. Barack Obama, berichtet Ross, hatte zu einem Konzert ins Weiße Haus eingeladen und sich an die »newcomers to classical music« mit dem Hinweis gewandt, schon Präsident Kennedy habe an den falschen Stellen geklatscht. Ihm, Obama, stünde aber zum Glück die konzerterfahrene Michelle zur Seite. »The rest of you are on your own.« Und auch eine bekannte Mozart-Briefstelle (3. Juli 1778 aus Paris an den Vater) über den dritten Satz aus der Sinfonie D-Dur KV 297 wird zitiert: »... dann kam gleich das Forte«, schreibt Mozart über die Publikumsreaktion. »Sie das Forte hören und die Hände zu klatschen war Eins. Ich ging also gleich vor Freude nach der Sinfonie ins Palais Royal, nahm ein gutes Gefrornes, bat den Rosenkranz, den ich versprochen hatte, und ging nach Hause.«

 

Ist es bei Bach nicht ähnlich? Wie heißt es im Eingangschor: »Jauchzet, frohlocket!« Dabei – und bei einer Musik, die diesen jubelnden Affekt mit allen Mitteln unterstützt – sollen im Konzertsaal die Hände stillhalten? »Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!« Ist nicht das ganze Weihnachtsoratorium von der Freude über die Geburt des Jesuskinds geprägt? Und ganz abgesehen von philologischen Erwägungen über Kirchenmusik, Kirche und Konzertsaal, Bach oder Mozart – müssen wir nicht froh sein über jede Art von Beteiligung von Seiten unseres Publikums? In Dortmund können wir uns glücklich schätzen über ein besonderes, begeisterungsfähiges Publikum, das sein Konzerthaus und sein Programm mit trägt – vom Weihnachtsoratorium mit den Thomanern bis zu Strawinskys »Sacre« unter Esa-Pekka Salonen. »So klingt nur Dortmund« lautet unser selbstbewusster Claim, genauso wie »Musik für Alle«. Letzteres ist wörtlich zu nehmen: Wirklich jeder ist willkommen, und jegliche Barriere in Gestalt von Applaus-Ritualen oder ähnlichem stellt ein wahres Hindernis dar, das sich ein Konzerthaus heute nicht leisten kann und nicht leisten mag. Die Musik ist für die Menschen da, nicht umgekehrt. Sie auf einen hohen Sockel zu stellen hieße, sie und ihre Interpreten in unnahbarer Distanz zu belassen.

 

Um aber Ihrem Wunsch nachzukommen und über das aufzuklären, was sich auf einem schmalen Grat bewegt: Applaus zwischen den Sätzen, liebes Publikum, zwischen einzelnen Chören, Arien und Rezitativen eines Werks zu spenden, ist zwar gut gemeint, gehört sich aber nicht. Durch diese Unterbrechungen wird der Gesamtzusammenhang tatsächlich gestört, und die Musiker müssen sich jeweils erst wieder hineinfinden und der Chor den richtigen Ton treffen. Applaus, und dann nicht zu knapp, wenn es einem trotz gewisser hausbackener Interpretation gefallen hat, bitte immer erst am Schluss.

 

Bis zum nächsten anregenden Gedankenaustausch grüßt Sie herzlich
Ihr Jan Boecker

13.12.2011

Adventskalender, zweiter Teil

13. Tür: Alle sechs Suiten für Solocello von Bach an einem Abend zu spielen, ist eine Mammutaufgabe, der sich nicht viele Cellisten stellen. Der niederländische Cellist Pieter Wispelwey tut es: am 08. Februar 2012.

 

14. Tür: Schönbergs »Verklärte Nacht«, sein erstes Werk, das Berühmtheit erlangen sollte, entstand in seiner Ursprungsfassung für Streichsextett in nur drei Wochen. In die Konzertspielpläne findet heute meist die Fassung für Streichorchester. Umso mehr freuen wir uns auf Janine Jansen und ihre Freunde, die die Originalversion spielen werden.

