Montag
22
Feb
2021

Initiative zur schrittweisen Rückkehr von Zuschauern und Gästen

Bild zu Initiative zur schrittweisen Rückkehr von Zuschauern und Gästen

Das Konzerthaus Dortmund unterstützt einen integrierten Ansatz für Kultur und Sport

Eine breit angelegte Initiative aus Experten und Wissenschaftlern sowie Kultur und Sport hat ein umfassendes Konzept vorgelegt, das die Teilnahme von Zuschauern und Gästen an kulturellen und sportlichen Veranstaltungen unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wieder ermöglichen könnte. Mit ihrem Konzept präsentieren die etwa 20 beteiligten Wissenschaftler und Experten sowie mehr als 40 Kultur- und Sportinstitutionen erstmalig einen branchenübergreifenden, datenbasierten Ansatz und damit einen differenzierten Beitrag zur Diskussion um angemessene Wege aus dem Lockdown. Das Konzept entstand unter Mitwirkung von namhaften Experten unter anderem aus den Fachbereichen Infektiologie und Virologie, Raumlufttechnik, Gesundheitsökonomie, Sportmedizin und Kultur sowie Rechtswissenschaften.
 
Umfangreiches und differenziertes Maßnahmenpaket ermöglicht kontrollierte Öffnung
Der Ansatz stellt verschiedene Modelle sowohl für Indoor- als auch für Outdoor-Veranstaltungen vor. Diese basieren jeweils auf einem Basiskonzept und können mittels weiterer Schritte ausgebaut werden, um die Zahl der Zuschauer und Gäste pro Veranstaltung schrittweise zu erhöhen.
 
Basiskonzept:

Indoor: Eckpunkte für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen umfassen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, eine Gesamtauslastung von maximal 25 bis 30 Prozent zur Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht, ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern sowie ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen.

Outdoor: Für Freiluftveranstaltungen geht das Konzept bei vergleichbaren Maßnahmen von einer möglichen Auslastung von 35 bis 40 Prozent der Kapazität aus. Im Amateur- und Breitensport schlagen die Autoren zudem eine »Bagatelluntergrenze« vor, die bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen eine Sonderregelung vorsieht. Bei Einhaltung der Maskenpflicht und eines erweiterten Abstands sowie Kontaktmanagement durch technische Lösungen wie Apps könnten personenbezogene Tickets in diesem Bereich damit überflüssig werden.

Sowohl für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen als auch für Freiluftveranstaltungen sieht das Basiskonzept zudem bestimmte Sitzplatzschemata vor, die die Einhaltung der Mindestabstände gewährleisten. Das Basiskonzept kann mit vertretbarem Aufwand und mit begrenzten finanziellen Ressourcen von jeder Spielstätte bei der Entwicklung eines Hygienekonzeptes umgesetzt werden. Das könnte insbesondere auch kleineren Einrichtungen in Kultur und Sport einen pragmatischen Weg zurück in einen geregelten Vorstellungs- und Spielbetrieb ermöglichen.

Fachärztliche Hygienekonzepte: An Indoor-Veranstaltungsorten mit großen Räumen und moderner Lüftungstechnik sowie ebenso bei Outdoor-Veranstaltungen ist – über das Basiskonzept hinaus – auch eine höhere Zuschauerzahl machbar. Für eine weitere Erhöhung der Auslastung empfehlen die Autoren ein fachärztliches Hygienekonzept als einheitlichen Standard.

»Maximalmodell« mit Teststrategie: Auf Basis neuer Diagnostikmöglichkeiten soll die Erweiterung der Zugangsmöglichkeit zu Veranstaltungen umgesetzt werden – bis hin zu einer möglichen Vollauslastung von Opern, Konzerten und Sportereignissen. Zu diesem Zweck könnte die Kultur- und Sportbranche unter anderem Zuschauern und Gästen einen Antigentest am Veranstaltungsort zur Verfügung stellen sowie digitale Portale zur Unterstützung des Kontaktmanagements fördern.

Mitwirkende im Autorenkreis u. a.:
Marcel Altenburg, MSc MA, Prof. Dr. Lutz Fritsche, Prof. Dr. Barbara Gärtner, Dr. Florian Kainzinger, Prof. Dr. Martin Kriegel, Prof. Dr. Tim Meyer, Prof. Dr. Peter Raue, Prof. Dr. Wolfgang Schade, Dr. Georg-Christian Zinn

Konzept zum Download:
Den umfassenden Leitfaden zur Rückkehr von Zuschauern und Gästen können Sie hier herunterladen.

