Zwischen Pauken und Trompeten
Mahler Chamber Orchestra: Close-up-Probe für Stipendiatinnen und Stipendiaten
Was ist die besondere Herausforderung für einen Konzertmeister bei Mahlers 3. Sinfonie? Wird es für die Musikerinnen und Musiker bei diesem Werk auch körperlich anstrengend? Und: Wie fühlt es sich an, die monumentale Komposition zu spielen? Antworten auf diese und weitere Fragen bekamen die Deutschlandstipendiatinnen und -stipendiaten der Wilo-Foundation, Partner-Stiftung des Konzerthaus Dortmund, aus erster Hand: Beim Orchesterkonzert des Mahler Chamber Orchestra (MCO) im Konzerthaus Dortmund saßen sie in der Probe. Und das nicht irgendwo: Sie saßen auf der Bühne des Konzertsaals, zwischen den Orchestermitgliedern und damit mitten im Geschehen.
Außergewöhnliche Perspektive
»Close up« nennt sich das Format, mit dem das 1997 gegründete Orchester mit Mitgliedern aus 25 Nationen klassische Musik zugänglich machen und Publikum und Orchestermitglieder zusammenbringen möchte: Man erlebe »die Leidenschaft, die jeder Musiker mitbringt hautnah«, heißt es dazu auf der Website des MCO. Diese intime Atmosphäre ermögliche es, »Orchestermusik auf eine neue Art und Weise zu genießen, die sich von der üblichen Perspektive eines Konzertbesuchers unterscheidet.«
Vor ihrem Konzertbesuch am Abend konnten so auch die jungen Studierenden nicht allein das Konzerthaus selbst, sondern auch das Mahler Chamber Orchestra und seine Mitglieder auf besondere Art kennenlernen und erleben. Gemeinsam mit David Höltgen und Christina Lorenz von der Wilo-Foundation betraten die Stipendiaten nach kurzer Begrüßung durch Elena Fink, Leiterin Development am Konzerthaus, und einer Vorstellung des Mahler Chamber Orchestra durch Janina Rinck (Development Manager MCO) die Bühne. Dort hatte Dirigent Riccardo Minasi die Probe unterbrochen, Sitzkissen lagen zwischen Geigen und Bratschen, Pauken und Trompeten bereit und Janina Rinck bot Oropax an: »Es wird laut«, sagte sie und lachte.
Die Harfe im Rücken
Schnell nahmen die Studierenden die ungewohnten Plätze ein: an der Seite eines Cellisten, direkt neben einer Bratschistin, mit dem Kontrabass oder der Harfe im Rücken, vor den Bläsern oder mit direktem Blick auf den Oboisten. Nur einer nahm nicht Platz, sondern verließ ihn: Cellist Phillip von Steinaecker führte durch die außergewöhnliche Probe, ließ die Kolleginnen und Kollegen von besonderen Soli oder ihrer Zeit im MCO erzählen, forderte die Stipendiatinnen und Stipendiaten auf, sich einzelne Instrumentengruppen zu wünschen und ihrem Spiel zuzuhören, bevor alle Instrumente unter dem Dirigat von Riccardo Minasi wieder zusammenfanden.
»Das war ein Erlebnis«, war das einvernehmliche Fazit zu dem maßgeschneiderten Programm im Konzerthaus Dortmund. Und ein Erlebnis war auch der Konzertabend selbst: Im ausverkauften Saal wurde das Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Riccardo Minasi mit Mitglieder der MCO Academy, der gefeierten Sängerin Marianne Crebassa sowie Chören der Chorakademie zu einem eindrucksvollen Klangkörper, der alle Facetten von Mahlers 3. Sinfonie lebendig werden ließ.
Text: Corinna Ludwig