Kein Ende in Sicht

Der Dirigent und Pianist Lahav Shani ist neuer Konzerthaus-Exklusivkünstler.

  • Sonja Werner
    Foto: Sonja Werner
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  • Hans van der Woerd
    Foto: Hans van der Woerd

Manchmal ist das Alter entscheidend: bei einem Stück Käse beispielsweise oder einem guten Glas Wein. Gutes Dirigieren hingegen ist sicherlich keine Frage des Alters, schaut man sich Lahav Shani an. 1989 in Tel Aviv geboren, ist seine Karriere in bestem Schwung: Ob Wien, Berlin, London, Boston oder Peking – als einer der gefragtesten und spannendsten jungen Dirigenten mit einer erstaunlichen künstlerischen Reife steht ihm die Klassikwelt offen. Umso größer ist die Freude, dass der junge Israeli in den nächsten drei Saisons häufiger ins Konzerthaus kommt, denn Lahav Shani ist neuer Dortmunder Exklusivkünstler!

»In einem Orchester ist die Zusammenarbeit zwischen Menschen ungeachtet ihrer Herkunft das wichtigste Element. […] Am Ende geht es darum, dass 100 Leute auf der Bühne das Gleiche denken. Das ist ein zutiefst menschliches Gefühl.« Lahav Shani

Betrachtet man Shanis Vita, stellt sich schnell der Eindruck ein: Dieser Künstler ist nicht zu stoppen; mit 16 Jahren Debüt als Pianist beim altehrwürdigen Israel Philharmonic Orchestra, 2013 Gewinner beim renommierten »Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb«, seit 2017 regelmäßige Engagements bei Daniel Barenboims Staatskapelle Berlin und Erster Gastdirigent der Wiener Symphoniker, seit 2018 Chefdirigent des Rotterdam Philharmonic Orchestra, seit 2020 Künstlerischer Leiter des Israel Philharmonic Orchestra.

Trotz allen Erfolgs bleibt Lahav Shani dennoch bescheiden und unprätentiös in seinem Auftreten – und das, obwohl die Ernennungen in Rotterdam und Israel gleich in mehrfacher Hinsicht historisch sind: In Israel löst Lahav Shani als jüngster Chefdirigent nicht nur Zubin Mehta ab, der über 40 Jahre die Position bekleidete, er ist auch erst der zweite Musikdirektor überhaupt, den das 1936 gegründete Orchester ernannte. Mit gerade einmal 29 Jahren geht Lahav Shani auch in Rotterdam als jüngster Chefdirigent in die Geschichte des Orchesters ein und folgt damit auf so große Namen wie Valery Gergiev und Yannick Nézet-Séguin. Schon bei der ersten Probe mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra soll es zwischen Lahav Shani und den niederländischen Orchestermusikerinnen und -musikern gefunkt haben. »Es ist so einfach, mit den Musikern zu kommunizieren, sie reagieren auf kleinste Zeichen. Sie gehen gern Risiken ein, so wie ich: Spiel nie auf Sicherheit, geh immer an Grenzen. Als Dirigent kann man sich nichts Besseres wünschen«, schwärmt Lahav Shani.

Apropos Risiken: Lahav Shani sprang nicht nur äußerst kurzfristig beim traditionellen Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker für den erkrankten Kirill Petrenko ein, er ist auch häufig ohne Orchesterpartitur und Taktstock im Konzert zu sehen. Ein Anzeichen von jugendlichem Leichtsinn? Nein, Lahav Shani weiß genau, was er tut. Vielmehr erlaubt er sich eine Flexibilität und lässt die Musik im tatsächlichen Moment des Konzerts entstehen. Mit ökonomischen Hand- und Körperbewegungen formt er ein gemeinsames Gefühl für die Musik, einen kollektiven Geist mit dem ganzen Orchester. Dabei ist seine Technik so mitreißend, dass er bislang Ungehörtes aus den Klangkörpern herausholt und sie zu Höchstleistungen bringt.

»Dirigieren bedeutet zuerst Kommunikation. Ich erreiche die besten Ergebnisse nur durch Überzeugung, nicht dadurch, dass ich alles ansage. Das ist genau, wie in der Kammermusik, man muss sich die Vorschläge der Kollegen anhören, und wenn man anderer Meinung ist, dann muss man insistieren. Aber man muss immer begründen, warum.« Lahav Shani

Sechsmal ist Lahav Shani, der von seinem Mentor Daniel Barenboim als »Rarität« betitelt wurde, in seiner ersten Saison als Dortmunder Exklusivkünstler zu erleben – und zwar als Dirigent ebenso wie als Pianist. Bei seinem ersten Konzert widmet er sich zusammen mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra dem sinfonischen Erstling von Johannes Brahms. An zwei weiteren Konzertabenden trifft Lahav Shani auf die Grande Dame der Klavierkunst Martha Argerich, zunächst mit dem Orchestre de Paris und Beethovens zweitem Klavierkonzert und später kammermusikalisch als Klavierduo. An einem weiteren Abend bittet Lahav Shani Renaud Capuçon und Kian Soltani zum Zusammenspiel, mit denen er bereits 2019 Klaviertrios von Tschaikowsky und Dvořák eingespielt hat. Zu Gast im Salon von Intendant Raphael von Hoensbroech spielt Lahav Shani zusammen mit seinem Bruder Rom israelische Stücke, Jazz und Klassik und gewährt einen Einblick in die Musik seiner Kindheit. Das Finale seines ersten Residenzjahres bestreitet er erneut mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra und Mahlers eindrucksvoller »Auferstehungssinfonie« – ob mit oder ohne Partitur bleibt eine Überraschung. Freuen können wir uns in jedem Fall auf Dortmunds neuen instinktiven Exklusivkünstler!

    • So 02.10.2022
    • 14.30 Uhr

    Kammermusik

    Lahav Shani – Auftakt

    Exklusivkünstler

    Kammermusikalischer Beginn der dreijährigen Residenz

    • So 02.10.2022
    • 18.00 Uhr

    Orchesterkonzert

    Lahav Shani & Hilary Hahn

    Exklusivkünstler

    • Sa 17.12.2022
    • 20.00 Uhr

    Orchesterkonzert

    Martha Argerich, Lahav Shani & Orchestre de Paris

    Exklusivkünstler

    Beethoven Klavierkonzert und Tschaikowsky Sinfonie Nr. 5

    • Sa 22.04.2023
    • 16.00 Uhr

    Kammermusik

    Lahav Shani, Renaud Capuçon & Kian Soltani

    Der Exklusivkünstler spielt Klaviertrios von Mendelssohn und Tschaikowsky

    • Sa 22.04.2023
    • 20.00 Uhr

    Vortrag / Gespräch

    Salon – Im Gespräch mit Lahav Shani

    Exklusivkünstler

    • So 23.04.2023
    • 18.00 Uhr

    Klavierabend

    Lahav Shani & Martha Argerich

    Exklusivkünstler

    • Sa 13.05.2023
    • 19.00 Uhr

    Orchesterkonzert

    Lahav Shani – Mahler Auferstehungssinfonie