»Im Konzerthaus Dortmund habe ich gelernt, auf der Bühne zu stehen«
Ian Schneider (16), Finalist bei The Voice Kids, wechselte vom Konzertsaal ins TV-Studio
Ian Schneider schaut in den Zuschauerraum. Vor sich hunderte leere Plätze, hinter sich die Chorempore. Der 16-Jährige steht nicht zum ersten Mal auf der Bühne des Konzerthaus Dortmund. Schon als Kind hat er mit der Chorakademie in dem Saal gesungen, war später Solist im Jugendkonzertchor. Er weiß, wie es ist, wenn die mehr als 1550 Sitze bis auf den letzten Platz gefüllt sind. An diesem Tag aber hat der Finalist von The Voice Kids 2025 den Saal ganz für sich – für den Dortmunder Schüler etwas Besonderes: »Das Konzerthaus ist ein Herzensort für mich. Hier hatte ich meinen ersten großen Auftritt.«
Das war im Dezember 2021. Damals stand Ian mit dem Knabenchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund auf der Bühne. Auch sein erstes Solo ist ihm in Erinnerung geblieben: »Ein Medley«, erinnert er sich und erzählt von der besonderen Akustik, die ihn berührt hat. Von dem eindrucksvollen Blick in den Saal, auch wenn er nicht viele Gesichter erkannt hat. Und von dem Applaus, der nach seinem Auftritt einsetzte. »Den Applaus, den habe ich noch immer im Ohr.« Das sei »so der Start« gewesen für ihn. Der Moment, in dem er das erste Mal darüber nachgedacht hat, sein Hobby zum Beruf zu machen. »Ich glaube, ich werde Sänger«, habe er nach diesem ersten Solo gesagt, bestätigt Ians Mutter Stefanie Schneider.
Seinem Traumberuf ist Ian im 2025 ein ganzes Stück nähergekommen: Der Schüler des Max-Planck-Gymnasiums schaffte es bei der TV-Casting-Show »The Voice Kids« bis ins Finale. Den Vorschlag, es bei der Show zu versuchen, die Jahr für Jahr Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen, machte Ians Musiklehrerin. Er bewarb sich, absolvierte zwei Scoutings und wurde zu den sogenannten Blind Auditions eingeladen, bei denen die Juroren die jungen Nachwuchssängerinnen und -sänger nicht sehen, sondern nur anhand der Stimme entscheiden, wer in die nächste Runde kommt.
Dort musste Ian lange warten: Er war als Letzter dran. Schließlich öffneten sich die Türen zur Bühne auch für ihn: Vor ihm die Reihe der Jury-Stühle, von denen ihm die Namen von Stefanie Kloß, Sängerin der Band Silbermond, Wincent Weiß, Clueso und Ayliva entgegenleuchteten. Und eingefangen von Kameras die seinen Auftritt für ein Millionenpublikum übertrugen. Nervös wirkte Ian, der »What a wonderful world« sang, dennoch nicht. Darauf angesprochen, muss er schmunzeln: »Es ist ja nur ein kleines Publikum in einem Fernsehstudio.«
Doch auch vor Tausenden Zuschauenden hat der Nachwuchs-Sänger, der sich in seiner Freizeit als Botschafter für den Kinderhospizdienst Ruhrgebiet engagiert, sein Lampenfieber im Griff: »Das Konzerthaus hat mir alles beigebracht«, erklärt er. »Hier habe ich gelernt, auf der Bühne zu stehen und ich habe mir die Aufregung etwas abgewöhnt.«
Menschen mit Musik berühren und zusammenbringen – das möchte Ian gerne erreichen. »Musik hat ja auch einfach etwas Verbindendes«, sagt er. Bei »The Voice Kids« sei es ums Gewinnen gegangen. »Hier im Konzerthaus geht es um die Verbindung durch die Musik.« Vielleicht sind es darum auch Swing-Songs, die dem Pop- und Jazz-Sänger ebenfalls gefallen. »Ich mag die Harmonie, die Melodien sind stimmig und oft haben sie eine gute Aussage«, erklärt er sein Faible für dieses Genre. »Und das will ich gerne auch in die Welt bringen.«
Um das zu erreichen, hat Ian eine Profi-Ausbildung für angehende Künstlerinnen und Künstler in Aschaffenburg gestartet und gemeinsam mit den Finalistinnen und Finalisten von »The Voice Kids« einen Song aufgenommen. Er ist mit dem Landespolizeiorchester aufgetreten und hat in der Silvestershow vom ZDF gesungen. Zurzeit arbeitet er an einem eigenen Song: »Ich baue mir zu Hause quasi mein eigenes Studio auf«, berichtet er. »Ich arbeite daran, selber durchzustarten.«
Text: Corinna Ludwig