Freitag
07
Okt
2011

Sleeping Beauty

Isabelle Faust spielt sämtliche Sonaten und Partiten für Violine solo von Bach

Mit Johann Sebastian Bachs Sonaten und Partiten stellt Isabelle Faust im Konzerthaus große und bekannte Meisterwerke vor, bei denen schon das Notenmanuskript kalligrafische Schönheit und Perfektion ausstrahlt. Diese Kompositionen sind exemplarisch für alles, was die Technik betrifft und fordern die Musiker zudem heraus, die Vielstimmigkeit des Werks alleine auf dem kleinen Instrument herausarbeiten. Da gibt es keinen Austausch mit einem musikalischen Partner, nur ein »In-sich-hinein-Hören«, wie es die Geigerin nennt. Die Dornröschen-Stradivari war auch bei der CD-Aufnahme dieses Programms dabei, allerdings in Kombination mit einem Barockbogen. Er lässt die Akkorde, die Bach von dem Melodieinstrument Geige fordert, transparenter werden. Isabelle Faust erweckt so einen schnörkellos reinen Bach zum Leben.  

 

150 Jahre lang war die Stradivari in einem Keller verschollen, bevor sie wiederentdeckt wurde. »Sleeping Beauty« nannte sie deshalb kurz nach diesem Fund ein Londoner Experte. Isabelle Faust war eine der ersten Geigerinnen, die diese Dornröschen-Stradivari erwecken durften. »Es war auch wirklich am Anfang das Gefühl, dass da ein schlafender Schatz unter meinen Händen liegt«, sagt Faust. Selbst eine Stradivari ist, wenn sie so lange Zeit nicht gespielt wurde, nicht ganz auf der Klanghöhe. »Es hat einige Jahre gedauert, um sie richtig wach zu küssen.« Ganz allmählich öffnete sich die Geige, die Isabelle Faust inzwischen schon 15 Jahre spielt. Und auch die Geigerin machte umsichtig einen Schritt nach dem anderen auf ihrem Karriereweg. Zwar ist sie schon lange dabei, feierte einen wichtigen Wettbewerbserfolg mit 15 Jahren und spielte unter Menuhin und Abbado. Dann aber nahm sie sich Zeit und entschied sich nach dem Abitur bewusst für die Musik als Beruf. Sie empfindet es als Glück, dass sich kein großes Label oder eine Agentur auf sie gestürzt hat, um sie als Geigenfräulein zu vermarkten: »Die Leute müssen bei mir schon richtig hinhören, was aus der Geige kommt.«