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Neues aus dem Konzerthaus Dortmund

»Das wäre doch etwas für die hörbar.« Diesen Satz hören wir in Besprechungen regelmäßig. Weil nunmal nicht alles in unserem Konzerthaus-Magazin Platz findet, wir Interessantes und Informatives ebenso wie Unterhaltsames und Kurioses rund um das Konzertleben aber dennoch nicht für uns behalten möchten, üben die Kollegen jetzt schon einmal den Satz »Das wäre doch etwas für die Webseite.« Denn hier werden wir in Zukunft kleinere und größere Geschichten rund um das Konzerthaus erzählen.

 

pressekontakt

Dr. Jan Boecker

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Das Festival »Heidelberger Frühling«, das jedes Jahr im März / April erstklassige Künstler aus aller Welt in die historische Altstadt am Neckar lockt, bietet seit einiger Zeit im Rahmen einer Konferenz auch Gelegenheit, sich über Entwicklungen im Kulturbetrieb auszutauschen. In diesem Jahr gingen die Experten und Vertreter der Branche der Frage nach, ob der ständige Innovationsdrang, der jedes Jahr neugestaltete Broschüren, ausgetüftelte Programme und kreative Werbemaßnahmen hervorbringt, nicht am Ende vielleicht auch Innovation nur als Etikett verwenden.

 

Auf dieser Tagung saß Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa neben Intendanten anderer renommierter Häuser und Festivals auf dem Podium zu dem Thema Innovation und Verpackung - »Content is king, package is God«? und diskutiert rege, welche Ziele Veranstalter, Agenturen und Labels mit ihren jeweiligen Strategien bei der Präsentation von Musik verfolgen.

 

Auf Twitter war die rege Diskussion zu verfolgen:

 

Die Dortmunder Affinität zum Fußball ist ja längst kein Geheimnis mehr und war auch Thema in der Diskussionsrunde:

 

Doch auch Anspruch und Erfolge damit waren Thema:

Bild zu Konzerthaus-Champions League trifft sich in Dortmund

Die Zukunft der klassischen Musik: durch Emotionalität Fans gewinnen

 

Nach der Aufnahme des Konzerthaus Dortmund in den europäischen Spitzenverband der European Concert Hall Organisation (ECHO) vor zwei Jahren haben Intendanten aus Birmingham, Hamburg, Barcelona, Köln, Wien, London, Brüssel, Lissabon, Amsterdam, Luxemburg und Wien erstmals in Dortmund getagt. Beim Austausch der führenden Konzerthäuser Europas am Donnerstag und Freitag auf der Konzerthaus-Bühne war ein zentrales Thema auch die stärkere Kommerzialisierung des Konzertlebens. Dr. Reinhard Rauball und Carsten Cramer, Präsident und Marketingdirektor von Borussia Dortmund, sprachen als Gastredner über Football Marketing – what can we learn for classical music?

 

»Was die Champions League im Fußball ist, bedeutet die ECHO für die klassischen Musik«, so Rauball. »Erfolgreiches Management haben in Dortmund den BVB und das Konzerthaus in die europäische Spitzenklasse geführt. Der rasante Aufstieg des Konzerthauses in den letzten Jahren steht mit dem Namen von Benedikt Stampa in Verbindung.« – »Es ist das starke emotionale Moment«, ergänzt Cramer, »in dem sich Fußball und Musik treffen, und mit dem wir Menschen begeistern und zu Fans werden lassen können.«

 

Die ECHO-Tagung klingt mit dem Besuch der Konzerte des San Francisco Symphony am Freitag sowie der »Rising Stars« – von der ECHO ausgewählte Nachwuchskünstler – am Samstag aus.

