Montag
03
Feb
2020

Der König seines Fachs

Countertenor Philippe Jaroussky ist der neue Curating Artist der Saison 2020/21.

Seit Jahren fasziniert Countertenor Philippe Jaroussky Kritiker und Publikum mit technisch anspruchsvollsten Koloraturen genauso wie mit melancholisch-leisen Tönen. »Die Vielschichtigkeit seiner Stimme macht ihn für mich zu einem der spannendsten Countertenöre überhaupt«, sagt Intendant Raphael von Hoensbroech über den Sänger, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere mit einer Reihe außergewöhnlicher Projekte im Konzerthaus zu erleben ist. »Es ist für uns eine riesige Freude, dass wir Philippe Jaroussky für dieses Festival haben gewinnen können. Es ist für ihn tatsächlich das erste Mal, eine solche zeitliche Programmdichte aktiv zu gestalten.«
 
Ein Abend mit Barockmusik scheint zunächst wie ein Heimspiel für den Countertenor. Und tatsächlich wird Alessandro Scarlattis Oratorium »Kain und Abel: Der erste Mord« mit seinem hervorragenden Sängercast ein Sängerfest – das Philippe Jaroussky hier allerdings erstmals vom Dirigentenpult mitgestaltet. Kaum jemand ist so in die gesanglichen Tiefen dieses selten aufgeführten Werks eingetaucht wie Jaroussky. Sein Dirigier-Debüt, geprägt von der Innensicht des Sängers, wird nun die Musiker beflügeln.
 
Auch an den weiteren Abenden stellt der Franzose seine musikalischen Zukunftsideen vor: Er erweitert seinen Fokus auf das Unterrichten, Dirigieren und das von ihm gegründete Ensemble Artaserse. Denn wo die Medien sich gegenseitig mit Superlativen überbieten, freut sich Jaroussky vor allem über den positiven Einfluss, der mit seiner Prominenz einhergeht. Junge Sänger eifern ihm nach und holen das Counter-Fach mehr und mehr aus seinem Nischen-Dasein. Einen Ausblick auf diese nächste Sängergeneration ermöglicht eine Masterclass für Gesangsstudenten. »Philippe Jaroussky hat eine große Leidenschaft für die Weitergabe seiner Kunst an die nächste Generation«, erklärt Raphael von Hoensbroech die Planung des Kurses. Daher unterrichtet er auch in Dortmund fünf ausgewählte Sänger unterschiedlicher Stimmfächer.
 
Natürlich singt der Franzose in Dortmund auch mehrfach, einmal ein ganzes Konzert lang allein. Ein Arienabend zeigt den Sänger ganz »klassisch« barock mit Werken von Vivaldi und Händel. Und auch mit seinen Schützlingen der Académie Musicale Philippe Jaroussky, die er im März 2017 eröffnete, lässt er sich hören. Mit ihnen gibt er eine »Nuit française« französischer Melodien, die sich als Late-Night-Konzert fortsetzt: Hier präsentiert er DJ Chloé, die nicht einfach auflegt, sondern live produziert und ihre Klänge mit der Musik von Jaroussky und anderen Gästen verbindet.
 
Zwei weitere Künstler bringt der Kurator Philippe Jaroussky ins Konzerthaus: den Organisten Thierry Escaich und seine hochgeschätzte Opernkollegin Natalie Dessay mit Chansons und Broadway-Klassikern. Was ihn an diesen Kollegen fasziniert, was sein Curating-Artist-Programm ausmacht und wie er sich seine Zukunft ausmalt, darüber spricht Jaroussky mit Intendant Raphael von Hoensbroech in einem Salon. Für musikalische Kostproben und Programmerläuterungen kommt das Publikum sicherlich auch hier noch einmal in den Genuss seiner Stimme.