Hier geschehen Träume und Wunder

So wie er spielt niemand Klavier: Musik-Erfinder, Jazzpianist und Sympathieträger Michael Wollny zeigt mit seinem Trio im Konzerthaus Dortmund die unbegrenzte Vielfalt der Möglichkeiten.

  • Gregor Hohenberg
    Foto: Gregor Hohenberg
  • Gregor Hohenberg
    Foto: Gregor Hohenberg
  • Gregor Hohenberg
    Foto: Gregor Hohenberg
  • Gregor Hohenberg
    Foto: Gregor Hohenberg

Träume und Wunder waren schon immer Schlüsselbegriffe im Werk des Michael Wollny – und jetzt auch noch Geister. Der vielfach international preisgekrönte Künstler hinter Alben wie »Wunderkammer«, »Traumbilder« und ganz aktuell »Ghosts« ist ein Phänomen. Das liegt auch daran, dass er so unfassbar und dabei eindeutig zwischen Jazz und Klassik, zwischen Literatur und Musik, zwischen Nick Cave, Franz Schubert und Heinrich Heine, zwischen Improvisation und Komposition vermittelt. Wollnys schönste Spielwiese ist dabei sicherlich sein Trio, ein Band-Format, das zu seinen Visionen in Sachen Harmonie und Rhythmus bestens passt, und das nun schon seit über zwanzig Jahren. Jetzt kommt der Jazzpianist mit der Besetzung von »Ghosts« ins Konzerthaus Dortmund – mit Eric Schaefer, dem ursprünglichen Schlagzeuger seines legendären Trios [em], und dem amerikanischen Bassisten Tim Lefebvre, bekannt auch von seiner Arbeit mit David Bowie.

Michael Wollny © Jörg Steinmetz

1978 im unterfränkischen Schweinfurt geboren, bekam Michael Wollny schon mit fünf Jahren Geigen- und Klavierunterricht und war eben 16, als er ans Konservatorium in Würzburg ging. Bald darauf kam er als Jungstudent an die dortige Hochschule für Musik, gründet das erste eigene Trio und außerdem Duos mit den Saxofonisten Hubert Winter und Heinz Sauer. Da ist Wollny gerade Anfang 20. Seit er im Jahr 2002 sein Trio [em] mit der Bassistin Eva Kruse und dem Schlagzeuger Eric Schaefer gründete, bekam seine Musik zunehmend weltweit Aufmerksamkeit. Sicherlich auch, weil er zudem mit dem schwedischen Starposaunisten Nils Landgren tourt, der israelischen Cembalistin Tamar Halperin die »Wunderkammer« einspielt oder gemeinsame Klavierkonzerte mit dem finnischen Kollegen Iiro Rantala und Leszek Możdżer aus Polen gibt. Er ist ein Tausendsassa, könnte man meinen, wenn er nicht bei jedem dieser Projekte hundertprozentig bei der Sache und in seinem Element wäre. Sein Markenzeichen: das Unberechenbare, die Suche nach dem bisher Ungehörten, der Mut, sich dem Moment hinzugeben. Sein Wille: sich klanglich wie kompositorisch immer neu zu erfinden. Da wundert es manchen Zuhörer, in welcher Weise sich dieser Klangzauberer zwar dem Jazz verschrieben hat, ihn aber spielt, als sei er eigentlich als Punk geboren.

»Meine innere Balance finde ich normalerweise zwischen zwei Wegen: Zum einen dem des Nachdenkens und Analysierens, des Forschens und Verstehens, zum anderen dem des Loslassens, des bewussten Kontrollverlustes, des Nichtbewertens, des einfach Im-Moment-Seins, was immer wieder auf der Bühne passiert«, erzählt Michel Wollny. Ein Konzert mit diesem Ausnahmemusiker und seinen beiden handverlesenen Kollegen ist so etwas wie die Quintessenz dieser Herangehensweise: so inspiriert wie inspirierend, überraschend und frei, traumhaft und wunderbar – von allen guten Geistern besessen.