Esther Ofarim

Vor zehn Jahren ist sie zurückgekehrt aus ihrem selbstgewählten musikalischen »Exil«, direkt auf die Bühne in Hamburg. Und nichts ist verschwunden von ihrem Zauber, ihrer unverwechselbaren Stimme, die energiegeladen und mit langem Atem in höchste Höhen schwingt, die weich und zärtlich, manchmal zerbrechlich, aber immer noch messerscharf und metallisch den Raum durchschneiden kann.Und auch die für sie so typische leichte Neigung des Kopfes, die dramatische und doch feine Gestik der Hände, das kleine Lächeln dieser eleganten und selbstbewussten Frau, die sich in bescheidenster Form ihrer Wirkung bewusst ist, sind noch immer da.Zusammen mit Ihrem Arrangeur und musikalischen Begleiter Yoni Rechter hat sie ein neues Programm zusammengestellt, das unter dem Titel »I’ll See You In My Dreams« die unterschiedlichsten Stile und Genres mischt. Hebräische Volkslieder neben irischen Balladen, Beatles Songs neben Kurt Weill, europäisierter Orient neben dem gutturalen Schrei der Bronx, der intellektuelle Witz des Broadway neben sephardischen Traumphantasien.Einige der Lieder werden ihre Fans sofort wieder erkennen – und sie werden sich wundern. Denn nach fast 40 Jahren klingen diese Lieder frischer als in den sechziger Jahren. Ohne großes Orchester, nur begleitet von Bass, Gitarre, Klavier und Geige singt Esther Ofarim Lieder aus ihrem reichen Repertoire. Das Spektrum reicht vonShakespeare bis zu Leonard Cohen, von Kurt Weill bis zu den Beatles. Der Titelsong ihres neuen Programms »I’ll See You In My Dreams«war in den 1920er Jahren über Wochen ein Nummer-Eins-Hit in den amerikanischen Charts, und wenn Esther Ofarim ihn singt, dann weiß man auch warum, denn sie singt das Stück mit großer Lebendigkeit und Frische begleitet vom Chorgesang ihrer Musiker. Ihre schauspielerischen Qualitäten kann man hautnah spüren, wenn sie den »Surabaya-Johnny« anfleht, und wie viele Versionen gibt es von »Yesterday« und »Hallelujah«? Unzählige hat man schon gehört. Aber Esther Ofarims Interpretation lässt einen doch wieder genau hinhören bei diesen altbekannten Stücken. Auch »Cinderella Rockefella«, der Hit von 1968, darf dabei nicht fehlen.