 

Auf dem Foto: Carsten Cramer (Marketingdirektor Borussia Dortmund)

Dr. Reinhard Rauball (Präsident Borussia Dortmund), Paul Dujardin (BOZAR Brussels), Simon Reinink (Het Concertgebouw Amsterdam), Andrew Manning (ECHO Coordinator), Stephan Gehmacher (Philharmonie Luxembourg)

Matthias Naske (Wiener Konzerthaus), Benedikt Stampa (Konzerthaus Dortmund), Andrew Jowett (Town Hall & Symphony Hall Birmingham), Christoph Lieben-Seutter (Laeiszhalle Elbphilharmonie Hamburg, ECHO President), Anthony Sargent (The Sage Gateshead)

Dr. Thomas Angyan (Musikverein Wien), Louwrens Langevoort (Kölner Philharmonie), Joan Oller (Palau de la Música Catalana), Sir Nicholas Kenyon (Barbican Centre London), Risto Nieminen (Calouste Gulbenkian Foundation Lisbon)

Am Rosenmontag folgte eine Gruppe von Freundeskreis-Mitgliedern nicht dem Ruf des Karnevals, sondern der Einladung der Flügelgalerie Maiwald zu einer Werkbesichtigung bei Steinway & Sons in Hamburg. Aufgrund der beschränkten Gruppengröße bei solchen Führungen durch die Produktion und dem großen Interesse des Freundeskreises mussten die Plätze für diese Fahrt zuvor verlost werden. 16 glückliche Gewinner konnten schließlich die Fahrt nach Hamburg antreten.

 

Bei ihrem Rundgang durch die Fertigungshalle konnten die Konzerthaus-Freunde dem Entstehungsprozess der Instrumente von der Formung des rohen Korpus zum spielbereiten Konzertflügel folgen.

 

Einen solchen Steinway D wählte dann Pianistin Lilya Zilberstein für Maiwald aus. Zwischen acht bereitgestellten Konzertflügeln musste sich die Künstlerin entscheiden und wechselte dazu viele Male zwischen den Instrumenten hin und her, verglich die Klangfarben und den Anschlag der einzelnen Flügel anhand der gleichen Musikausschnitte und grenzte so die Auswahl ein. Nach und nach schloss sie die Deckel der Flügel, die es nicht sein sollten, bis sie einen Favoriten ermittelt hatte. Dieser Konzertflügel wird nun nach Kamen umziehen und von der Flügelgalerie Maiwald auch verliehen.

 

Nach der erfolgreichen Auswahl klang der Tag dann auf der Heimfahrt angemessen aus: Die Flügelgalerie Maiwald verwöhnte ihre Gäste mit Berlinern und Sekt. 

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Freundlicher Empfang

Seit das Konzerthaus mit dem Mahler Chamber Orchestra (MCO) eine Patenklasse hat, sind Aktivitäten mit und für diese Schüler gesetzt, wann immer das MCO in Dortmund ist. Letzte Woche waren die Proben zur MCO Academy mit Peter Eötvös und Martin Grubinger eine willkommene Gelegenheit, die 7.-Klässler mit dem Schlagwerk-Instrumentarium im Orchester bekannt zu machen. Dazu luden wir die Schüler zu einem Workshop mit den MCO-Schlagwerkern Koen Plaetinck und Martin Piechotta ein, die ihnen die Vielzahl der Instrumente vorstellten, die ein Schlagwerker beherrschen muss und die Jugendlichen vor allem selbst Hand anlegen ließen. Vom vierstimmigen Paukengewitter, das sich langsam nähert über Steve Reichs »Clapping Music« bis zum abschließenden geschnipsten, geklatschten und gestampften Regenkonzert und Selbstversuchen mit zwei Marimbaschlägeln in einer Hand reichte das Programm, das wir in drei weiteren Workshops auch anderen Schülern und Erwachsenen zugänglich machten.

 

Der Probenbesuch der Patenklasse im Orchesterzentrum|NRW für das Stück »Speaking Drums«, in dem der Perkussionist Martin Grubinger als Solist zu erleben war, beeindruckte und amüsierte die Schüler dann umso mehr: Grubingers Virtuosität ist natürlich atemberaubend und Eötvös‘ Komposition, in der der Schlagwerker seinen Trommeln wirklich das Sprechen beibringt, indem er selbst Worte und Sätze spricht, flüstert oder schreit, erwies sich gerade für Neue-Musik-Neulinge als guter Einstieg. Und beim Konzertbesuch am Wochenende hätten die Schüler dann die Worte »Ku-do-ra … kot-ta … üüüüüüüüüüüüü« wohl selbst mitsprechen können.

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Paukengewitter
Mit vier Pauken lässt sich hervorragend Donnergrollen imitieren.

