Zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung beleuchtet das Konzerthaus Dortmund die Vielfalt US-amerikanischer Musik – zwischen Freiheitsversprechen, Widersprüchen und neuer Perspektive.
Woran denken wir, wenn wir heute den Blick nach Amerika richten? Oft ist es ein sorgenvoller Blick. Wir sehen ein Land der Gegensätze: Hier das große Versprechen von Freiheit, das die Gründerväter einst formulierten, dort die für viele Menschen immer enger werdenden Räume – auch in der Kultur. Im Jubiläumsjahr der Unabhängigkeitserklärung macht das Konzerthaus Dortmund amerikanische Stimmen ganz unterschiedlicher Provenienz hörbar und präsentiert neben Blockbustern auch Musik, die bislang kaum im klassischen Kanon vorkommt.
Dazu sind gleich zwei der großen Klangkörper vertreten, die als »Big Five« berühmt sind: In der kommenden Saison gastieren das Cleveland Orchestra auf seiner Abschiedstournee mit Franz Welser-Möst, der das Orchester seit einem Vierteljahrhundert prägt, sowie das Chicago Symphony Orchestra, das mit Klaus Mäkelä noch vor dessen offiziellem Antritt als Chefdirigent zu hören sein wird.
Das Konzerthaus will Musik feiern, die in den Vereinigten Staaten entstanden ist: große Klassiker wie Gershwins »Porgy and Bess«, Lieder amerikanischer Komponistinnen und Komponisten sowie neue Werke, die Musik nordamerikanischer Ureinwohner erstmals in den Konzertsaal bringen.
Die Saison beginnt mit der amerikanischen Oper schlechthin: »Porgy and Bess«. George Gershwin versuchte in den 1930er‑Jahren, der afroamerikanischen Community eine Stimme auf der großen Bühne zu geben. Mit der Forderung, die Rollen ausschließlich mit Schwarzen Sängerinnen und Sängern zu besetzen, und der Integration von Jazz, Blues und Spirituals war er Pionier – und sah sich später dennoch dem Vorwurf kultureller Aneignung und stereotypisierender Darstellung ausgesetzt. Wenn aber im Konzerthaus das Chineke! Orchestra und das Ensemble der Cape Town Opera – beide von Musikerinnen und Musikern of Color geprägt – Klassiker wie »Summertime« oder »It ain’t necessarily so« interpretieren, spricht aus dieser Musik authentische Erfahrung statt Aneignung.

Direkt mit kultureller Aneignung befasst sich hingegen das »North American Indigenous Song Book«: Anders als traditionelle indigene Musik, die mit rituellen Kontexten verbunden ist, sind diese Stücke ausdrücklich für den Konzertsaal gedacht und frei zur Verbreitung. Das 2024 von Dirigent, Pianist und Komponist Timothy Long – selbst Angehöriger der Muscogee-, Thlopthlocco- und Choctaw-Stämme – gegründete Projekt versammelt Auftragswerke preisgekrönter indigener Komponistinnen und Komponisten.
»Als Kind in Oklahoma wurde Beethovens Musik zu meinem Leitbild, und schließlich erkannte ich, wie meine indianische Kultur und die westeuropäische Kultur miteinander verschmolzen und etwas Neues hervorbrachten.« Timothy Long

Ein weiteres Augenmerk liegt auf »Emily – No prisoner be«, einem Projekt von Starsopranistin Joyce DiDonato. Es widmet sich der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson, deren rund 1800 Gedichte längst ikonisch sind und ihre Schöpferin zu einer Vorreiterin der Emanzipation machten. Für DiDonato und das genreübergreifende Ensemble Time for Three komponierte Pulitzer-Preisträger Kevin Puts einen 24-teiligen Liederzyklus, über den DiDonato sagt:
»Ich lebe für diese Art von Freiheit! ›Emily – No prisoner be‹ ist das kreativste Projekt, an dem ich je beteiligt war.« Joyce DiDonato
Das Thema Freiheit durchzieht auch das Programm der russisch-amerikanischen Sopranistin Erika Baikoff: Lieder von Amy Beach, Rebecca Clarke oder Lori Laitman kreisen um persönliche Freiheit, Samuel Barbers »Hermit Songs« thematisieren die Befreiung von weltlichen Bindungen.
