Donnerstag
12
Dez
2013

Konzert mit zwei Jubiläen

125 Jahre Concertgebouworkest – 100. Geburtstag von Benjamin Britten

Wenn man das laut »Gramophone Magazine« beste Orchester der Welt auf die Bühne holt, muss man über die musikalische Qualität nicht viele Worte verlieren. Wenn außerdem einer der meist gefragten Dirigenten der jüngeren Generation am Pult steht, ist die Idealkonstellation perfekt. So darf man auf das Konzert des Koniklijk Concertgebouworkest Amsterdam unter der Leitung von Andris Nelsons gespannt sein.

 

Auch was die Werke betrifft, gibt es an diesem Abend einiges zu entdecken: Claude Debussys Spätwerk »Six épigraphes antiques« – ursprünglich für zwei Klaviere komponiert – erklingt hier in einer Orchesterfassung.  Mit dem letzten Werk Sergej Rachmaninows, seinen Sinfonischen Tänzen, rahmt es Benjamin Brittens Orchesterliederzyklus »Les Illuminations« ein. Diesen Zyklus bezeichnet der Solist des Abends und ausgesprochene Britten-Experte, der Tenor Ian Bostridge, als gutes Einstiegswerk in das Œuvre des vor 100 Jahren geborenen Briten, da es leicht zugänglich und packend ist.

 

Ian Bostridge, ein Arbeiterkind, dessen Eltern beide kein Instrument spielten und sich eher für Sport interessierten, verliebte sich als 14-Jähriger ins Kunstlied, nachdem sein Deutschlehrer in einer der allerersten Stunden Goethes »Erlkönig« in Schuberts Vertonung mit Dietrich Fischer-Dieskau vorspielte. So legte er bei Bostridge sowohl den Grundstein zu seiner Liebe zur deutschen Sprache als auch zum Lied. Zwar sang Bostridge zu dieser Zeit bereits in Schul- und Kirchenchören und absolvierte auch das eine oder andere Solo, doch bis zu seiner Entscheidung für eine professionelle Gesangskarriere sollten noch einmal 15 Jahre vergehen. Erst nachdem er einen Doktortitel als Historiker erworben hatte, stellte er endgültig die Weichen für eine musikalische Laufbahn, die dann rasant an Fahrt gewann – ohne dass er je eine Musikhochschule besucht oder ein Instrument gelernt hätte. Nun steht er mit Weltklasseorchestern auf der Bühne – am Samstag mit dem Concertgebouworkest in Dortmund.