Montag
13
Jan
2014

Jäger des verlorenen Schatzes

Die Zeitinsel Antonio Caldara präsentiert nie zuvor gehörte Barockschätze

Mithilfe des italienischen Barockexperten Andrea Marcon wird ein wahrer Musikschatz aus den dunklen Archiven innerhalb einer dreitägigen Zeitinsel im Konzerthaus Dortmund ans Licht gebracht: das umfassende Oeuvre des venezianischen Komponisten Antonio Caldara, dessen Stern nach seinem Tod zu Unrecht sank.

 

Nicht weniger als 78 Opern, 38 Oratorien, über 150 Kantaten und annähernd 3000 Instrumentalwerke hat der Zeitgenosse Vivaldis und Händels komponiert und fordert daher vom musikalischen Gesamtleiter Andrea Marcon bei der Programmauswahl für die Zeitinsel sowohl Fachkenntnis wie unerschöpfliche Geduld. So schwer die Wahl auch fiel – Marcon hat ein Programm konzipiert, das in drei Abenden einen repräsentativen Querschnitt von Caldaras Schaffen zeigt. Den Anfang macht ein Arienabend mit ausgewählten Preziosen aus den 78 Opern und 38 Oratorien Caldaras, die nicht nur im vokalen Ausdruck die gesamte Spannbreite von virtuosen Showstücken für die besten Sänger seiner Epoche bis hin zu anrührenden Lamenti abdecken, sondern insbesondere auch die Instrumentalisten herausfordern. Im Zentrum der Zeitinsel folgt dann ein reiner Instrumentalabend, der Antonio Caldara seinem deutlich bekannteren Zeitgenossen Antonio Vivaldi gegenüberstellt. So treffen an diesem Abend Vivaldis berühmte »Vier Jahreszeiten« auf Caldaras dicht gewobenes Concerto da Camera für Solo-Violine und -Cello. Die Solopartien übernehmen der junge Cellist Nicolas Altstaedt und der Geiger Giuliano Carmignola. Zum im wahrsten Wortsinne krönenden Abschluss der Zeitinsel ist dann eine echte Wiederentdeckung zu erleben: das Opern-Oratorium »La Concordia deʼ Pianeti«, das seit seiner Uraufführung 1723 nicht mehr erklungen ist. Caldara komponierte dieses Bühnenwerk anlässlich des Namenstages der Kaiserin Elisabeth Christine, der auf einer großen Reise des kaiserlichen Hofstaats zur Krönungsfeier Karl VI. zum König von Böhmen begangen wurde. Knapp 300 Jahre später verhelfen heutige »Virtuosi del canto« wie die Sopranistin Anna Prohaska, die Altistin Delphine Galou oder die Countertenöre Franco Fagioli und Daniel Behle dieser Musik zu neuem Glanz.

 

Julia Leshneva und Ruxandra Donose springen ein

 

Sowohl beim Arienabend als auch für »La concordia de’ pianeti« wird es krankheitsbedingt zu Umbesetzungen kommen. Kurzfristig erreichte uns die Nachricht, dass die Sopranistin Anna Prohaska eine leichte Nebenhöhlenentzündung hat. Um ihre Stimme für die konzertante Aufführung des Opern-Oratoriums »La Concordia de’ Pianeti« zu schonen, wird beim Arienabend am Donnerstag, 16. Januar, an Anna Prohaskas Stelle die junge russische Sopranistin Julia Lezhneva singen, die sich bereits auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis einen Namen gemacht hat. Bei »La Concordia de’ Pianeti« am Samstag, 18. Januar, wird Anna Prohaska aber wie vorgesehen in der Partie der Diana zu hören sein.

Auch der französische Countertenor Christophe Dumaux ist erkrankt und überlässt die Partie des Giove am 18. Januar der Mezzosopranistin Ruxandra Donose, deren beeindruckende Stimme sich durch einen sinnlich warmen Ton und extreme Flexibilität auszeichnet.