Leif Ove Andsnes

Mit seiner überlegenen Technik und seinen hinterfragenden Interpretationen hat der norwegische Pianist weltweit Anerkennung gefunden. Er gibt Soloabende und spielt Konzerte in den führenden Konzertsälen der Welt und mit den besten Orchestern, zudem ist er auch im Aufnahmestudio aktiv. Der begeisterte Kammermusiker war fast zwei Jahrzehnte lang einer der Künstlerischen Leiter des »Risør Festival of Chamber Music« und 2012 Musikalischer Leiter des »Ojai Music Festival« in Kalifornien. Im Juli 2013 ist er in die Gramophone Hall of Fame aufgenommen worden; 2016 erhielt er die Ehrendoktorwürde der New Yorker Juilliard School.

In dieser Saison führen Leif Ove Andsnes Residenzen mit Matthias Goerne nach Brüssel und Paris und Konzerte mit dem Norwegian Chamber Orchestra und Mozart-Klavierkonzerten auf eine Tournee. Mit dem Boston Symphony Orchestra unter Andris Nelsons spielt er Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4, bevor er wieder ins Aufnahmestudio geht: 2017/18 erscheinen ein Album mit Werken von Strawinsky für vier Hände mit Marc-André Hamelin bei Hyperion und eine Sibelius-Reihe bei Sony Classical.

In der vergangenen Spielzeit erschien »Concerto – A Beethoven Journey«, eine Dokumentation des preisgekrönten britischen Regisseurs und Filmemachers Phil Grabsky, die das Beethoven-Projekt begleitete, das Andsnes in 108 Städte in 27 Ländern zu über 230 Auftritten führte. Darüber hinaus tourte er mit Klavierabenden durch Europa und Nordamerika und spielte Brahms’ Klavierquartette mit Christian Tetzlaff, Tabea Zimmermann und Clemens Hagen. Für Schumann- und Mozart-Konzerte arbeitete er mit den Orchestern in Chicago, Cleveland und Philadelphia zusammen. In Europa trat er auf mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Gewandhausorchester Leipzig, den Münchner Philharmonikern, dem Bergen Philharmonic Orchestra und dem London Symphony Orchestra, wo er in der Saison 2015/16 Porträt-Künstler war. Im Sommer kehrte er zum »Mostly Mozart Festival« zurück, bevor er in seiner Heimat das »Rosendal Chamber Music Festival« mit Gästen wie Vilde Frang, Sol Gabetta, Matthias Goerne und dem Brentano String Quartet eröffnete.

Im Sommer 2015 vollendete Andsnes das Projekt »The Beethoven Journey«: Mit dem  Mahler Chamber Orchestra (MCO) leitete er die kompletten Beethoven-Konzertzyklen vom Klavier aus in Bonn, Hamburg, Luzern, Wien, Paris, New York, Shanghai, Tokio, Bodø und London. Weitere Beethoven-Programme fanden statt mit dem Los Angeles Philharmonic, San Francisco Symphony, London Philharmonic Orchestra und den Münchner Philharmonikern. Seine Partnerschaft mit dem MCO wurde auch auf CD festgehalten: »The Beethoven Journey« wurde als Reihe für Sony Classical ein Erfolg. Die erste Ausgabe mit Beethovens Konzerten Nr. 1 und 3 war bei iTunes »Best Instrumental Album of 2012« und wurde mit dem belgischen »Prix Caecilia« ausgezeichnet. Der zweite Teil mit den Konzerten Nr. 2 und 4 erhielt den »2015 Recording of the Year Award« von »BBC Music«. Die gesamte Reihe wurde zum »Best of 2014« der »New York Times« und der »Süddeutschen Zeitung« gekürt.

Leif Ove Andsnes veröffentlicht Aufnahmen inzwischen exklusiv bei Sony Classical. Seine frühere Diskografie umfasst mehr als 30 CDs für EMI Classics – Solowerke, Kammermusik und Konzerte, viele davon Bestseller –, mit einem Repertoire, das von Bach bis zur Gegenwart reicht. Er wurde für acht »Grammy Awards« nominiert und gewann viele internationale Preise, darunter sechs »Gramophone Awards«. Seine Aufnahmen der Musik seines Landsmanns Edvard Grieg wurden besonders gerühmt: Die »New York Times« kürte Andsnes’ Aufnahme des Klavierkonzerts mit Mariss Jansons und den Berliner Philharmonikern von 2004 zur »Besten CD des Jahres«, und der »Penguin Guide« zeichnete sie mit der begehrten »Rosette« aus. Wie diese Konzertaufnahme gewann auch seine CD mit Griegs Lyrischen Stücken einen »Gramophone Award«. Einen weiteren »Gramophone Award« gab es für Rachmaninows Klavierkonzerte Nr. 1 und Nr. 2 mit Antonio Pappano und den Berliner Philharmonikern. Eine Reihe mit Aufnahmen von Schuberts späten Klaviersonaten in Kombination mit Liedern (gesungen von Ian Bostridge) wurde hoch gelobt, ebenso wie die CD mit den Weltersteinspielungen von Marc-André Dalbavies Klavierkonzert und Bent Sørensens »The Shadows of Silence« – beide Werke wurden für Andsnes komponiert.

Leif Ove Andsnes wurde als Commander of the Royal Norwegian Order of St. Olav geehrt. 2007 erhielt er den renommierten »Peer Gynt Prize«, der Norwegern mit besonderen Verdiensten in den Bereichen Politik, Sport und Kultur zuteilwird. Er wurde mit dem »Royal Philharmonic Society’s Instrumentalist Award« und »Gilmore Artist Award« ausgezeichnet und von »Vanity Fair« 2005 als »Best of the Best« geführt.

Andsnes wurde 1970 im norwegischen Karmøy geboren und studierte am Konservatorium in Bergen bei Jirí Hlinka. Auch Jacques de Tiège war ihm ein wertvoller Ratgeber, der wie Hlinka seinen Stil und die Philosophie seines Spiels stark beeinflusst hat. Andsnes lebt in Bergen, wo er im Juni 2010 zum ersten Mal Vater wurde. Im Mai 2013 erweiterte sich die Familie mit der glücklichen Ankunft von Zwillingen.