Gewandhausorchester Leipzig

Das Gewandhausorchester ist das älteste bürgerliche Sinfonieorchester der Welt. Keimzelle des Orchesters war die 1743 von 16 Adligen und Bürgern gegründete Konzertgesellschaft »Das Große Concert«. Mit dem Umzug in das Messehaus der Tuchwarenhändler im Jahre 1781 erhielt das Ensemble den Namen Gewandhausorchester. Einige der bedeutendsten Gewandhauskapellmeister waren Johann Adam Hiller, Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch und Kurt Masur. Seit 2005 ist Riccardo Chailly Gewandhauskapellmeister.

Hörer weltweit schätzen den besonderen Klang, den das Orchester auszeichnet: Die singuläre Klangfarbe und seine breite Repertoire-Vielfalt kultiviert das Orchester bei weit über 200 Auftritten jährlich in den drei Spielstätten seines Wirkungsbereichs: Es ist das Konzertorchester des Gewandhauses, das Orchester der Oper Leipzig und das Ensemble, das wöchentlich in der Thomaskirche die Bach-Kantaten gemeinsam mit dem Thomanerchor gestaltet. Kein anderes sinfonisches Spitzenorchester spielt so viel und so regelmäßig Werke von Johann Sebastian Bach. Darüber hinaus gastiert das Orchester seit 1916 in aller Welt und produziert regelmäßig für CD, DVD, Radio und Fernsehen.

Das Gewandhausorchester war maßgeblich an der Entwicklung der sinfonischen Musiktradition beteiligt und ist bis heute Anziehungspunkt für berühmte Komponisten, Dirigenten und Solisten: Das Leipziger Orchester führte noch zu Beethovens Lebzeiten dessen neun Sinfonien als Zyklus auf (1825 /26), und es spielte den weltweit ersten Zyklus aller Bruckner-Sinfonien (1919/ 20). Wagners Vorspiel zu »Die Meistersinger« hatte mit dem Gewandhausorchester Premiere; Beethovens 5. Klavierkonzert, Brahms’ Violinkonzert und sein Deutsches Requiem sowie Bruckners 7. Sinfonie sind, neben vielen anderen Werken der musikalischen Weltliteratur, vom Gewandhausorchester aus der Taufe gehoben worden. Noch heute bringt das Orchester in jeder Spielzeit Kompositionen zur Uraufführung.

Maßgeblichen Anteil an der Entwicklung eines bis heute prägenden Werke-Kanons hatte Felix Mendelssohn Bartholdy in seiner Zeit als Gewandhauskapellmeister (1835 – 1847). In seine Amtszeit fallen unter anderem die Uraufführungen seines Violinkonzertes e-moll, der »Schottischen Sinfonie« und der Ouvertüre zu »Ruy Blas«. Unter Mendelssohns Leitung ist Schuberts große C-Dur-Sinfonie zum ersten Mal erklungen sowie Schumanns 1., 2. und 4. Sinfonie. Mit neu konzipierten Konzertprogrammen lenkte Mendelssohn den Blick auf die Alte Musik und bewahrte damit unter anderem Johann Sebastian Bachs Instrumentalmusik vor dem Vergessen. Dank Mendelssohns Engagement konnte 1843 das erste Musikkonservatorium Deutschlands in Leipzig gegründet werden, die heutige Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« (HMT). Im Sinne der Mendelssohnschen Gründungsidee, professionellen Orchesternachwuchs auszubilden, bietet das Gewandhausorchester heute in Kooperation mit der HMT die »Mendelssohn-Orchesterakademie« an. Sie ist eine künstlerische Meisterklasse mit akademischem Abschluss.

Die CD-Einspielungen, die das Orchester gemeinsam mit Riccardo Chailly veröffentlicht hat, wurden mit internationalen Schallplattenpreisen und einer »Goldenen Schallplatte« ausgezeichnet (Gesamteinspielungen der Sinfonien Schumanns, Brahms’ und Beethovens; ein Gershwin-Album mit Stefano Bollani; Bachs Klavierkonzerte, Weihnachtsoratorium, Matthäus-Passion und alle Brandenburgischen Konzerte; Brahms’ Klavierkonzerte mit Nelson Freire; Mendelssohns »Lobgesang« und »Mendelssohn Discoveries«).