Montag
11
Feb
2019

Zeitinsel »Klang der Seidenstraße«

Drei Tage lang kann man im KONZERTHAUS DORTMUND die klassische Musik aus Gegenden entlang der einstigen Handelsroute entdecken.

Die reiche Musiktradition Asiens ist hierzulande weitgehend unbekannt, aber auch vor Ort drohen die über Jahrhunderte überlieferten Gesangs- und Spieltechniken, die wesentlich auf der Kunst der Improvisation beruhen, in Vergessenheit zu geraten. Die Aga Khan Music Initiative (AKMI) hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Musiker und Musiklehrer dabei zu unterstützen, ihr musikalisches Erbe wiederzubeleben, ihr Wissen darüber weiterzugeben und es in Konzerten um die ganze Welt zu tragen. Dabei bewegen sich die mit diesem Antrieb konzipierten Programmreihen zwischen jahrhundertelanger Tradition und deren zeitgenössischer Neuinterpretation. Zum ersten Mal bringt die AKMI ihre Konzertprogramme nach Deutschland und präsentiert im Rahmen einer Zeitinsel im KONZERTHAUS DORTMUND die Facetten klassischer Musik der Seidenstraße. 

Der Auftakt der dreitägigen Residenz, bei dem sechs Musiker ein Schulkonzert gestalten, zeigt die Ausrichtung der Initiative auf Bildungsarbeit. Am Abend tritt das Sextett mit seinem Programm »Neue Musik von den Enden der Seidenstraße« auf, das es 2016 erstmals aufführte und etwa in die Londoner Wigmore Hall brachte. Das Ensemble um den syrischen Duclar-Spieler und Saxofonisten Basel Rajoub sowie die chinesische Pipa-Spielerin Wu Man begibt sich mit dem Publikum in Solo- sowie Gruppendarbietungen auf eine Klangreise zwischen Ost und West, zwischen Alt und Neu, zwischen Komposition und Improvisation.

Unter dem Titel »Qyrq Qyz – Vierzig Mädchen« wird eine jahrhundertealte Sage Zentralasiens erzählt und musikalisch wie bildlich reflektiert: Sie handelt von einer Gruppe junger Amazonen, die ihr Land verteidigen – eine Ausnahmeerscheinung in der zentralasiatischen Heldenepik, die vorrangig von der Tapferkeit männlicher Krieger handelt. Inspiriert von dieser Geschichte hat die usbekische Regisseurin Saodat Ismailova gemeinsam mit Landsmann und Komponist Dmitri Yanov-Yanovsky ein multimediales Konzert konzipiert, das Live-Musik mit Gesang sowie traditionellen Instrumenten und eindrucksvollen Filmsequenzen vereint.

Zum Abschluss der Zeitinsel eröffnet ein Trio einen weiteren neuen Klangkosmos – tief verwurzelt in der Musiktradition seiner Heimat. So finden Basel Rajoub, Feras Charestan und Sirojiddin Juraev einen gemeinsamen klanglichen Nenner im Maqam. In diesem klassischen jahrtausendalten Modus der Musik des Nahen Ostens und Zentralasiens besteht eine ständige Balance zwischen vorgegebenen Melodiestrukturen und individueller Improvisation. Auf diesem Prinzip beruhend verleihen die drei diesem von Generation zu Generation überlieferten Kammermusikstil mit Saxofon, Duclar, Kanun und arabischen Formen der Laute sowie durch Eigenkompositionen eine neue, persönliche Klangfacette.