 

15. Tür: Aus gegebenem Anlass steckt heute in unserem Adventskalender eine Dokumentation über den Thomanerchor – allerdings dürfte man heute Abend auf der Bühne kaum einen der Protagonisten wiedererkennen, stammt doch der Film von 1979. Ob und wieviel sich in den vergangenen 30 Jahren verändert hat, wird man demnächst erfahren, da aus Anlass des Jubiläums erneut ein Film über die Thomaner entstanden ist, der demnächst ins Kino kommt.

 

16. Tür: ›Isoldes Liebestod‹ gehört wohl zu den schönsten musikalischen Sterbeszenen. Und obwohl die Münchner Philharmoniker heute Abend die instrumentale Fassung aufführen, möchten wir Ihnen – in Erinnerung an den grandiosen »Tristan« mit Waltraud Meier im November 2009 – diesen Ausschnitt mit Gesang nicht vorenthalten.

 

17. Tür: Die »Marienvesper« von Claudio Monteverdi wird im März die dreitägige Marienzeitinsel beschließen. Das Werk von 1610 mit seinen bis zu zehnstimmigen Chören und berührenden Soli wird das Konzerthaus in eine Kathedrale verwandeln.

 

18. Tür: In Mozarts letzter Oper »La Clemenza di Tito«, die er unter großem Zeitdruck schrieb, nachdem sein Widersacher Antonio Salieri den Auftrag abgelehnt hatte, geht es um Intrigen und Ränkespiele im alten Rom. Die Dramatik der Handlung zeichnet sich schon in der Ouvertüre ab und setzt sich in beinahe atemlosem Tempo fort.

 

19. Tür: Den Synästheten und Visionär Skrjabin und den Spätromantiker Rachmaninow stellt die Zeitinsel im April gegenüber. In unserem Advenskalender steckt schon einmal ein Vorgeschmack auf das Konzert mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Kirill Petrenko, in dem Skrjabins 3. Sinfonie »Le Divin Poème« erklingen wird.

 

20. Tür: Nach einem Ausblick auf Skrjabins 3. Sinfonie hinter dem gestrigen Adventskalendertürchen eröffnen wir heute einen Blick auf Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4, das im April mit Boris Berezovsky, Kirill Petrenko und der Sächsischen Staatskapelle Dresden erklingen wird.

 

21. Tür: Für Brahms' »Liebeslieder«-Walzer braucht man vier exzellente Sänger, sodass man diese Liebesbekundungen im Dreivierteltakt im Konzertsaal recht selten zu hören bekommt. Thomas Quasthoff hat nun drei Sängerkollegen und zwei Pianisten um sich geschart und gestaltet mit ihnen einen Abend ganz im Zeichen der Liebe.

 

22. Tür: Dieses Werk hat in der Saison 2011|12 bereits eine wichtige Rolle im Konzerthaus-Spielplan gespielt: Strawinskys »Le sacre du printemps«, das die Grundlage für die Multimedia-Ausstellung re-rite bildete und von Esa-Pekka Salonen mit dem Philharmonia Orchestra auch live in den Konzertsaal gebracht wurde.

 

23. Tür: Gleich zweimal steht sie in dieser Saison auf dem Programm, die Étude-tableaux op. 39 Nr. 6 von Sergej Rachmaninow – einmal aus den Händen der »Jungen Wilden« Yuja Wang und im Rahmen der Zeitinsel Rachmaninow|Skrjabin mit der russischen Pianistin Valentina Lisitsa.

 

24. Tür: Heute bleibt uns nur, Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr zu wünschen.

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13. Tür
Pieter Wispelwey spielt Bachs Cellosuiten.

01.12.2011

Adventskalender

An unserem musikalischen Adventskalender öffnen wir jeden Tag ein Türchen. Dahinter verbergen sich ausgwählte Werke unseres Programms – bekanntere und unbekanntere, Raritäten und Klassiker.
 

1. Tür: Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen dirigiert sein Orchesterwerk »Foreign Bodies«, das er 2001 während einer Auszeit vom Dirigieren komponierte und das am 25.02.2012 im Rahmen der MCO Academy unter der Leitung des Komponisten zu hören sein wird.