Im Rahmen des Festivals »Heidelberger Frühling«, das jedes Jahr im März / April erstklassige Künstler aus aller Welt in die historische Altstadt am Neckar lockt, findet dieses Jahr auch eine Tagung statt, die sich mit dem Innovationsgedanken im Kulturbetrieb auseinandersetzt und der Frage nachgeht, ob der ständige Innovationsdrang, der jedes Jahr neugestaltete Broschüren, ausgetüftelte Programme und kreative Werbemaßnahmen hervorbringt, nicht am Ende vielleicht auch Innovation nur als Etikett verwenden.

 

Auf dieser Tagung wird Konzerthaus-Intendant Benedikt Stampa neben Intendanten anderer renommierter Häuser und Festivals auf dem Podium zu dem Thema Innovation und Verpackung - »Content is king, package is God«? darüber diskutiert, welche Ziele Veranstalter, Agenturen und Labels mit ihren jeweiligen Strategien bei der Präsentation von Musik verfolgen. Zum Tagungsprogramm 

Eigentlich sollte alles ganz anders werden: Das Konzerthaus und das Mahler Chamber Orchestra (MCO) haben mit Beginn dieser Saison eine Patenschaft für 26 Schüler der Gesamtschule Scharnhorst übernommen – genauer gesagt für die Klasse 7.3. Nachdem die Schüler in der vergangenen Saison zweimal im Rahmen von MCO-Projekten im Konzerthaus zu Gast waren und uns mit ihrem Enthusiasmus und Interesse beeindruckten, wollten wir diese Begeisterung weiter stärken.

 

Der Auftakt zu dieser Patenschaft sollte im Rahmen der Probenwoche zum Konzert des MCO mit Claudio Abbado stattfinden und die Jugendlichen in ganz persönlichen Kontakt mit den Orchestermusikern bringen: Die Schüler hatten Instrumente ausgewählt, die sie gerne im Rahmen einer Schnupperstunde kennen lernen wollten, wir hatten Schüler-Musiker-Paarungen festgelegt, die Schüler sogar „ihrem“ Orchestermusiker einen Brief geschrieben, als uns die Nachricht erreichte, dass Claudio Abbado das Konzert nicht würde dirigieren können. Die Absage des Konzerts traf also auch die Schüler eiskalt, die nach den Herbstferien erfahren mussten, dass ihre geplante Begegnung und Instrumenten-Ausprobierstunde mit den MCO-Musikern damit ebenfalls geplatzt war.

 

Gemeinsam mit dem MCO gelang es dann aber doch, wenigstens einen der Musiker nach Dortmund zu holen – bei Orchestermitgliedern aus 20 verschiedenen Nationen keine einfache Aufgabe! MCO-Paukist Martin Piechotta packte also kurzerhand seinen Koffer mit den (selbst gemachten!) Schlägeln ein und fuhr nach Dortmund, um die Klasse in der Schule zu besuchen. Mit einer Demonstration seines Instruments, Gelegenheiten für die Schüler, sich selbst einmal an der Pauke zu versuchen und Erzählungen über die Herkunft von Paukenfellen, wie man sie aufzieht und wieso er seine Schlägel selbst herstellt, fesselte Martin Piechotta die Schüler.

 

Natürlich war es nicht nur Zufall, dass ausgerechnet Martin Piechotta diesen Schulbesuch absolvierte, sondern auch ein wenig Kalkül, denn wenn das Mahler Chamber Orchestra im Februar das nächste Mal nach Dortmund kommt, steht unter anderem Peter Eötvös’ Schlagwerkkonzert „Speaking Drums“ auf dem Programm – ein guter Anlass, sich einmal genauer mit Perkussions-Instrumenten zu beschäftigen. Dazu wird auch für die Schüler der Gesamtschule Scharnhorst dann in einem praktischen Workshop Gelegenheit sein…

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Aufgepasst!
Gar nicht so einfach: rechte Hand – rechte Pauke, linke Hand – linke Pauke, rechte Hand – linke Pauke, linke Hand – rechte Pauke, rechte Hand – linke Pauke, ...

