Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

 

Schon bald nach seiner Gründung 1949 durch Eugen Jochum entwickelte sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu einem international hochgeschätzten Orchester, dessen Ruhm sich nicht zuletzt durch die intensive Reisetätigkeit schnell verbreitete. Die weltweite Wertschätzung des Symphonieorchesters schlägt sich regelmäßig bei Kritikerumfragen nach den besten Orchestern der Welt nieder, so zuletzt 2008 beim Orchesterranking der britischen Fachzeitschrift »Gramophone« (Platz 6) und 2010 im japanischen Musikmagazin »Mostly Classic« (Platz 4). Den verschiedenen programmatischen Schwerpunkten der bisherigen Chefdirigenten sowie der großen Flexibilität und Stilsicherheit jedes einzelnen Musikers verdankt das Orchester sein außergewöhnlich breit gefächertes Repertoire und sein beeindruckendes Klangspektrum. Besonders die Pflege der Neuen Musik hat beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks lange Tradition; die Auftritte im Rahmen der 1945 von Karl Amadeus Hartmann gegründeten »musica viva« gehörten von Beginn an zu den zentralen Aufgaben. Hier erlebte das Münchner Publikum legendäre Aufführungen zeitgenössischer Werke, bei denen die Komponisten meist selbst am Pult des Orchesters standen, so etwa Igor Strawinsky, Darius Milhaud, Paul Hindemith, Pierre Boulez sowie in jüngerer Zeit Hans Werner Henze, Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel, Luciano Berio und Péter Eötvös.

Viele renommierte Gastdirigenten wie Clemens Krauss, Erich und Carlos Kleiber, Charles Münch, Ferenc Fricsay, Otto Klemperer, Karl Böhm, Günter Wand, Sir Georg Solti, Carlo Maria Giulini, Kurt Sanderling und Wolfgang Sawallisch haben das Symphonieorchester in der Vergangenheit nachhaltig geprägt. Als einziges deutsches Orchester hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks viele Jahre lang mit Leonard Bernstein zusammengearbeitet. Heute sind Riccardo Muti, Bernard Haitink, Esa-Pekka Salonen, Franz Welser-Möst, Daniel Harding und Andris Nelsons wichtige Partner, die häufig in München am Pult stehen. Seit einigen Jahren verfolgt das Symphonieorchester neue Ansätze in der Interpretation Alter Musik und arbeitet regelmäßig mit Experten der historischen Aufführungspraxis wie Thomas Hengelbrock und Ton Koopman zusammen.

Neben zahlreichen Auftritten in München sowie in anderen Städten des Sendegebiets sind ausgedehnte Konzertreisen heute wichtiger Bestandteil des Orchesteralltags. Tourneen führen das Orchester durch nahezu alle europäischen Länder, nach Asien sowie nach Nord- und Südamerika. Dabei gastiert es regelmäßig in der New Yorker Carnegie Hall und in den bedeutenden japanischen Musikzentren. Seit 2004 ist das Symphonieorchester zudem Orchestra in Residence bei den Osterfestspielen des »Lucerne Festivals«.

Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt ist die Förderung des musikalischen Nachwuchses. Im Rahmen des »Internationalen Musikwettbewerbs der ARD« begleitet das Symphonieorchester seit 1952 junge Musiker sowohl in den Finalrunden als auch im sinfonischen Schlusskonzert der Preisträger. Im Oktober 2001 begann die Akademie des Symphonieorchesters ihre pädagogische Arbeit, indem sie angehende Orchestermusiker auf ihren Beruf vorbereitet. Außerdem engagiert sich das Symphonieorchester im Rahmen seines Jugendförderprogramms mit zahlreichen Aktivitäten dafür, dass klassische Musik auch einer jüngeren Generation nähergebracht wird.

Die Geschichte des Symphonieorchesters verbindet sich auf das Engste mit den Namen der bisherigen Chefdirigenten, die immer zugleich auch Chefdirigent des Chores des Bayerischen Rundfunks sind. Eugen Jochum, der als erster Chefdirigent das Orchester aufgebaut hat, verdankte das Münchner Publikum unvergleichliche Interpretationen der Sinfonien Anton Bruckners und der Werke der Wiener Klassik. Außerdem hat sich Eugen Jochum in besonderem Maß der geistlichen Musik angenommen und stand bei der »musica viva« regelmäßig am Pult. Rafael Kubelík, der das Orchester 18 Jahre lang leitete und ihm darüber hinaus noch bis 1985 als Gastdirigent verbunden blieb, erweiterte das Repertoire um Werke slawischer Komponisten, so von Smetana, Janáček und Dvořák, setzte sich bevorzugt für Komponisten des 20. Jahrhunderts wie z. B. Karl Amadeus Hartmann ein und dirigierte den ersten Mahler-Zyklus mit einem deutschen Orchester, der auf Schallplatte aufgenommen wurde. Seine impulsiv-emotionale Herangehensweise an die Musik wurde von allen Orchestermitgliedern geschätzt und ließ die Ära Kubelík zu einer der fruchtbarsten in der Geschichte des Klangkörpers werden. Als der designierte Nachfolger Kyrill Kondraschin überraschend starb, fand das Orchester in Sir Colin Davis einen neuen Chef – einen anerkannten Berlioz-Spezialisten, der sich zugleich als exzellenter Anwalt der Wiener Klassik sowie der Werke englischer Komponisten, insbesondere von Elgar, Tippett und Vaughan Williams präsentierte. Als Chefdirigent verlangte Lorin Maazel von den Musikern des Symphonieorchesters höchste technische Präzision und hob damit das Orchester nochmals auf eine neue Stufe musikalischer Perfektion. Programmatische Akzente setzte er durch die zyklische Aufführung der sinfonischen Werke von Beethoven, Brahms, Bruckner, Schubert und Mahler. Ein neuer und für beide Seiten äußerst glücklicher Abschnitt in der Geschichte des Symphonieorchesters hat im Oktober 2003 begonnen, als Mariss Jansons sein Amt als Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks antrat. Innerhalb kürzester Zeit ist es ihm gelungen, eine Atmosphäre höchsten künstlerischen Anspruchs und emotionaler Verbundenheit zu schaffen.

Mit zahlreichen CD-Veröffentlichungen führt Mariss Jansons die umfangreiche Diskografie des Orchesters fort. Die Aufnahme der 13. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch erhielt 2006 den »Grammy« in der Kategorie »Beste Orchesterdarbietung«. Seit 2009 veröffentlicht das Symphonieorchester herausragende Konzertmitschnitte und historische Aufnahmen beim neu gegründeten Label des Bayerischen Rundfunks: BR-KLASSIK.