Illustration mehrerer filigraner, in Grün- und Blautönen gehaltener vierblättriger Kleeblätter auf weißem Hintergrund.

Glück zum Mitnehmen

Dirigent und Pianist Maxim Emelyanychev kehrt mit Mozart und Tschaikowsky zurück nach Dortmund. Für sein Publikum möchte er eine Atmosphäre des Friedens schaffen, und sei es nur für die Dauer eines Konzerts.

Mozart hat es ihm angetan, als Pianist wie auch als Dirigent. 2022 begann Maxim Emelyanychev mit dem Originalklang-Ensemble Il pomo d’oro damit, alle 41 Sinfonien des nimmermüden Meisters aufzunehmen. Das erste Album erschien im Februar 2023, sinnigerweise betitelt mit »The Beginning and The End«. Es enthält die erste Sinfonie, die der gerade mal achtjährige Mozart zu Papier brachte, sowie dessen letzten Beitrag zur Gattung, die berühmte »Jupiter«-Sinfonie. Doch damit nicht genug: Emelyanychev kombinierte die beiden Werke mit dem Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, das er nicht nur leitete, sondern auch als Solist am Hammerklavier interpretierte. Genau dieses Werk Mozarts präsentiert er nun bei seiner Rückkehr nach Dortmund, wo er bereits im Frühjahr dieses Jahres an der Seite der Mezzosopranistin Joyce DiDonato das Publikum begeisterte. In der zweiten Hälfte des Abends wechselt er vom Klavier ans Pult, um mit dem Mahler Chamber Orchestra die Imposanz von Tschaikowskys Fünfter Sinfonie auszuschöpfen.

Künstlerporträt von Maxim Emelyanychev, kombiniert mit dirigierender Pose und grafischen Kleeblättern.
Maxim Emelyanychev © Elena Belova

Maxim Emelyanychev wurde 1988 im russischen Nischni Nowgorod geboren und dirigierte bereits im Alter von zwölf Jahren ein Orchester. Das erschien ihm ganz selbstverständlich: »Ich wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren. Musik war immer um mich herum, wenn mein Vater im Orchester arbeitete und meine Mutter im Chor sang. So sah ich natürlich auch, wie man ein Orchester leitet, ich war oft bei den Proben dabei. Als Kind dirigierte ich irgendwie vor dem Spiegel, das war sehr lustig!« Der quirlige Russe ließ sich zunächst in seiner Heimatstadt ausbilden. Sein Studium vervollkommnete er später am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium beim großen Gennadi Roschdestwenski. Eine Mozart-Aufführung leitete Emelyanychev erstmals mit 16 Jahren. Sein damaliger Professor riet ihm, zur Vorbereitung die Aufnahme eines englischen Originalklang-Ensembles zu hören, was den jungen Mann nachhaltig prägte. Heute wird Emelyanychev als Kenner der historisch informierten Aufführungspraxis weltweit geschätzt. »Originalinstrumente helfen uns zu verstehen, wie Musik zur Zeit ihrer Entstehung geklungen haben mag«, erklärt er. »Aber wir müssen uns auch bewusst sein, dass wir für ein modernes Publikum spielen. Das muss sich auch in unseren Interpretationen spiegeln.« Noch eine zweite Sache empfahl ihm sein ehemaliger Professor: das Orchester vom Hammerklavier aus zu leiten. »Ich war damals noch jung, und hätte nie gedacht, dass man das machen kann. Aber es ist tatsächlich eine ganz andere Verbindung mit dem Orchester, als wenn man nur dirigiert. Man fühlt sich als Teil des Ganzen.« Dieses gemeinsame Erleben der Musik und das minutiöse Ausarbeiten der Partituren sorgen genau für jene knisternden Momente, die der Dirigent und Solist bei seiner Arbeit zu kreieren vermag.

In einem Video, das ihn bei den Proben mit dem Scottish Chamber Orchestra zeigt, versprüht er sichtbaren Enthusiasmus. Er lacht verschmitzt wie ein kleiner Junge, schüttelt wild die Haare, persifliert typische Bewegungen der Geige und lässt seine Hände spazieren gehen. Er sei in der beneidenswerten Lage, gleich mehrfach Musik interpretieren zu können, sagt er. Auch bei Kammerkonzerten und Recitals vermag er zu glänzen. Seine Solo-CD mit Mozart-Klaviersonaten, die beim Label Aparté erschien, wurde 2018 mit dem »Choc de Classica« und 2019 mit dem »International Classical Music Award« ausgezeichnet. Doppelt- oder sogar Dreifachbelastung? Davon spürt er nichts. Im Gegenteil: »Ich würde mich als glücklichen Menschen bezeichnen.« Eine heitere Zuversicht umgibt ihn. Nur bei einem Thema verdüstern sich seine Züge. Den Krieg in der Ukraine hat Emelyanychev von Anfang an verurteilt. »Ich finde es zutiefst erschütternd, die Szenen mitzuerleben, die wir alle täglich sehen«, erklärte er Anfang 2022 in einem Statement des Scottish Chamber Orchestra, das er 2019 als Chefdirigent übernahm. In Russland tritt er seitdem nicht mehr auf. »Ich bin Künstler, politisch nicht aktiv, und mein Leben ist das Schaffen von Musik und Kunst. Doch jetzt kann ich nicht schweigen.« Sechs Jahre zuvor veröffentlichte er zusammen mit Joyce DiDonato ein Album, das leider hochaktuell ist: »In War and Peace – Harmony through Music«. Selbstverständlich – und das weiß auch Maxim Emelyanychev – kann man mit Musik keinen einzigen Krieg aus der Welt schaffen. Nicht diesen, nicht vergangene, nicht kommende. Das Potenzial der Musik liegt anderswo. Was er sich wünscht: »Für die Dauer eines Abends eine Atmosphäre des Friedens, der Ruhe, des Glücks zu schaffen, damit das Publikum dieses Gefühl dann mit nach Hause nimmt.«

Text: Helge Birkelbach

    • So 07.09.2025
    • 18.00 Uhr
    Maxim Emelyanychev sitzt auf einem thronartigen Flechtstuhl

    Diese Veranstaltung liegt in der Vergangenheit!

    Orchesterkonzert

    Mahler Chamber Orchestra – Tschaikowsky 5. Sinfonie

    Maxim Emelyanychev spielt und dirigiert Mozarts Klavierkonzert Nr. 23