Bild zu Die Stimme seines Herrn: Farinelli und Porpora – Eine Spurensuche

Am 10. Oktober widmet sich Philippe Jaroussky im Konzerthaus den Arien Nicola Porporas, die dieser für den berühmten Kastraten Farinelli schrieb. Seinen Weg zu diesem Repertoire und die Besonderheiten der Arien schildert uns der Countertenor in diesem Text.

 

Von Philippe Jaroussky

 

Seit jeher habe ich gezögert, das Repertoire der großen Legende Farinelli in Angriff zu nehmen. Mir war es zunächst wichtiger, den Fokus zu verschieben und die bewegenden Lebensgeschichten und die Musik anderer Kastraten in den Vordergrund zu rücken - so wie ich es vor einigen Jahren mit Carestini getan habe. Inzwischen habe ich allerdings viele Arien gesungen, die ursprünglich für Farinelli komponiert wurden. Und ich habe festgestellt, dass einige von ihnen durchaus zu meiner Stimme passen. Viele dieser Stücke stammen von Nicola Antonio Porpora (1686–1768) – dem Gesangslehrer Farinellis.

 

Die Beziehung der beiden hat mich interessiert, also bin ich auf Spurensuche gegangen und in eine faszinierende Welt abgetaucht. Es gibt viele Fragezeichen in dieser Beziehung und nur sehr wenige historische Dokumente – es existiert kein einziger Brief. Aber vielleicht liegt genau darin auch der Reiz: Letztlich erklärt die Musik mehr als jede historische Quelle.

 

Farinelli kannte Porpora wahrscheinlich schon aus dessen früher Kindheit. Und wir können annehmen, dass der Lehrer für die Entscheidung verantwortlich war, dass das Wunderkind kastriert wurde. Danach brachte Porpora seinem Schüler den Musikgeschmack und die Gesangstechnik seiner Zeit bei und nahm ihn für viele Jahre unter seine Fittiche.

 

Wir können uns heute gar kein Bild mehr vom Leid der kastrierten Kinder machen und davon, wie ihre Ausbildung funktionierte: Tausende Jungen wurden ihren Eltern weggenommen und kastriert. Ein Glücksspiel, denn nur wenige schafften es wirklich auf die Bühne und verdienten mit dem Gesang Geld. Immerhin hatte man gute Voraussetzungen, wenn man es bis an Porporas Conservatorio Sant’ Onofrio gebracht hatte.

 

Farinelli war unter all den anderen Kindern sicherlich eine Ausnahme. Er kam aus einer kultivierten und angesehenen Familie. Und wahrscheinlich  wird auch Nicola Antonio Porpora seinen Schüler Farinelli anders behandelt haben als seine Mitschüler. Es entstand ein intimes Vater-Sohn-Verhältnis, besonders nach dem Tode von Farinellis leiblichem Vater. Ich vermute, dass die Beziehung der beiden von ebenso viel Furcht wie kindlicher Liebe geprägt war. Vielleicht lag darin sogar ein Geheimnis der Stimme Farinellis. Er war ein zarter, feinfühliger Mensch.

 

Porpora wusste, wie er mit den jungen Schülern umzugehen hatte. Ich denke, dass er extrem anspruchsvoll war, zuweilen sogar tyrannisch. Aber ihm war klar, wie er das »Stimm-Monster«, das da heranwuchs, bändigen und in positive Bahnen lenken konnte. Ich glaube, dass er den großen Herausforderungen einer Gesangsausbildung oft auch spielerisch begegnet ist.

 

Nun könnte man fragen, wie wir die Erlebnisse einer derartigen Ausbildung heute noch nachvollziehen können. Das ist natürlich unmöglich – und das will auch keiner. Aber manchmal denke ich, nachdem ich mich jahrzehntelang mit dieser Musik und dem Schicksal der Kastraten beschäftigt habe, dass die Auseinandersetzung mit ihren Biografien hilfreich ist, um Empathie zu entwickeln, Mitleid und Verständnis für ihre Lebenssituation – für die Umstände, unter denen sie Musik gemacht haben.