Das Isidore String Quartet wiederum schlägt mit dem 4. Streichquartett des Jazzpianisten und Komponisten Billy Childs eine Brücke zwischen klassischer Kammermusik und Jazz. Die Spitze des amerikanischen Jazz verkörpern auch das Jazz at Lincoln Center Orchestra und Gregory Porter, die im Dezember 2026 nach Dortmund zurückkehren.
Zudem öffnet das Konzerthaus den Blick für mehr als Musik: Ein Podiumsgespräch mit ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen thematisiert Kulturkonflikte, Michael Stegemann erläutert in seinen »Kopfnoten« die amerikanische Musikgeschichte, und Studierende der TU Dortmund arbeiten mit Dortmunder Schulklassen zu Emily Dickinson und der Unabhängigkeitserklärung.
Text: Katharina Dröge
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- Mitwirkende
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- Siyabulela Ntlale Porgy
- Nonhlanhla Yende Bess
- Conroy Scott Crown
- Lukhanyo Moyake Sportin’ Life
- Brittany Smith Clara
- Siphamandla Moyake Serena
- Lungelwa Mdekazi Maria
- Cape Town Opera Chorus
- Chineke! Orchestra
- Enrique Mazzola Dirigent
- Malika Rosalind Dramaturgie
- Programm
- Programm
- George Gershwin »Porgy and Bess« Oper in drei Akten (konzertante Aufführung in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln)
- Mitwirkende
- Mitwirkende
- The Cleveland Orchestra
- Franz Welser-Möst Dirigent
- Golda Schultz Sopran
- Programm
- Programm
- Franz Liszt »Orpheus« Sinfonische Dichtung Nr. 4
- Richard Strauss Vier letzte Lieder
- Johannes Brahms Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73
- Mitwirkende
- Mitwirkende
- Elmar Theveßen Journalist, Autor
- Klaus Wegener Moderation
- Axel Rüger Direktor der Frick Collection, New York
- Mitwirkende
- Mitwirkende
- Timothy Long Klavier, Flöte
- Marion Newman Gesang, Trommel
- Nina Gurol Klavier
- Ensemble Reflektor
- Joosten Ellée Violine
- Marc Kopitzki Viola
- Jakob Nierenz Violoncello
- Mitwirkende
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- Gregory Porter Gesang
- Magnus Lindgren Leitung
- Mitwirkende
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- Erika Baikoff Sopran
- Roman Borisov Klavier
- Programm
- Programm
- Harold Arlen »Over the rainbow«
- Erich Wolfgang Korngold ›Schneeglöckchen‹ aus Sechs einfache Lieder op. 9
- Erich Wolfgang Korngold ›Liebesbriefchen‹ aus Sechs einfache Lieder op. 9
- Erich Wolfgang Korngold ›Sommer‹ aus Sechs einfache Lieder op. 9
- Erich Wolfgang Korngold ›Ständchen‹ aus Sechs einfache Lieder op. 9
- Kurt Weill »Youkali«
- George Gershwin ›Summertime‹ aus »Porgy and Bess« Oper in drei Akten
- Bart Howard »Fly me to the moon«
- Aaron Copland ›Simple gifts‹ aus »Old American songs I«
- Aaron Copland ›The little horses‹ aus »Old American songs II«
- Aaron Copland ›At the river‹ aus »Old American songs II«
- Will Liverman »A golden day«
- Will Liverman »Farewell«
- Amy Beach »3 Browning songs« op. 44
- Rebecca Clarke »The seal man«
- Joseph Schwantner ›Black anemones‹ aus »Two poems of Agueda Pizarro«
- Lori Laitman »Four Dickinson songs«
- Samuel Barber »Hermit songs« Zehn Lieder für Sopran und Klavier op. 29
- Mitwirkende
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- Jazz at Lincoln Center Orchestra
- Mitwirkende
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- Joyce DiDonato Mezzosopran
- Time For Three
- Nicolas Kendall Violine, Gesang
- Charles Yang Violine, Gesang
- Ranaan Meyer Kontrabass, Gesang
- Andrew Staples Bühne, Licht
- Programm
- Programm
- Kevin Puts »Emily – No prisoner be«
- Mitwirkende
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- Isidore String Quartet
- Adrian Steele Violine
- Phoenix Avalon Violine
- Devin Moore Viola
- Joshua McClendon Violoncello
- Programm
- Programm
- Joseph Haydn Streichquartett f-moll Hob. III:35
- Billy Childs Streichquartett Nr. 4
- Anton Webern Langsamer Satz für Streichquartett Es-Dur
- Felix Mendelssohn Bartholdy Streichquartett Nr. 6 f-moll op. 80
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