Donnerstag
23
Jan
2020

Eine Zeitinsel für den Komponisten György Kurtág

Das Konzerthaus ehrt mit György Kurtág einen der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten fünf Tage lang mit einem Zeitinsel-Festival und will das Publikum mit Neuem begeistern, aber auch Kernwerke präsentieren: von seinem musikalischen Tagebuch und Schlüsselwerk »Jatékok« bis zu seinen wenigen großformatigeren Werken. Nur ein kleiner Einblick in den Kopf von Kurtág, der sehr wohl bei der Arbeit, aber ungern über seine Arbeit viele Worte verliert. Dreimal ist Intendant Raphael von Hoensbroech in den vergangenen anderthalb Jahren in Budapest gewesen, um György Kurtág zu treffen. Vor kurzem ist dessen Frau Márta gestorben, mit der er über 70 Jahre verheiratet war. Sie war sein Gedächtnis, Sprachrohr, Muse, Kollegin und Interpretin. Márta Kurtág war auch Györgys Gegenpol bei Proben, in denen er allzu perfektionistisch wurde. Denn seine fordernde Probenarbeit ist legendär: Manche Interpreten kommen lange nicht über das Einatmen hinaus, jeder Ton wird modelliert, ein »Ja, fast« ist schon ein Ritterschlag. Auch seine Musik fordert von den Musikern volle geistige Präsenz, denn für ihn ist stets der Weg von einem Ton zum nächsten Ton entscheidend, fast entscheidender als der eigentliche Ton selbst.
 
Im Februar kann man für ein paar Tage in den Kosmos Kurtág eintauchen. Ein zentrales Konzert ist die Werkstatt mit dem Bariton Benjamin Appl, der bei zweien der Besuche mit dabei war und nun weiß, was es heißt, mit Kurtág zu proben. Ein professionelles Filmteam hat den gesamten Prozess aufgezeichnet und festgehalten, wie der Komponist seine Vorstellungen in die nächste Generation trägt – ein zentrales Anliegen der gesamten Zeitinsel. So hat das Publikum am 3. Februar Gelegenheit, Kurtág in seinem Element zu erleben und durch Videoeinspieler an den Proben teilzuhaben. Benjamin Appl und Raphael von Hoensbroech werden in diesem Gesprächskonzert versuchen, dem Menschen Kurtág und seiner Musik nahezukommen. Darüber hinaus haben einige der wichtigsten Künstler für Neue Musik zugesagt, diese Tage musikalisch zu gestalten, neben Pierre-Laurent Aimard auch das Arditti Quartet und das WDR Sinfonieorchester.
 
Kurtágs einzigartiger Personalstil birgt die Essenz der Komponisten, die ihm vorausgegangen sind, aber auch seine eigene Biografie. Alles, was ihm und seiner Márta wichtig ist, habe er »hineingeschmuggelt«. Mehr über sein Wirken erfährt man in einer Ausstellung im Konzerthaus mit Zitaten, Zeichnungen und Manuskripten von György Kurtág.
 
Die Zeitinsel Kurtág wird von der Kunststiftung NRW gefördert.