Opernsängerin und Kulturmanagerin Elena Fink arbeitet einen Tag bei der EDG
Es ist ein ganz normaler Morgen auf dem Betriebshof der EDG am Sunderweg nahe des Dortmunder Hafens. Wie jeden Werktag herrscht geschäftiges Treiben. Zahlreiche Müllfahrzeuge der EDG Entsorgung Dortmund GmbH stehen in Reih und Glied, bereit zur Abfahrt. Andere kommen von der ersten Schicht zurück. Mit Biomüll beladen, biegen sie in die Einfahrt ein. In einem dieser Fahrzeuge sitzt Elena Fink. Für sie ist dieser Tag alles andere als normal: Die ausgebildete Opernsängerin und Kulturmanagerin hat für acht Stunden ihren Arbeitsplatz gewechselt – vom Konzerthaus-Büro ins Führerhaus eines Müllfahrzeugs.

Elena Fink leitet die Abteilung Development am Konzerthaus Dortmund. Strategien zur Positionierung des Hauses in Gesellschaft und Wirtschaft, die Entwicklung neuer Sponsoringmaßnahmen oder auch die Betreuung von Kooperationspartnern – all das gehört zu ihren Aufgaben. Normalerweise. Doch an diesem Tag ist für die Wuppertalerin einiges anders: Sie zieht Biomülltonnen aus Kellern, befreit Bürgersteige von Laub, leert Abfallkörbe in Dortmunds Innenstadt und bekommt so einen kleinen Einblick in die Arbeit der rund 1.150 EDG-Mitarbeitenden, die für Stadtsauberkeit, Entsorgung und Winterdienst zuständig sind.
Teamwork zählt
»9829 Schritte. Und das um 10 Uhr«, stellt Elena Fink mit einem Blick auf ihre Uhr fest und lacht. Ihre erste Schicht ist beendet. Bei der EDG heißt das: Mittagspause. Seit 6 Uhr früh hat Elena Fink ein Team der Restmüllabfuhr begleitet, ist mit durch die Straßen des Kaiserviertels gefahren, hat an Türen geklingelt und Mülltonnen zur Leerung in den Lifter gestellt. Durchschnittlich werden pro Tagestour 514 Biomülltonnen und 539 Restmülltonnen geleert, erklärt Lia Staniewski, Volontärin der EDG-Pressestelle. Und Biomüll sei schwer. »Das merkt man. Gerade bei den 240-Liter-Tonnen«, weiß Elena Fink nun aus eigener Erfahrung. Aber sie weiß auch: »Teamwork zählt. Man hilft sich. Es war ein tolles Gemeinschaftsgefühl.«
Stefan Pollmann ist einer der Müllwerker, die mit der Kulturmanagerin unterwegs waren. Auch er zieht ein positives Fazit der besonderen Schicht: »Elena hat angepackt und alles gemacht, was wir auch gemacht haben.« Und bevor er zurück ins Führerhaus steigt, um erneut rauszufahren, fügt er noch scherzhaft hinzu:
»Sie kann gerne wiederkommen.«
Wichtiger Perspektivwechsel
Doch bevor es für Elena Fink mit einem Team der Straßenreinigung weitergeht, hat sie erst einmal Pause. Zeit, sich über das Projekt »Rollentausch« zu unterhalten. »Ich probiere gerne etwas Neues aus«, erklärt die Sopranistin, warum sie ihren Schreibtisch mit dem EDG-Arbeitsumfeld getauscht hat. Entstanden sei die Idee spontan, bei einem Gespräch mit Daniel Kolle, Abteilungsleiter Geschäftsführungsbüro, Kommunikation und strategische Unternehmensentwicklung bei der EDG, die das Konzerthaus Dortmund und seine Arbeit als Sponsor unterstützt. »Die EDG und das Konzerthaus versuchen beide, etwas für und in Dortmund zu bewegen«, sieht Elena Fink Gemeinsamkeiten, die über das Sponsoring hinausgehen. Hinzu kommt:
»Ein Perspektivwechsel, ein Blick in eine andere (Arbeits-)Welt ist wichtig, auch für den Austausch untereinander und den Umgang miteinander.«
Der richtige Besenstrich
Dann geht es weiter. Elena Fink greift nach den Handschuhen, die sie in der Kantine neben sich abgelegt hat. Die hat sie ebenso wie ein Paar Sicherheitsschuhe bei der Einweisung erhalten, die dem »Probetag« bei der EDG vorausgegangen ist. Ein Muss für betriebsfremde Personen, die mitfahren möchten, wie Lia Staniewski betont. Auf dem Betriebshof sind die Wagen der Straßenreinigung abfahrbereit: Mit einem neuen Team, zwei Kolonnenwagen, unter anderem ausgestattet mit Besen und Laubbläser, sowie einer großen und kleinen Kehrmaschine geht es zum Vinckeplatz. Dort angekommen, beginnen die eingespielten Arbeitsabläufe: Mit Besen und Laubbläser werden Dreck und Laub vom Bürgersteig an den Straßenrand befördert und von der Kehrmaschine aufgenommen. »Immer von den Füßen wegfegen«, bekommt Elena Fink schnell den ersten Hinweis, während sie mit dem Besen die Flächen um Altpapier-Container vom Müll befreit. Zwei weitere sollen schnell folgen: »Den Besenstiel und den Rücken gerade halten«, gibt Wolfgang Köhler weitere Tipps. Der 61-Jährige weiß, wovon er redet: Er ist seit 21 Jahren bei der Straßenreinigung tätig, zwölf Kilometer legt er in einer Schicht locker zurück, schätzt er. Zu Fuß. »Man ist den ganzen Tag draußen, das mag ich.«
17.000 Leerungen von Straßenpapierkörben

Auch die Konzerthaus-Mitarbeiterin fügt ihrem »Schritte-Konto« an diesem Tag noch einige hinzu. Im Bezirk Innenstadt West geht es von Straße zu Straße, Geh- und Radwege entlang und von Papierkorb zu Papierkorb. 4.800 Kilometer befreit die Straßenreinigung auf diese Weise wöchentlich von Schmutz, mehr als 17.000 Leerungen der Straßenpapierkörbe kommen hinzu. »Ich wusste nicht, dass das noch so viel Handarbeit ist«, stellt Elena Fink fest. Mit immer sichereren Besenstrichen befreit sie die Ecken von Unrat, an die auch die kleine Kehrmaschine nicht rankommt, später kommt dann auch der Laubbläser zum Einsatz. Anschließend geht es zurück zum Betriebshof. Um 14 Uhr ist ihre Schicht zu Ende. Elena Fink schlüpft aus der neongelben Weste, zieht Handschuhe und Sicherheitsschuhe aus. Diese Ausstattung wird sie nicht mehr brauchen, wenn sie am nächsten Tag wieder ihren Arbeitsplatz im Konzerthaus Dortmund einnimmt.
Text: Corinna Ludwig