 

2. Tür: Bachs Magnificat erklingt heute in einer besonderen Fassung mit vier Einlagesätzen zur Weihnachtszeit mit dem Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble unter Thomas Hengelbrock. In dieser Aufnahme dirigiert Ton Koopman Amsterdam Baroque Ensemble & Choir.

 

3. Tür: Hinter der dritten Tür wird es bizarr! (Zu viel Besinnlichkeit verträgt ja auch niemand.) Die Tiger Lillies sorgen für Weihnachtsstimmung der etwas anderen Art – mit bitterbösen Texten aus den Niederungen des Lebens.

 

4. Tür: Mahlers 6. Sinfonie, die auch den Untertitel »Tragische« trägt, verbirgt sich hinter der vierten Tür. Im Konzerthaus erklingt sie am 15. Januar mit den Bamberger Symphonikern und Jonathan Nott in der Reihe Symphonie um Vier. Im Video spielt das Lucerne Festival Orchestra – dessen Kern das Mahler Chamber Orchestra bildet – unter der Leitung von Claudio Abbado.

 

5. Tür: Wir können nicht widerstehen und müssen noch einmal die 5. Tür in »Herzog Blaubarts Burg« öffnen, die man am besten bei voller Lautstärke genießt!

 

6. Tür: Am Nikolaustag muss man über den Interpreten hinter dieser Tür wohl kein Wort mehr verlieren: Nikolaus Harnoncourt – dieses Jahr zwar nicht mehr im Konzerthaus – dirigiert Bachs Kantate BWV 147 »Herz und Mund und Tat und Leben«.

 

7. Tür: Die Klaviersonate »1.X.1905« von Leoš Janáček war die direkte Reaktion des Komponisten auf eine blutig niedergeschlagene Demonstration. Im Konzerthaus interpretiert der ehemalige Exklusivkünstler Fazıl Say das Werk am 31. Januar 2012.

 

8. Tür: Wie vielseitig die Sitar ist, kann wohl keine besser demonstrieren als Anoushka Shankar, die in ihrem neuesten Projekt die Geschichte des Flamenco von Indien bis Spanien verfolgt.

 

9. Tür: In Strawinskys »Oedipus Rex« ist nicht mehr viel von dem wildem Stil des »Sacre« zu hören; Monumentalität, sogar eine regelmäßige Metrik und Rhythmik beherrschen das Bild. Valery Gergiev geht das neoklassizistische Spektakel in seiner charakteristisch zupackenden Art an – im Konzerthaus am 10. März.

 

10. Tür: Das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms entstand erst 22 Jahre nach seinem ersten Klavierkonzert und hat mit seiner Spieldauer von 50 Minuten eher sinfonische Ausmaße. Im Konzerthaus steht dieses Werk zum Saisonabschluss mit unserem Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen und Yefim Bronfman auf dem Programm.

 

11. Tür: Der »Feuervogel« von Igor Strawinsky fliegt regelmäßig durchs Konzerthaus-Programm. In dieser Saison entfachen ihn das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra unter Sakari Oramo.

 

12. Tür: José González ist ein »Wiederholungstäter«, wenn er im Mai mit seiner Band Junip ins Konzerthaus zurückkommt. Die drei Schweden formierten sich schon Mitte der 90er-Jahre zur Band und begannen miteinander zu experimentieren. Über die Jahre entwickelte sich so ihr einzigartiger Sound, der gleichzeitig nebulös und hypnotisch und doch melodisch ist.

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1. Tür
Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen dirigiert sein Orchesterwerk »Foreign Bodies«, im Konzerthaus zu hören im Rahmen der MCO Academy.

24.11.2011

»Wie kommt der Mann in den Vorhang?«

Gut drei Wochen lang bot die Multimedia-Ausstellung re-rite Menschen Gelegenheit, ins Innere eines Orchesters einzutauchen. Unter den 9640 Besuchern der Installation im Dortmunder U waren auch über 1500 Kinder und Jugendliche.

