Ein Paar, zwei Perspektiven

Clara und Robert Schumanns Klavierkonzerte erzählen von Nähe, Eigenständigkeit und künstlerischer Entfaltung.

Es ist kompliziert: Viel wurde geschrieben über die Beziehung zwischen Robert und Clara Schumann, die Claras Vater Friedrich Wieck um jeden Preis verhindern wollte. Doch das Paar setzte sich durch und heiratete 1840. Während Clara Schumann vor allem als Virtuosin bekannt ist, kennt man sie weit weniger als Komponistin. Umso spannender ist die Gegenüberstellung, die das Kammerorchester Basel mit Pianistin Alexandra Dovgan im Konzerthaus präsentiert: Im direkten Vergleich erklingen die im Abstand von zehn Jahren entstandenen Klavierkonzerte beider Schumanns. Dabei treten sowohl Berührungspunkte als auch Unterschiede deutlich hervor.

Grafische Überlagerung von Klaviertasten und farblich invertierten Noten eines Schumann-Klavierkonzerts

Clara schrieb ihr zunächst als einsätziges Klavierstück konzipiertes Konzert als Teenager – ein virtuoses Statement des Wunderkindes. Als sie es 1835 unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy uraufführte, ging die Beziehung zum neun Jahre älteren Robert bereits über eine Bekanntschaft hinaus. Ob er bei der Premiere im Saal war, ist nicht überliefert. Sicher ist: Er ermutigte sie zur Erweiterung der frühen Fassung und lobte die pianistische Brillanz und den poetischen Mittelsatz.

Als Robert Schumann 1841 sein ebenfalls in a-moll geschriebenes Klavierkonzert konzipierte, war es zunächst eine Fantasie für Klavier und Orchester, die er bis 1845 zum dreisätzigen Konzert ausarbeitete. Claras Präsenz bei dessen Uraufführung ist hingegen bestens dokumentiert, saß sie doch wieder als Solistin am Flügel.

Im Zusammenspiel dieser beiden Werke entsteht ein besonderer musikalischer Dialog. Claras Konzert erscheint als selbstbewusstes, brillantes Statement einer jungen Künstlerin, die sich mit Virtuosität und klanglicher Eigenwilligkeit positioniert. Roberts Konzert führt diesen Impuls weiter zu einer sinfonischen Erzählung, in der Klavier und Orchester gleichberechtigt agieren. So spiegeln und bereichern sich zwei künstlerische Perspektiven – verbunden durch eine gemeinsame Tonart und eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. 

Text: Katharina Dröge

    • So 01.02.2026
    • 16.00 Uhr
    Alexandra Dovgan im Porträt: Die Pianistin trägt einen beigen Rollkragenpullover und hat die Hände vor den Oberkörper gehoben

    Diese Veranstaltung liegt in der Vergangenheit!

    Orchesterkonzert

    Clara und Robert Schumann: Klavierkonzerte

    Kammerorchester Basel, Delyana Lazarova & Alexandra Dovgan