Mittwoch
06
Jun
2012

Göttin der Nacht

Der Dortmunder Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen präsentiert sein jüngstes Orchesterwerk

Den ganzen Tag befand sich Nyx in einem düsteren Haus in den Tiefen der Unterwelt und kümmerte sich um ihre fünfzehn dunklen, temperamentvollen Kinder, unter ihnen Hypnos (der Schlaf) und Thanatos (der Tod). Abends verließ sie schließlich ihr Haus, um ihre nächtliche Reise anzutreten. Auf ihrem Weg traf sie auf ihre Tochter Hemera (den Tag), die sich auf dem Heimweg befand, und sie grüßten sich freundlich. So berichtetder Dichter Hesiod in einer der Hauptquellen der griechischen Mythologie von Nyx, der Göttin der Nacht.

 

Die dunkle Anziehungskraft, die von dieser schattenhaften Gestalt ausgeht, faszinierte auch den Dortmunder Exklusivkünstler Esa-Pekka Salonen. Besonders der Umstand, dass wenig über ihre Charaktereigenschaften bekannt ist, machte Nyx zur Inspiration für sein jüngstes Orchesterwerk. In seiner Komposition umgeht er eine musikalisch genaue Beschreibung ihrer Charakterzüge. Im Gegenteil: Die Verbindung zur Göttin der Nacht zeigt sich in der immerzu wechselnden Stimmung der Musik und dem kaum fassbaren Charakter des musikalischen Ausdrucks.

 

Salonen ist bekannt für seine einzigartigen Projekte und Konzerte. Zu seinem letzten Konzert dieser Spielzeit in Dortmund hat er ein besonderes Programm im Gepäck: Neben seinem Orchesterwerk „Nyx“, werden Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester und Brahms’ Klavierkonzert Nr. 2 gespielt. Die außergewöhnliche Programmauswahl findet ihren gemeinsamen Nenner in Salonen: Er studierte nicht nur Dirigieren und Komposition, sondern auch Horn. Für das Klavierkonzert von Brahms, ist Yefim Bronfman als Solist eingeladen, ein musikalischer Weggefährte Salonens, für den er eigens ein Klavierkonzert komponierte. Eine weitere Verknüpfung der Werke zeigt sich in ihrem romantischen Ausdruck. Obwohl Salonens Werk dem 21. Jahrhundert entspringt, enthält es spätromantische Anklänge, die an Schumann oder Brahms erinnern