Freitag
02
Nov
2018

Klingende Zeitzeugen: »Violinen der Hoffnung«

16 Violinen von Holocaust-Opfern erzählen im KONZERTHAUS DORTMUND ergreifende Geschichten.

Rund 70 Geigen, deren Besitzer im Holocaust verfolgt wurden, hat der israelische Geigenbauer Amnon Weinstein mit seinem Sohn Avshalom restauriert und wieder zum Klingen gebracht. Vom 12. bis zum 16. November 2018, 80 Jahre nach der Reichspogromnacht, werden 16 dieser Instrumente im Foyer des KONZERTHAUS DORTMUND ausgestellt und die Geschichten der Instrumente und ihrer Besitzer erzählt.

Es war in den 1980er-Jahren, als der Geigenbauer Amnon Weinstein – damals ein junger Mann – in seiner Werkstatt in Tel Aviv den Deckel einer Violine öffnete, die er restaurieren wollte, und ihm dabei dunkle Asche entgegen rieselte. Er forschte nach und fand heraus: Der einstige Besitzer hatte die Geige im Männerorchester des Vernichtungslager Auschwitz gespielt – von dort stammte also auch die Asche. Für Weinstein war es ein Wendepunkt in seinem Leben. Er begann, Violinen aus Lagern, Ghettos und von Partisanen zu sammeln und zu restaurieren; sein ältester Sohn Avshalom hilft ihm mittlerweile dabei. Als »Violinen der Hoffnung« schicken sie die Instrumente für Ausstellungen und Konzerte um die ganze Welt. Es sind klingende Zeitzeugen, die von den Gräueltaten in den Konzentrations- und Internierungslagern Auschwitz, Buchenwald oder Dachau erzählen. Heute umfasst die Sammlung der Weinsteins in dritter Generation über 70 Instrumente.

In Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund kommt das Projekt jetzt nach Dortmund. Begleitet wird es von einem dreitägigen Schulprogramm. An zwei Abenden, dem 13. und 14. November, um jeweils 20.00 Uhr, werden einige der Violinen außerdem im 3. Philharmonischen Konzert der Dortmunder Philharmoniker zu hören sein. Auf dem Programm steht unter anderem das Scherzo triste von Pavel Haas, einem jüdischen Komponisten, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Am 15. November, um 18.00 Uhr erzählt Amnon Weinstein bei seinem Vortrag »Klingende Zeitzeugen« im Orchesterzentrum|NRW von seinem Lebenswerk und lässt die Besucher mit seinem umfangreichen Wissen und Verständnis tief in die bewegenden Geschichten der Instrumente und ehemaligen Besitzer eintauchen. Studierende des Orchesterzentrum|NRW werden die Violinen dabei zum Klingen bringen.

Am 12. November wird die Ausstellung im Foyer des KONZERTHAUS DORTMUND durch Amnon Weinstein eröffnet, ab 12.00 Uhr ist sie für alle Besucher und Besucherinnen bei freiem Eintritt zugänglich.