 

»Wie kommt der Mann in den Vorhang?«, fragte eine Erstklässlerin beim Anblick der Gazevorhänge mit der Projektion Esa-Pekka Salonens. Und ihre Freundin ergänzte: »Ist das ein Geist?« Etwas unheimlich fanden die Kleinsten die Ausstellung mit ihren düsteren Gängen und der lauten Musik in der Tat. Doch egal, ob Kindergartenkind, Grundschüler oder Gymnasiast – die re-rite-Welt übte auf alle ihren Reiz aus. Insbesondere am Taktstock und im Schlagwerkraum zeigte sich sowohl die Ernsthaftigkeit der Kleinen, mit der sie möglichst akkurat den Anweisungen des Philharmonia-Perkussionisten folgen wollten, als auch der Kindskopf der Großen, die sich über den durchdringenden Sound des Tamtams freuen konnten wie kleine Kinder.

 

Durch die vorbereitenden Workshops mit den Musikvermittlern Anne Kussmaul und Paul Rissmann waren schließlich 12 Kindergartengruppen und 45 Schulklassen in der Lage, sich in die Position der Orchestermusiker hineinzuversetzen und grundlegende Strukturen aus Strawinskys »Sacre du printemps« zu erfahren. In einem Ferienprojekt setzten 58 Grundschüler die komplexe Musik sogar in Bewegungen um, meisterten die vertrackten Rhythmen und wurden Flaschenflöten-, Schuhschachtelgeigen- und Strohhalmoboen-Experten.

 

Und das sagen die Kinder zu re-rite:

»Mir hat gefallen, als wir mit dem Stab gewedelt haben.«

»Mir hat gefallen, dass man Trommeln durfte.«

»Ich fand die Musikgeräte so cool, die Trommel und die Triangel.

»Im Dortmunder U hat mir die Musik gefallen und der Taktstock auch.«

»Mir haben das Klatschen und die anderen verrückten Dinge gefallen.«

 

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re-rite-Ferienprojekt
Wie kann man zu Strawinskys unregelmäßigen Rhythmen gehen? © Petra Coddington

21.11.2011

Tag eins nach re-rite

9640 Besucher haben in den gut drei Wochen die Ausstellung re-rite in Dortmund besucht. Nun hat sie ihre Pforten geschlossen und das ganze Equipment der technisch herausfordernden Installation wird wieder abgebaut. Schon morgen setzt sich der LKW mit kistenweise Kabeln, Lautsprechern, Fernsehern, PCs und Beamern vom Dortmunder U aus Richtung England in Bewegung.

 

Von Wohnungsumzügen weiß man bekanntlich, dass der Abbau immer schneller vonstattengeht als der (Wieder-)Aufbau. Wie sehr dies auch auf re-rite zutrifft, zeigen die Bilder, die nur wenige Stunden, nachdem die letzten Besucher die 6. Etage des U verlassen haben, nur noch erahnen lassen, wie die Räumlichkeiten noch vor 24 Stunden aussahen.

 

Für Dortmund ist das Kapitel re-rite damit fast beendet, doch die faszinierende Ausstellung wird auch in Zukunft Besucher in Staunen versetzen. Man darf gespannt sein, wo re-rite das nächste Mal Station machen wird.

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So soll es am Ende aussehen...

04.11.2011

Olympia im Konzerthaus

Das Konzerthaus wird ja für vielfältige Zwecke genutzt: vom Orchesterkonzert über das Solorecital bis zum Popkonzert, aber auch für Firmenversammlungen, Kongresse, Preisverleihungen etc. Ein sportlicher Wettkampf fand aber bislang im Konzertsaal wohl noch nicht statt... Das änderte sich am Dienstag, als das Mahler Chamber Orchestra und das KinderOrchesterRuhr miteinander und gegeneinander eine Orchesterolympiade austrugen. Schon der Dress der Konzertsportler verwies auf die Doppelbegabung der Teilnehmer: halb Konzertkleidung, halb Sportklamotten war die Maßgabe und die Zusammenstellungen waren wahrlich kreativ. Badehose und Frack, Frackweste überm Fußballtrikot, Ballett-Tutu zum schwarzen Paillettentop...