Update: Am 01.03. haben die beteiligten Institutionen folgenden offenen Brief verschickt:

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Regierungschefinnen und Regierungschefs der Bundesländer,


erinnern Sie sich noch, wie es sich anhört, wenn am Ende eines Theaterstücks, einer Oper oder eines Klassik-Konzerts das Publikum mit stehenden Ovationen seine Begeisterung ausdrückt? Wissen Sie noch, wie es klingt, wenn Tausende Fans in Hallen und Stadien ihre Mannschaft anfeuern? Haben Sie noch die Geräuschkulisse im Ohr, wenn Zuschauer*innen von einer Rockband Zugaben einfordern?
Solche Erinnerungen verblassen derzeit bei uns allen. Dennoch wird der Ruf der Menschen nach einer Rückkehr in ein unbeschwertes Leben zunehmend lauter. Und wir laufen Gefahr, dass sich die Menschen nach fast einem Jahr der Lockdowns eigenständig neue Öffnungsmöglichkeiten erschließen und die Bekämpfung der Pandemie dadurch in Gefahr gerät.
Wir sind uns sicherlich einig, dass die Gefahr von COVID-19 noch lange nicht gebannt ist. Wir, ein Bündnis von mehr als 40 Institutionen aus Kultur, Sport und Veranstaltungsbranche, sind allerdings auch der Ansicht, dass die Bekämpfung des Virus durch pauschale Lockdowns an ihre Grenzen stößt – psychologisch, gesellschaftlich, betriebswirtschaftlich und auch volkswirtschaftlich.
Deshalb haben wir in der vergangenen Woche gemeinsam ein konkretes Konzept dazu vorgelegt, wie die Öffnung von Veranstaltungen in Kultur und Sport sicher und verantwortbar umgesetzt werden kann – bei gleichzeitiger Auswahl sorgfältig geprüfter Kennzahlen, um eine Überlastung des Gesundheitswesens frühzeitig erkennen zu können. Dieser Leitfaden wurde von 20 renommierten Expert*innen sowie Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachrichtungen erstellt und hat ein breites positives Echo in der Öffentlichkeit gefunden. Das Konzept ist ein Angebot an die Politik und eine konkrete Entscheidungsgrundlage, die von Expert*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen sorgsam erarbeitet wurde. Für Kultur- und Sportveranstaltungen lässt sich also sagen: Ein Weg aus dem Lockdown ist damit aufgezeigt – Sie müssen jetzt entscheiden, wann dieser beschritten werden kann und welche Einstiegsmöglichkeiten in solche Szenarien bestehen.
Wir appellieren an Sie, Kultur- und Sportveranstaltungen in sicherer und verantwortbarer Weise wieder möglich zu machen. Dies ist nicht nur ein gemeinsamer Aufruf von mehr als 40 Institutionen aus beiden gesellschaftlichen Bereichen. Wir wissen dabei auch unser Publikum hinter uns. All die Menschen, die uns kontaktieren und fragen, wann es wieder losgehen kann. Wir sind bereit. Wir haben aufgezeigt, wie es funktionieren kann.
Jetzt sind Sie, die Entscheider*innen in der Politik, am Zug. Wir setzen darauf, dass Sie der Kultur, dem Sport und allen Menschen eine Perspektive der Hoffnung eröffnen, wie wir alle schrittweise und sicher in den Alltag zurückkehren und mit der Pandemie leben können.
Herzlichen Dank.


Mit freundlichen Grüßen
Audi Dome, barclaycard arena, Basketball Bundesliga, Berliner Ensemble, Berliner Philharmoniker, BMW Berlin Marathon, Deutsche Oper Berlin, Deutscher Basketball Bund, Deutscher Bühnenverein, Deutsche Eishockey Liga, Deutsche Fußball Liga, Deutscher Fußball-Bund, Deutscher Handballbund, Deutscher Kulturrat, Deutscher Volleyball-Verband, Deutsches Theater Berlin, Elbphilharmonie Hamburg, Friedrichstadt-Palast Berlin, Gasteig, Gewandhaus Orchester, Gorki, Grips, Handball Bundesliga, Komödie am Kurfürstendamm, Komödie Winterhuder Fährhaus, Konzerthaus Berlin, Konzerthaus Dortmund, Lanxess Arena, Max-Schmeling-Halle, Mercedes-Benz-Arena, Olympiapark München, Park Aue, radialsystem, Renaissance Theater Berlin, SAP Arena, sasha waltz & guests, Schaubude Berlin, Staatsoper Stuttgart, Staatsoper Unter den Linden, Theater Dortmund, verti music hall, Volleyball Bundesliga, Volksbühne Berlin