Von Unruhe zu Hingabe

Was als Versuch begann, überschäumende Energie zu bändigen, wurde für Hélène Grimaud schnell zum Lebenselixier. Das Klavier brachte ihr nicht nur Ruhe und Zuflucht, es machte sie auch zu einer weltweit gefeierten Pianistin.

Doch Einklang findet sie nicht nur in der Musik, sondern auch in der Natur.

Hélène Grimaud
Hélène Grimaud © Mat Hennek / DG

Es ist kein Mythos, dass bei so manchem hyperaktiven Kind das Spielen eines Instruments genau das Richtige ist, damit es mal zur Ruhe findet. Hélène Grimaud ist der beste Beweis, dass das sogar zu einer Weltkarriere führen kann. Als Kind wurde bei ihr ADHS diagnostiziert, und ihren Eltern gingen allmählich die Ideen aus, wie sie der überschüssigen Energie ihrer Tochter das richtige Ventil bieten können. Alle möglichen Sportarten wurden ausprobiert, doch letztlich war Musik die Lösung. Im Alter von sieben Jahren erhielt sie ein Klavier und bekam Unterricht. »Danach war mein Leben nicht mehr dasselbe. Es hat meine Fantasie und meine Aufmerksamkeit gefesselt«, erinnert sich Grimaud. »Ich glaube, ich habe instinktiv gespürt, dass mein Leben nicht ausreichen würde, um dieses Instrument vollständig zu ergründen. Wenn ich mich einmal für etwas interessierte, konnte ich es nicht mehr loslassen.« Und sie hat nicht losgelassen. Im Gegenteil: Sie versank vollkommen in die Klavierliteratur und bewies früh großes Talent. Bereits mit 13 Jahren studierte sie als jüngste Studentin aller Zeiten am renommierten Pariser Konservatorium. Mit 18 debütierte sie mit dem Orchestre de Paris unter Daniel Barenboim – der Beginn einer mittlerweile seit fast 40 Jahren anhaltenden erfolgreichen Bühnenkarriere.

Abseits der Bühne ist die gebürtige Französin gerne für sich, liest oder schreibt selbst Bücher und findet Kraft in der Natur. Vor allem die Arbeit mit Wölfen ist für sie eine Lebensaufgabe. 1999 gründete sie das Wolf Conservation Center in New York, das sich für den Schutz der Wölfe einsetzt. Was sie an den Tieren besonders fasziniert: »Die Wölfe leben jeden Moment in seiner ganzen Fülle.« Etwas, dass Menschen im Alltag so schwerfällt, was aber mithilfe von Musik ein wenig leichter wird. Und so schließt sich für Grimaud der Kreis, in dem Wölfe und Musik ihr Leben perfekt ergänzen. Denn im Konzert strebt sie vor allem nach einem: »Es geht um diesen Moment, in dem die Zeit stillsteht.« Im Konzerthaus Dortmund wird sie das mit Gershwins einzigartigem Klavierkonzert versuchen. 

Text: Nicole Richter

    • Do 12.02.2026
    • 19.30 Uhr
    Pianistin Hélène Grimaud vor der Motorhaube eines Autos, Arme vor dem Bauch verschränkt

    Diese Veranstaltung liegt in der Vergangenheit!

    Orchesterkonzert

    Hélène Grimaud & Orchestre Philharmonique du Luxembourg

    Elim Chan dirigiert Gershwins Klavierkonzert und Prokofiews »Romeo und Julia«