Das waren natürlich Äußerlichkeiten. Ebenso wie ein Konzert erfordern sportliche Höchstleistungen natürlich entsprechendes Training und Konzentration. Zum (gemeinsamen) Training trafen sich die Musiker des KinderOrchesterRuhr und des MCO schon zwei Tage zuvor im Konzerthaus, sodass bis zum Wettkampftag »disziplinübergreifende« Freundschaften entstanden waren. Die waren allerdings schnell vergessen, wenn es darum ging, ein Mitglied der eigenen Stimmgruppe bei seinem Wettbewerb lautstark anzufeuern.


Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr unter Ton Koopman, war auch die Neuauflage des MCO Familienkonzerts unter der Leitung von Teodor Currentzis eine schöne Gelegenheit für die Nachwuchsmusiker, Profiluft zu schnuppern. Und die großen Kollegen nahmen die kleinen ganz selbstverständlich in ihre Reihen auf. Da wurde im Schlagwerk gefachsimpelt, bei den Streichern getratscht und vor allem zusammen viel gelacht.

Das KinderOrchesterRuhr ist übrigens schon am 13. November wieder im Konzerthaus zu hören – dann in der Rolle der Experten, die den jüngsten Orchesternachwuchs der JeKi-Ensembles Kunterbunt bei ihren ersten Konzerterfahrungen begleiten und unterstützen.

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Wer kann schneller?
Geige gegen Flöte trugen das Duell um die schnellsten Läufe aus.

27.10.2011

Auf dem Weg zu re-rite

Bild zu Auf dem Weg zu re-rite

Ein großer LKW aus England brachte am vergangenen Wochenende dutzende Cases mit den Herzstücken der Multimedia-Ausstellung re-rite, die morgen im Dortmunder U eröffnet: Beamer, Monitore, PCs und v. a. kilometerweise Kabel.
 

Seit Sonntag konnte man täglich beobachten, wie aus den leeren Räumen auf der 6. Etage des U-Turms, deren Wände zuvor schwarz gestrichen worden waren, langsam das wächst, was so schwer in Worte zu fassen ist. Natürlich laufen Großprojekte dieser Art nie so ganz wie geplant, so auch hier. Doch bislang ließ sich noch jede Frage klären – beispielsweise auch, was eigentlich Genie (ein elektrischer Hubwagen) auf englisch heißt. (Antwort: Genie.) Zweifel blieben allerdings, ob eine elektrische Ameise (ebenfalls ein Hubwagen) dann eine Emeise oder eine e-Ameise oder einfach ein elektrisches Vieh ist. Und was das dann wiederum auf englisch heißt...

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Wichtigstes Arbeitsgerät der letzten Tage: Hubwagen und Gerüst

21.10.2011

Strawinsky auf der Spur

Schüler-Workshops zu re-rite

 

Während die Aufbauarbeiten für re-rite im Dortmunder U noch in vollem Gange sind, hat das begleitende Schulprogramm bereits begonnen. 17 Klassen kommen in dieser Woche erstmals in Kontakt mit dem, was die Multimedia-Ausstellung ausmacht.

 

Was ist eigentlich ein Orchester und wie gelingt es 100 Musikern zusammen zu spielen und könnten die das wohl auch ohne Dirigenten? Über diese Fragen näherten sich die Schüler im Selbstversuch dem Phänomen Orchester. Ohne Dirigenten spielen geht nicht, befanden die Schüler zunächst (»das würde blöd klingen«) und konnten schnell selbst ausprobieren, dass es durchaus geht: Einmal gemeinsam einatmen und ein vorher festgelegtes Wort synchron aussprechen, klappte schon beim zweiten Versuch bestens.

