Raum & Akustik
Konzerthaus Dortmund

Das Geheimnis guten Klangs

Das Konzerthaus Dortmund wurde vom Dortmunder Architekturbüro Schröder Schulte-Ladbeck konzipiert. Wie eine Muschel im Wasser schwebt der Konzertsaal mit seiner dunklen, rauen Außenhaut im luftigen, freundlichen Foyer.

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Angelehnt an die klassische Rechteckform des Wiener Musikvereinssaals ist auch das Konzerthaus Dortmund ein Saal im »Schuhkarton«-Format – nicht so klein, aber ähnlich proportioniert: Der Saal hat eine Länge von 55m und jeweils eine Breite sowie Höhe von 25m.

Nahezu jedes Detail im Saal hat Auswirkungen auf die Akustik. So wurde die Sitzfläche der Stühle auf einer genau berechneten und mit einem speziellen Schaumstoff hinterlegten Lochplatte aufgebaut. Die Wände des Saals sind komplett mit Akustikelementen ausgekleidet. Die gerundeten Gipselemente, die mit Wolle hinterfüttert sind, verleihen dem Raum nicht nur einen sanften, dekorativen Wellenrhythmus, sondern haben in erster Linie die Funktion, die Schallwellen optimal zu reflektieren, damit keine akustischen Löcher entstehen.

In diese Wandelemente sind Ornamentbänder mit kleinen Kästchen unterschiedlicher Tiefe eingelassen. Die Ornamentbänder dienen ebenfalls dazu, die Akustik des Raumes zu optimieren. Im Saal des Wiener Musikvereins sind es die vielen kleinen Putten und Wandelemente, die den Schall auf besondere Weise reflektieren. Im Konzerthaus übernehmen dies die kästchenförmigen Vertiefungen.

Konzerthaus Dortmund

Die Künstler lieben das Haus und die hervorragende Akustik: »Neben den Konzertsälen in Boston und Amsterdam gehört das Konzerthaus Dortmund akustisch zu den drei besten Sälen der Welt ... Und wunderschön ist es dazu auch noch.« (Anne-Sophie Mutter)

Von Anfang an waren die Akustiker in die Planung des Konzertsaals eingebunden. Alles ist darauf ausgerichtet, den »guten Ton« zu unterstützen. Die Nachhallzeit von zwei Sekunden gilt hierbei für klassische Konzerte als optimal für das Klangerlebnis.

Für Kammermusik-Konzerte kann der Konzertsaal durch einen (akustisch ebenfalls optimierten) Vorhang geteilt und so die Kapazität auf rund 600 Plätze reduziert werden.

Konzerthaus Dortmund

Den rechteckigen Konzertsaal umgibt ein schmaler, sichelförmiger Gebäudeteil mit der Gastronomie, den Foyerbereichen und dem Besuchertreppenhaus.

Eine öffentliche Glaspassage verbindet die Brückstraße mit der Reinoldistraße und ist den ganzen Tag bis spät in die Nacht geöffnet. Erst wenn das Restaurant schließt, wird auch die Passage geschlossen.

Konzerthaus Dortmund

An der Stirnseite des Konzertsaals prangt die große Orgel der Bonner Orgelbaufirma Klais.

3565 Pfeifen – 306 aus Holz und 3259 aus Zinn – und 53 Register erzeugen mächtige Klänge, die sowohl bei Orgelrecitals als auch in großen Orchesterwerken zu erleben sind.

Der klingende Teil der kleinsten Pfeife misst nur 8 Millimeter; 8,13 Meter lang und 400 Kilogramm schwer ist hingegen die größte Pfeife, was die Orgelbauer besonders freut, denn nach einer Tradition, die schon seit dem 16. Jahrhundert überliefert ist, schenkt der Auftraggeber den Orgelbauern so viel Wein, wie die größte Pfeife fassen würde, wenn ihm das Instrument gefällt. Und das sind im Fall der Konzerthaus-Orgel immerhin 600 Liter, die bei der offiziellen Übergabe des Instruments am 28. September 2002 den Besitzer wechselten.