Konzerthaus-Orgel aus Stoff

Dortmunderin bildet Instrument mit einem Quilt detailgetreu nach

Eine Person steht vor einer Wand und präsentiert zwei Quilts. Einer hängt an der Wand und zeigt die stilisierte Orgel des Konzerthaus Dortmund in Silber- und Schwarztönen auf beigefarbenem Hintergrund. Der andere Quilt liegt vor ihr und besteht aus grünen und gelben Quadraten. Darunter ist ein weiterer Quilt mit bunten Mustern zu sehen.
Kelly Frosch und einige ihrer Quilts

Für jeden, der den Saal betritt, ist sie nicht zu übersehen: An der Stirnseite, direkt oberhalb der Chorsitze hat die Orgel im Konzerthaus Dortmund ihren Platz: Von dort aus klingen die Töne der insgesamt 3565 Pfeifen durch den Saal, vom Parkett bis hin zu den Logen. »Diese Orgel ist großartig«, sagt Kelly Frosch. Die Dortmunderin besucht das Konzerthaus gerne. Das große Tasteninstrument hat es ihr dabei besonders angetan. In ihrem Wohnzimmer hängt sogar ein eigenes Exemplar der Orgel an der Wand. Ein Exemplar aus Stoff: Die 80-Jährige hat einen Quilt hergestellt, der Stoffstück für Stoffstück das Instrument abbildet – detailgetreu und detailverliebt.

Viele Umzüge, viele Neuanfänge

Die Idee zu der kunstvollen, gesteppten Patchworkdecke kam Kelly Frosch mitten in einem Orgelkonzert. An diesem Abend spielte Reinoldikantor Christian Drengk die Klais-Orgel. Nach der Pause erklang Antonín Dvořáks Sinfonie »Aus der Neuen Welt«. Kelly Frosch lauschte mit geschlossenen Augen. Für sie war es ein besonderer Moment. Die Komposition bedeutet ihr viel. »Sie ist eng mit unserer Lebensgeschichte verbunden«, erklärt die Dortmunderin. Seit 1990 lebt sie mit ihrem Mann mitten im Ruhrgebiet. Doch mussten sie oft umziehen, haben viele »neue Welten« entdeckt. Ihr Mann Peter Frosch ist Arzt, er hat an verschiedenen Kliniken in Deutschland und auch im Ausland gearbeitet – unter anderem in den USA. Für das Paar und die Familie hieß das: viele Umzüge, viele Neuanfänge.

Eine Person sitzt auf einem Sofa und hält den Quilt mit dem Orgelmotiv des Konzerthaus Dortmund auf dem Schoß. Der Quilt zeigt vertikale, silberne Streifen auf beigefarbenem Grund, die die Orgelpfeifen darstellen. An der Wand hängt ein weiterer Quilt mit floralen Kranzmustern in Rot- und Grüntönen.
Kelly Frosch und ihr Orgel-Quilt

»Als wir nach New York gegangen sind, hatten wir eine Schallplatte mit der Aufnahme von der Symphonie ›Aus der Neuen Welt‹ mit im Gepäck« erinnert sich Kelly Frosch. Die Melodie, die Musik war ein wichtiger Begleiter während der Neuanfänge – in New York, aber auch an anderen Orten, die das Zuhause der Familie wurden. Eine zweite Stütze wurde die Handarbeit. Genauer: das Quilten. Als die Familie in Heidelberg lebte, fiel Kelly Frosch ein kleiner Handarbeitsladen auf. »Die hatten viele Quilts und boten Kurse an«, blickt sie zurück. Die gelernte Bibliothekarin absolvierte alle, schloss sich Patchworkgruppen an, fertigte Quilts für Ausstellungen. »Quilten wurde mein Hobby und eine große Hilfe«, betont Kelly Frosch. Über die Handarbeit knüpfte sie in ihren »neuen Welten« Kontakte, fand Freunde, kam an.

Ein persönlicher Quilt

Die Musik, die Melodie, das Quilten und ihre Begeisterung für das Konzerthaus und seine Orgel – all das fließt in dem Orgel-Quilt zusammen. Etwa hundert Quilts habe sie bisher gemacht, schätzt die zweifache Mutter und fünffache Oma. »Doch dieser ist ein sehr persönlicher Quilt«, sagt Kelly Frosch und blickt zu »ihrer« Orgel an der Wand. Ein Meter breit ist die Stoffvariante und 1,20 Meter hoch. Aus fünf bis sechs Metern unterschiedlichen Stoffen fügte Kelly Frosch das Abbild der Orgel zusammen – entsprechend mehrerer Fotos, die sie vom Konzerthaus als Vorlage bekam. 

Nahaufnahme des Orgel-Quilts: Zu sehen sind strukturierte, silberne Stoffstreifen, die wie Orgelpfeifen angeordnet sind, auf einem beigefarbenen Hintergrund. Die Stoffe haben eine glänzende, leicht gerippte Oberfläche.

»Ich habe alle möglichen Grauschattierungen gekauft, um die silberne Farbe der Orgelpfeifen zu treffen«, so Frosch. Ein bis zwei Mal die Woche arbeitet sie zwei bis drei Stunden an dem Quilt, insgesamt fünf Monate lang. »Zwischendurch habe ich schon mal gedacht: Den beende ich nicht«, verrät sie. Der silberne Stoff war sehr dehnbar, gerade Nähte daher eine Herausforderung. »Aber ich habe so lange daran gesessen, bis es gepasst hat«, erklärt die gelernte Bibliothekarin und lächelt: »Genauigkeit war ja auch Teil meines Berufs.« Mittlerweile hat der Quilt seinen festen Platz in ihrem Dortmunder Zuhause und hängt direkt gegenüber vom Esstisch. »Auch wenn ich nicht im Konzerthaus bin, habe ich die Orgel immer vor Augen«, freut sich Kelly Frosch. Und wer weiß: »Vielleicht wird der Quilt ja auch mal im Konzerthaus gezeigt.«

Text: Corinna Ludwig