Cecilia Bartoli

Alles ist etwas anders, wenn Cecilia Bartoli singt: Kritiker suchen nach Metaphern, weil der übliche Wortschatz sich für die Beschreibung ihrer Kunst als unzureichend erweist. Manche vermuteten ein »Nachtigallen-Nest« in ihrer Kehle, während andere meinen, dass »Liebeserklärungen« der einzige Weg sind, sie zu würdigen. Das Bartoli-Phänomen lässt sich weder in einfachen Worten noch in nüchternen Zahlen und Daten festhalten, wobei letztere den gewaltigen Sog ihrer Auftritte illustrieren könnten. Mehr als zwölf Millionen Audio- und Videoaufnahmen exklusiv für Decca wurden weltweit verkauft und machen sie zur bestverkaufenden klassischen Künstlerin. Allerdings wurde Cecilia Bartoli eine der beliebtesten Sängerinnen ihrer Generation, ohne der Popularität wegen Zugeständnisse an den Markt zu machen. Stets auf die Entdeckung neuer Werke bedacht, machte sie aus wohlüberlegten Projekten mit selten gehörtem Repertoire weltweite Erfolge: »The Vivaldi Album«, »Italian Arias« (Gluck), »The Salieri Album«, »Opera proibita«, »Maria«, »Sacrificium«, »Mission« und »St Petersburg« haben alle zahlreiche Preise gewonnen, darunter fünf »Grammy Awards«.

Konzerttourneen führen die italienische Mezzosopranistin in die bedeutenden Konzertstätten Europas, Amerikas, Asiens und Australiens. Zuletzt waren es die führenden Originalklang- Ensembles, die Cecilia Bartoli auf ihren Expeditionen durch die Welt der vergessenen Musik begleitet haben: die Akademie für Alte Musik Berlin, Les Arts Florissants, I Barocchisti, der Concentus Musicus Wien, das Freiburger Barockorchester, das Kammerorchester Basel, Les Musiciens du Louvre und das Zürcher Orchester La Scintilla. Darüber hinaus arbeitet sie mit großen Sinfonieorchestern, wobei ihre Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern besonders herauszuheben ist. Im Laufe der Jahre ist sie u. a. an der New Yorker Metropolitan Opera, dem Royal Opera House Covent Garden, der Mailänder Scala, der Bayerischen Staatsoper München, dem Opernhaus Zürich und dem Théâtre des Champs-Élysées in Paris aufgetreten.

Im Sommer 2016 wurde das neue Ensemble Les Musiciens du Prince unter Cecilia Bartolis künstlerischer Leitung gegründet. An der Opéra de Monte-Carlo ansässig, steht das Ensemble unter der Schirmherrschaft von Prince Albert II. und Caroline Prinzessin von Hannover.

2012 wurde Cecilia Bartoli Künstlerische Leiterin der »Salzburger Pfingstfestspiele«; der Vertrag für diese Position wurde bis 2021 verlängert. In Salzburg kann sie ihr Talent, künstlerische Exzellenz mit konzeptuellem Denken zu verbinden, verwirklichen und fand gleichzeitig einen idealen Rahmen für ihre Bühnenauftritte: Ihr szenisches Debüt als Norma wurde 2013 zu einem Meilenstein ihrer Karriere, und auch die folgenden Auftritte faszinierten das Publikum: 2018 sang sie beispielsweise die Rolle der Isabella in der Neuproduktion von Rossinis »L’Italiana in Algeri«.

Cecilia Bartoli und ihr Label Decca feiern in diesem Jahr ihre 30 Jahre währende Zusammenarbeit. Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Sängerin bei Decca werden mit drei Veröffentlichungen und der neuen Reihe »Decca – mentored by Bartoli« gewürdigt.

Die aus Rom stammende Sängerin kann sich nicht erinnern, bestimmte Karriereziele gehabt zu haben – sie hatte nur den Wunsch, Musik zu machen. Ihre Mutter, Silvana Bazzoni, brachte ihr das Singen bei und blieb ihre einzige Lehrerin. Schon früh begleiteten sie Daniel Barenboim, Riccardo Muti, Herbert von Karajan und Nikolaus Harnoncourt auf ihrem Weg, die gerne mit ihr arbeiteten.

Cecilia Bartoli erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter der »Léonie Sonning Music Prize« (2010), »Herbert von Karajan Musikpreis« (2012) und »Polar Music Prize« (2016).