Donnerstag
28
Apr
2011

Im Zeichen der Lyra

Joja Wendt

Sie gilt als die Urmutter aller Saiteninstrumente, sie ist die Namensgeberin eines Sternbilds, aus den zu ihren Klängen gesungenen Versen wurde später die »Lyrik« – und auch das Pedalsystem eines Konzertflügels ist nach ihr benannt: Die Lyra ist ein Symbol für die Musik und ihre lange Geschichte, und damit für Joja Wendt ein perfektes Sinnbild seines neuen Projekts. Bislang waren es meist um ein bestimmtes Thema kreisende Konzerte, mit denen der erfolgreiche Pianist die Konzertsäle zwischen München und Flensburg füllte; Sehr schwer zu spielen, Mit 88 Tasten um die Welt oder Das Beste am Klavier hießen die Programme, in denen er Spielkunst und kurzweilige Konversation zur Freude eines großen Publikums miteinander verband. Doch nun wagt sich Joja Wendt erstmals an die Vertonung einer Geschichte: Im Zeichen der Lyra – Eine musikalische Geschichte ist eine Parabel aus der Welt der Musik.

 

Ein Kind verliert die Lust am Klavierspiel, noch bevor sie überhaupt richtig entfacht wurde: Das ständige Notenpauken, die immer gleichen Übungen – Schule allein ist schließlich schon anstrengend genug, und jetzt auch noch der Druck, ein Instrument lernen zu müssen! Als es dem Großvater sein Leid klagt, antwortet er dem gebannt lauschenden Kind mit einer Geschichte: Er erzählt von der Orgel, der Königin der Instrumente, die in ihrem alten, versteinerten Turm residiert und über die anderen Instrumente herrscht. Sie ist eine gestrenge Hüterin der Regeln, Rangordnungen und bibelgleichen Partituren, musikalische Freiheit gilt ihr als Blasphemie. Und so kommt es, wie es kommen muss: Als das Klavier eines Tages nicht mehr an sich halten kann und zu improvisieren beginnt, wird es aus der Instrumentenfamilie verstoßen und kurzerhand von den Orgelpfeifen aus dem Turm geblasen – um unversehens, krachend, mitten auf Joja Wendts Konzertbühne zu landen.

 

Aus diesem Entrée entwickelt sich eine virtuose konzertante Reise quer durch alle Stile und Epochen. Es beginnt mit dem magischen Seikilos-Epitaph, der ältesten bekannten Noteninschrift, und spannt einen Bogen über die berühmtesten Klassiker der Musikliteratur, wie immer sehr speziell von Joja Wendt interpretiert. Auf seiner Suche nach Brüdern im Geiste begegnet das Klavier zahlreichen anderen Instrumenten. Humorvoll, verspielt und unterstützt von einem Multiinstrumentalisten spinnt Wendt die musikalischen Dialoge, lässt verschiedene Farben und Charaktere erklingen, während sich immer weitere Instrumente verbünden, um den starren und per 3D-Animation drohend inmitten der Bühne thronenden Turm zum Einsturz zu bringen.

 

Für Joja Wendt ist Im Zeichen der Lyra fast zu einem Lebensprojekt geworden: »Je länger ich an der Geschichte und ihrer Umsetzung gearbeitet habe, desto mehr habe ich realisiert: Das ist meine eigene Geschichte!«, erzählt der 46jährige Hamburger. »Ich bin permanent von dem Pfad abgewichen, den ich eigentlich musikalisch hätte gehen sollen, habe mich zwischen alle Stühle gesetzt und bin dafür auch immer wieder irgendwo rausgeflogen: Den Klassikern war ich zu populär, den Jazzern zu klassisch, und für die Boogie-Woogie-Szene war ich mit meinem Interesse an den anderen beiden Spielarten automatisch disqualifiziert«, lacht er. »Aber ich habe auch viel Solidarität erfahren, nicht zuletzt durch den Erfolg beim Publikum. Und ich habe mich auch nie gegrämt – im Gegenteil: Ich fühle mich pudelwohl mit meiner Musik!«

Und so ist »Im Zeichen der Lyra« nicht nur ein leidenschaftliches Plädoyer für Musikgrenzen sprengende Ideen: Der Großvater erzählt seinem Enkelkind die Geschichte auch, um ihm zu zeigen, wie wichtig es ist, seinen eigenen Weg zu finden. »Heraklit wird die Aussage zugeschrieben: ›Erziehen heißt, ein Licht anzuzünden und nicht, ein Fass zu füllen.‹ Und da ist so viel Wahrheit dran. Auch bildlich«, so Wendt: »Man muss für etwas innerlich brennen, dann ist es richtig für einen selbst – egal, was andere sagen.«

 

Im Zeichen der Lyra ist, wie alle Joja Wendt Konzerte bisher, ein generationsübergreifendes Programm. »Es ist ein unterhaltsames Konzert mit einer spannenden Geschichte – und das funktioniert gemeinhin ohne Altersbeschränkung. Aber im Gegensatz zu den meisten Klavierkonzerten ist Im Zeichen der Lyra eben ganz bewusst auch für Kinder, denn mit ihnen fängt alles an«, betont Wendt – um eine Denkpause später lachend zu ergänzen: »Ich kenne allerdings auch einige Leute, die sich mit 60 Jahren das erste Mal hinter ein Klavier gesetzt haben. Es ist nie zu spät, sich selbst in der Musik zu finden – und dabei eine Menge Spaß zu haben.«

 

Mi, 04.05.201, 20.00 Uhr

Joja Wendt – Im Zeichen der Lyra

 

Einzelpreise in Euro

39,00 | 35,00 | 29,00 | 24,00 | 14,00
zzgl. 10% Service- und 1,50 Euro Systemgebühr; zzgl. 1,00 Euro Medienpauschale.

 

Infos & Tickets:       T 0231 - 22 696 - 200

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