 

Auch die Frage, wozu man in der Musik eigentlich ein Metrum braucht, konnten die Schüler am eigenen Leib klären, indem sie versuchten, sich zur Musik zu bewegen. Und schon waren sie bei den komplexen und völlig unberechenbaren Rhythmen von Strawinskys »Sacre« angekommen, der ihnen im Original übrigens moderner vorkam als ein Remix, dem ein gleichmäßiger Beat unterlegt ist.

 

Nach den Herbstferien können die Schüler dann beim Besuch von re-rite ganz in die unglaubliche Musik von Igor Strawinsky eintauchen und sich mithilfe der Workshop-Erfahrung ausmalen, was es für die Musiker bedeutet, dieses Werk zu spielen.

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Wozu braucht man in der Musik ein Metrum?
Das probierten die Schüler im Selbstversuch aus.

25.05.2011

Vom Grab bis ins Schlaraffenland

Schüler-Workshop zur Musik Gustav Mahlers

 

Einfallslosigkeit sieht anders aus. Beim Thema »Schlaraffenland« sprudelten die Schüler der fünf Klassen, die am 20. bzw. 23. Mai für einen 90-minütigen Workshop zur Musik Gustav Mahlers mit der Musikpädagogin Katja Tschirwitz ins Konzerthaus gekommen waren, vor erstaunlichen Ideen nur so über: LCD-Plasma-Fernseher und fliegende Besen, Kissen und Mädchen (natürlich für die Jungs), Applestore und Poolbar, aus dem Boden wachsende Instrumente, Schokobrunnen, Flüsse mit Aprikosen, Grillhähnchen non stop...

 

Genau so prall, bunt und gegensätzlich auch der vierte Satz in Gustav Mahlers vierter Sinfonie: Die lieben Englein feiern im Himmelreich eine wahre Sause bei Musik, Tanz, Alkohol und Fressgelagen. Die temperamentvollen, irrwitzigen Zwischenspiele beben vor Rhythmuskraft und schreien nach Bewegung. Und so füllte die Einstudierung des »Tanzes der verrückt gewordenen Engel« den ersten Teil des Workshops. In dieser begrenzten Zeit brachten es alle teilnehmenden 5. und 6. Klassen nicht nur zustande die Choreografie synchron aufs Parkett zu legen, sondern auch wahre Tanzlust auszustrahlen.

 

Im zweiten Teil des Workshops nun ein Absturz um gefühlte 1000 Kilometer – aus pudrigen Paradieswolken auf den harten Boden der Tatsachen. Das schaurige und gleichzeitig hochdramatische »Irdische Leben«, eines der »Wunderhorn«-Orchesterlieder Gustav Mahlers, vereint auf engem Raum drei Personen mit höchst unterschiedlichem Profil: ein hungriges Kind, das in immer schrilleren Tönen um Brot fleht, eine monoton beschwichtigende Mutter und ein Erzähler, der wohl schon ums bittere Ende des Kindes weiß. Alles wie gemacht für eine Darstellung in Gruppen mit passenden Gesten und Gesichtsausdrücken.

 

Als Schlussüberraschung und Belohnung für das entgegengebrachte Interesse – an dieser Stelle mehr als eine Floskel – wurden für die MCO-Hauptprobe im Konzertsaal (in der die 150 Schüler nun mit echtem Orchester und mit Mojca Erdmann als echter Sängerin ihre Ergebnisse vorführten) in jeder Klasse zwei »Ehrenplätze« verlost: seitlich hinter dem Orchester mit Blick auf die sonst unsichtbare Vorderfront des Dirigenten und natürlich aufs bunte Treiben in den eigenen Reihen. Wie attraktiv dieser Preis war, zeigte die Reaktion zweier Gewinnerinnen, die vor Glück völlig aus dem Häuschen gerieten. Wohl nicht nur für sie scheint die Zeit im Konzerthaus mehr gewesen zu sein als eine bloße Abwechslung vom normalen Schulunterricht.

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Tanz der verrückt gewordenen Engel
Zu den temperamentvollen Instrumentalzwischenspielen im vierten Satz aus Gustav Mahlers 4. Sinfonie muss man sich einfach bewegen...