Timothy Ridout in elegantem Anzug, vor einem bunten Bücherregal stehend und seine Bratsche betrachtend.
Timothy Ridout © Kaupo Kikkas

Zwischen Neugier und Tiefe

Er gilt als einer der charismatischsten Bratschisten seiner Generation – und als jemand, der Musik nicht nur spielt, sondern lebt: Timothy Ridout ist zum zweiten Mal im Konzerthaus Dortmund zu Gast und bringt ein facettenreiches Programm mit, das ihn als musikalischen Entdecker und feinsinnigen Gestalter zeigt. Gemeinsam mit Ting-Ru Lai (Viola), Tim Posner (Violoncello) und Louis Schwizgebel (Klavier) widmet er sich Werken von Hummel, Beethoven, Bridge und Brahms – Musik voller Farben, Gegensätze und Seele.

Ridouts musikalischer Weg begann früh – zunächst mit der Stimme. Schon als Kind sang er begeistert in Chören und Musicals, bis sich mit etwa zwölf Jahren die Bratsche als sein zentrales Ausdrucksmittel etablierte. »Ich wollte einfach Musik machen – und als meine Stimme sich veränderte, wurde die Bratsche zu meiner neuen Stimme«, erzählt er. Seither hat ihn das Instrument nicht mehr losgelassen.

Trotz seines heutigen Erfolgs empfindet er sich selbst als »Spätstarter«. Umso bemerkenswerter ist sein Werdegang, der ihn über die Royal Academy of Music nach Kronberg führte, wo er prägenden Persönlichkeiten wie Sir Simon Rattle und Gidon Kremer begegnete. »Dort habe ich verstanden, dass auch die größten Musiker einfach Menschen sind – mit Tiefe, Charisma und Ecken«, so Ridout. 

  • Timothy Ridout vor industriellem Hintergrund, lächelnd im Profil © Jiyang Chen
    Timothy Ridout © Jiyang Chen
  • Timothy Ridout vor industriellem Hintergrund, lächelnd im Profil © Jiyang Chen
    Timothy Ridout © Jiyang Chen
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  • Der Bratscher Timothy Ridout steht lächelnd im Bühnenhinterraum mit seiner Bratsche in der Hand. © Sonja Werner
    Timothy Ridout © Sonja Werner
  • Der Bratscher Timothy Ridout spielt im Licht eine Bratsche, von hinten fotografiert. © Sonja Werner
    Timothy Ridout © Sonja Werner
  • Der Bratscher Timothy Ridout steht lächelnd im Konzerthaus Dortmund mit seiner Bratsche in der Hand. © Sonja Werner
    Timothy Ridout © Sonja Werner

Sein Blick auf Musik ist neugierig und offen. Klassik steht für ihn nicht im Elfenbeinturm – im Gegenteil: Ridout wünscht sich mehr musikalische Bildung und Zugänge für alle, unabhängig von Herkunft oder Vorerfahrung. »Wie bei Sushi oder Wein – man muss manchmal erst lernen, etwas zu lieben. Aber wenn der Funke überspringt, kann Musik ein Leben verändern.« Diese Haltung verbindet ihn eng mit dem Geist des Konzerthaus Dortmund: Musik soll berühren, herausfordern und verbinden – und darf dabei auch neue Wege gehen. 

Das Programm, das Ridout für diesen Abend zusammengestellt hat, ist ebenso ungewöhnlich wie vielseitig: Werke von Hummel, Beethoven, Bridge und Brahms spannen den Bogen von klassischer Eleganz über romantische Tiefe bis hin zu expressiver Melancholie. Besonders reizvoll sind die eher selten zu hörenden Besetzungen mit zwei Bratschen oder Bratsche statt Klarinette – Klangfarben, die Ridout und seine Partnerin und Partner mit großer Sensibilität zum Leuchten bringen. 

Dass Ridout im Alltag gerne auch mal Musik auslässt – und stattdessen Podcasts oder Hörbücher hört –, spricht für seine reflektierte Art, mit Klang umzugehen. »Wenn wir ständig Musik hören, verlieren wir vielleicht das Staunen. Ich brauche manchmal Stille, um die Musik wieder ganz hören zu können.« 

    • Fr 19.09.2025
    • 19.00 Uhr
    Timothy Ridout vor industriellem Hintergrund, lächelnd im Profil

    Diese Veranstaltung liegt in der Vergangenheit!

    Kammermusik

    Junge Wilde – Timothy Ridout

    Der Bratschist in verschiedenen Triobesetzungen