 

Ich weiß aus eigener Erfahrung, was eine Beziehung zwischen Lehrer und Schüler bedeutet. Seit meinem 18. Lebensjahr gehe ich zur gleichen Gesangslehrerin, zu Nicole Fallien. Ich habe schnell begriffen, dass die Stimme ein Instrument ist, das ganz sensibel auf intime Gefühle und persönliche Eindrücke reagiert. In ihr schlagen sich die Ereignisse des Lebens nieder. Viele unserer Unterrichtsstunden ähnelten eher Psychotherapie-Sitzungen als gewöhnlichem Gesangsunterricht.

 

Bei Farinelli hat die Beziehung zu seinem Lehrer schon viel früher begonnen. Bei der Durchsicht der Autographe von Porpora entdeckte ich einige Arien von großer Virtuosität, aber auch etliche voller Sanftheit und Lyrik in der Mittellage. Ich glaube, dass gerade diese Momente darauf hindeuten, wie zugeneigt der Komponist Porpora dem Kastraten Farinelli war – ein Beispiel dafür ist »Alto Giove«. Und nicht zu vergessen das Pasticcio des Orfeo, das in London seine Uraufführung erlebte, wo Porpora für Farinelli die letzte Klage »sento del mio martir« schrieb. Sie klingt wie ein herzzerreißender Abschied, bevor Farinelli endgültig nach Mailand aufgebrochen ist.

 

Wie eng die Beziehung der beiden war, sieht man auch daran, dass Porpora Farinelli 1733 überreden konnte, nach London zu kommen, als er an der »Opera of the Nobility« arbeitete. Farinelli, inzwischen selbst ein Weltstar und sein eigener Herr, fühlte sich seinem Mentor so eng verbunden, dass er ihm diesen Wunsch nicht abschlagen konnte.

 

Sicherlich war Porpora kein Komponisten-Genie, verglichen mit seinem Rivalen Georg Friedrich Händel. Seine Kompositionen sind im klassischen neapolitanischen Stil gehalten und von einem Charme geprägt, der das Publikum sofort ansprach. Vor allen Dingen aber nehmen sie stets Rücksicht auf die stimmlichen Möglichkeiten des einzelnen Sängers.

 

Außerdem hatte Porpora ein Ass im Ärmel: Farinelli. Keiner kannte dessen Stimme so gut wie sein Lehrer, und keiner setzte sie so maßgeschneidert mit seinen Noten in Szene wie Porpora. Der Lehrer wusste, wie er Farinelli zu Höchstleistungen anspornen konnte, aber auch, dass er auf die Erfolge seines Meisterschülers angewiesen war. Farinelli erfüllte Porporas Arien mit Leben. Selbst auf dem Höhepunkt seines Ruhmes war Porpora immer bewusst, wem er seine Karriere zu verdanken hatte.

 

Am Ende hatten sich die Machtverhältnisse umgekehrt: Der Lehrer brauchte den Schüler. Die Zeit der Opera Seria lief ab, das Genre kam aus der Mode, jüngere Komponisten nahmen Porporas Platz ein. Nachdem er nicht zum Nachfolger seines alten Widersachers Leonardo Vinci ernannt worden war, ging Porpora nach Dresden und Wien. Schließlich kehrte er nach Neapel zurück – aber auch hier fanden seine neuen Kompositionen keinen Beifall mehr. In einem Brief an Farinelli schrieb Metastasio 1761, dass sein Lehrer Porpora einsam und verarmt gestorben sei. Porporas Geschöpf aber, der Mythos Farinelli, lebt noch heute – es ist höchste Zeit, auch seinen Schöpfer bekannter zu machen.

 

Aufgezeichnet von Axel Brüggemann

Bild zu Know-how für die Ohren

Manche Partituren sind mit Anweisungen gespickt und minutiös notiert, andere Komponisten verlassen sich puristischer auf die Notenschrift, und manche Notationen Neuer Musik geben zunächst eher Fragezeichen auf. Doch bei allen Varianten gibt es auf dem Weg vom Notentext – wie ursprünglich oder tradiert er auch sein mag – zum Klang kein »ein für alle Mal«. Das neue Konzerthaus-Format »Kopfhörer« zeigt im direkten Interpretationsvergleich, wie Stücke zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Interpreten verstanden wurden, aus welchem Geist heraus sie ein Werk angehen und welche Handschriften beim Hörer nachwirken. Dazu werden zwei Musik-Aficionados ihre Ohrensessel auf die Konzerthaus-Bühne bewegen und Aufnahmen unterschiedlicher Interpretationen gegenüberstellen. Ulrich Schardt, Autor und Einführungsreferent für die Reihe »Junge Wilde«, nennt einen begehbaren Plattenschrank sein Eigen. Schardts CD-Universum wurde mit einer Leidenschaft aufgebaut, die an den Eifer mancher Damen im Schuhbereich erinnert. Der Musikwissenschaftler und ehemalige Intendant des Konzerthaus Berlin, Frank Schneider, kontert mit seiner Bibliothek sorgfältig katalogisierter Radio-Mitschnitte. Mit Musikern und ihren Interpretationsgewohnheiten kennen sich diese Herren also aus. An vier Terminen widmen sie sich vielgeliebten und -gespielten Werken wie Schuberts Liedzyklus »Die schöne Müllerin« oder Dvořáks Sinfonie »Aus der Neuen Welt«. Als Diskussionsgrundlage dienen ihnen alte und neue Einspielungen, klassische Referenzaufnahmen, Sucher nach Originalklang und Deutungen, die etwas aus dem Rahmen fallen. Mit dem Expertenwissen der beiden Profi-Hörer kann das Publikum wenig später live im Konzerthaus den Aufführungen der vorgestellten Werke lauschen.

 

Zum Auftakt widmen sich die beiden nun in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre Beethovens »Eroica«, die wenig später mit dem WDR Sinfonieorchester Köln auf dem Spielplan steht.

Bild zu Gesucht: Spielzeug für die Kinderbetreuung

Schon seit acht Jahren freuen sich junge Eltern über die kostenlose Kinderbetreuung zu den Konzerten der Symphonie um Vier. Während die ersten Kinder der Kinderbetreuung bereits entwachsen sind, ist auch das Spielzeug, mit dem die Kinder sich im Orchesterprobenraum die Zeit vertreiben, etwas in die Jahre gekommen.

 

Aus diesem Grund wäre das KONZERTHAUS DORTMUND dankbar für einige Spielzeug-Spenden. Bei den Kindern gefragt sind beispielsweise einfache Gesellschaftsspiele wie UNO, Mensch-ärgere-dich-nicht, Twister oder andere Spiele mit nicht allzu vielen Kleinteilen. Außerdem Puzzles mit 50-100 Teilen oder Indoor-Spielutensilien wie Schaumstoffbälle, Rennautos oder ähnliches.

 

Wenn Sie derartige Spiele für Kinder im Alter zwischen 3 und 10 Jahren ungenutzt zu Hause haben und die Kinderbetreuung zur »Symphonie um Vier« damit unterstützen möchten, teilen Sie uns gerne per E-Mail oder telefonisch unter T 0231 – 22696 256 mit, was Sie abzugeben haben und wir arrangieren die Übergabe. 

 

Herzlichen Dank!

Pünktlich zum Saisonstart und dem Beginn der YANNICK Experience ist auch optisch im Konzerthaus alles auf den neuen Exklusivkünstler eingestellt. Mit dem großflächigen Motiv zur YANNICK Experience und einem Wandtattoo, das Sequenzen aus dem Film aufgreift, präsentiert sich die RWE-Lounge nun in neuem Look.

 

Die Umsetzung des Wandtattoos übernahm wieder wieder Michael Thiele von Die Transformer, der 2011 schon das große Tape-Art-Motiv zur Multimedia-Ausstellung re-rite am Dortmunder U entwickelte.

 

Am 19. September freuen wir uns dann nicht nur, unseren neuen Exklusivkünstler willkommen zu heißen, sondern feiern auch mit ihm und der Deutschen Grammophon die Veröffentlichung seines Albums mit Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6, die an dem Abend live erklingt. Als Vorgeschmack auf die Live-Aufführung der Sinfonie Nr. 6 von Tchaikovsky unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin können Sie schon jetzt einen Track aus dem noch nicht veröffentlichten Album auf myDG kostenlos herunterladen. Hören Sie sich den ersten Satz in voller Länge jetzt an: www.yannick-freetrack.de

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Wandtattoo in der RWE-Lounge
Kurz vor Saisonbeginn ist auch optisch alles auf den neuen Exklusivkünstler eingestellt.